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Dresdener Bahn

Zossen: Alter Güterbahnhof an Dresdner Bahn abgerissen – Scharfe Kritik von Carsten Preuß

So hat es ausgesehen, das markanteste Gebäude des mehr als 100 Jahre alten Güterbahnhofs von Zossen zwischen Gleisen und Wasserstraße.

So hat es ausgesehen, das markanteste Gebäude des mehr als 100 Jahre alten Güterbahnhofs von Zossen zwischen Gleisen und Wasserstraße.

Zossen. Von dem mehr als 100 Jahre alten Güterbahnhof Zossen ist nichts mehr übrig, er fiel jetzt dem Ausbau der Dresdener Bahn zum Opfer. Im Schutt, den Abrissbagger hinterließen, liegt auch ein markanter Backsteinbau, von drei alten Wasserkränen, die früher Dampfloks füllten, soll nur noch einer stehen.

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War Abriss des Güterbahnhofs in Zossen rechtens?

Einige Einwohner wie Erlebnisbahn-Geschäftsführer Jörn C. Schneider oder der langjährige Stadtverordnete Carsten Preuß (Linke) verstehen das nicht. Schneider fragt: "War das rechtens?" Und Preuß, der bereits Schriften zur Historie von Wassertürmen und Gutshöfen verfasste und Vorträge dazu hielt, der für die Wiederbelebung des Gleisanschlusse nach Mittenwalde kämpft, ist sauer. Der Kommunalpolitiker, zeitweilig Landtagsabgeordneter sowie aktuell BUND-Landesvorsitzender, erklärt: "Hier ist zu prüfen, wer für den Abriss verantwortlich ist und warum er nicht gestoppt wurde."

Das altes Bahnhofsgebäude vom rund 100 Jahre alten Güterbahnhof in Zossen ist nur noch ein Haufen Schutt

Das altes Bahnhofsgebäude vom rund 100 Jahre alten Güterbahnhof in Zossen ist nur noch ein Haufen Schutt

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Er verweist darauf, dass Gebäude und Dinge nicht zwingend in einer Denkmalliste stehen müssen, um erhalten zu werden. Für ihn ist eindeutig: „Das Landesamt für Denkmalschutz hat verpasst, den Güterbahnhof in die Liste der Denkmale einzutragen. Der Landkreis hat offensichtlich verpasst, mit einem Baustopp rechtzeitig auf den drohenden Abriss zu reagieren.“ Denn eine Abriss-Anzeige habe nach Baurecht ja beim Kreis eingegangen sein müssen. Preuß meint: „Wenn der Abriss im Planfeststellungsverfahren geregelt wurde, haben die zuständigen Denkmalschutzbehörden offensichtlich Planunterlagen nicht richtig beurteilt.“

Preuß: Bahn und Stadt Zossen erkannten Bedeutung nicht

Er jedenfalls habe im Internet keinen Hinweis auf den Abriss des Güterbahnhofs gefunden und sagt: „Die Bahn hätte erkennen müssen, dass es sich um ein Denkmal handelt.“ Ganz offensichtlich habe auch die Stadt nicht erkannt oder erkennen wollen, „dass der Abriss geplant wird“, so Preuß. Er erinnert sich an die Absicht von Ex-Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B), den Güterbahnhof zu kaufen. Damals habe die Bahn geantwortet, das sei so lange nicht möglich ist, wie noch Bauarbeiten liefen, so Preuß.

Das alte Bahnhofsgebäude vom rund 100 Jahre alten Güterbahnhof in Zossen ist nur noch ein Haufen Schutt

Das alte Bahnhofsgebäude vom rund 100 Jahre alten Güterbahnhof in Zossen ist nur noch ein Haufen Schutt

Aus seiner Sicht wäre der Güterbahnhof gut gewesen als Proberaum für junge Musiker und kleine Konzerte. Sein Fazit: „Die Stadt Zossen verlor mit dem Abriss des historischen Güterbahnhofes erneut ein stadtbildprägendes Gebäude.“ Das Bahnhofsareal mit Wasserturm, ehemaligem Militärbahnhof, mit Güter- und Lokschuppen, mit der internationalen Schlafwagengesellschaft und den beiden Stellwerken, war laut Preuß, „ein besonderes Ensemble“.

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Außerdem erklärt der Zossener, am früheren Militärbahnhof, der heutigen Draisinen-Station, „standen noch drei Wasserkräne auf der Denkmalliste“. Zwei davon „hat die Bahn schon abgebaut und beseitigt“. Für Preuß stellt sich auch dabei die Frage: „Welche Konsequenzen hatte der Abriss dieser denkmalgeschützten Wasserkräne?“ Er sieht die Gefahr, das als nächstes die beiden Stellwerke mit ihrer besonderen Technik abgerissen werden.

Eisenbahn-Bundesamt: Gebäude nicht denkmalgeschützt

Ein Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes erklärt: "Die Baulichkeiten standen nicht unter Denkmalschutz." Zudem heißt es in der Antwort: "Den Rückbau der leerstehenden Güterabfertigung sowie des daran angrenzenden, ebenfalls leerstehenden Güterschuppens am Bahnhof Zossen hat das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) auf Antrag der Vorhaben-Trägerin DB Netz AG am 19.01.2022 genehmigt." Der Abriss stehe nicht im Zusammenhang mit den geplanten umfangreichen Ausbaumaßnahmen im Bahnhofsumfeld Zossen, die seien Gegenstand eines noch laufenden Verfahrens, so der Sprecher.

Antworten von Stadt Zossen und Kreis stehen aus

MAZ-Anfragen an die Stadt Zossen und die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Teltow-Fläming blieben bisher unbeantwortet.

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Von Jutta Abromeit

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