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Schwarzwaldkrimi

Scherenschnitte des Grauens: die ARD-Serie „Höllgrund“

Fabian (August Wittgenstein) und Tanja (Lou Strenger) fühlen sich zueinander hingezogen – aber stehen sie überhaupt auf derselben Seite?

Fabian (August Wittgenstein) und Tanja (Lou Strenger) fühlen sich zueinander hingezogen – aber stehen sie überhaupt auf derselben Seite?

Eine Schwarzwaldserie! Das wird die „Fallers“-Fans freuen. Allerdings nicht lange: Wer „Höllgrund“ in der Hoffnung auf schöne Naturaufnahmen und beschauliche Familien­geschichten einschaltet, wird schon während des Prologs die Flucht ergreifen.

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Wer sich indes von diesen ersten Bildern, als ein Junge buchstäblich zur Schlachtbank geführt wird, nicht abschrecken lässt, wird mit acht Folgen belohnt, die es in sich haben. Dabei geht es zuweilen recht makaber und auch mal heftig deftig zu. Trotzdem weckt der Vorgeschmack falsche Erwartungen: „Höllgrund“ ist eine äußerst intelligent erzählte, clever konzipierte und mit Liebe zum mitunter allerdings blutigen Detail umgesetzte Serie.

Typisch für den Anspruch ist der Scherenschnitt, mit dem der Vorspann beginnt. Das Bild bietet eine Zusammenfassung der komplexen Handlung auf einen Blick; vor jeder Folge wird ein anderer Aspekt hervorgehoben. Das Handlungsmotiv Rache mag auf den ersten Blick nicht sonderlich originell klingen, doch wie Marc O. Seng und seine Co-Autorin Maike Rasch ihre Erzählung verpackt haben, ist große Drehbuchkunst.

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Ein Schnappschuss, der einer Todesliste gleicht

Die erste Folge beginnt harmlos: Landarzt Armbruster (Heiner Lauterbach) begrüßt die alte Irmi Freischütz (Michaela Caspar), die ihn wie jeden Morgen auf der Bank vor seiner Praxis erwartet. Aber schon kurz darauf ist die Idylle dahin: Der Arzt hat sich offenbar erhängt, die alte Frau sitzt zwar auf ihrem angestammten Platz, ist jedoch ebenfalls tot, der trinkfreudige Wirt erschießt sich, der demente Pfarrer stürzt von der Orgelempore, der Schlachthof­besitzer und der Chef des örtlichen Polizeipostens entgehen dem Tod nur um Haares­breite. Die Betroffenen waren allesamt Mitglieder des Kirchenchores. Ein vor gut 20 Jahren aufgenommenes Foto zeigt die Damen und Herren in vermeintlicher Eintracht; der Schnappschuss kommt nun einer Todesliste gleich.

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Die gerahmte Aufnahme steht auch in der Praxis von Armbruster, aber sie ist nicht komplett: Die linke Seite ist abgeknickt. Die junge Frau, deren Andenken auf diese Weise getilgt werden soll, schwebt wie ein schöner Racheengel durch die acht Folgen, die dank ihrer Dauer von nur 30 Minuten sehr dicht sind. Für die Todesserie ist jedoch der neue Landarzt Fabian Lambert (August Wittgenstein) verantwortlich. Seine Gegenspielerin ist Dorfpolizistin Tanja Hartholz (Lou Strenger). Sie hat profunde Zweifel am Suizid Armbrusters und wundert sich auch über die Häufung ominöser Todesfälle. Dass sie sich in den schmucken Doktor verliebt, wird fortan selbstredend für Komplikationen sorgen und ist ein weiterer Baustein dieses Gesamt­kunstwerks: Die Regie (Lea Becker, Hanno Olderdissen) wechselt immer wieder das Genre, weshalb „Höllgrund“ mal Krimi, mal Familiendrama, mal Romanze ist. Verblüffend effektvoll ist auch die eigentlich simple Idee, die kurzen Rückblenden in jenes gut zwei Jahrzehnte zurückliegende Jahr, als das unheilvolle Schicksal seinen Lauf nahm, im Format 4 zu 3 zu filmen.

Mal Krimi, mal Familiendrama, mal Romanze

Die Kameraarbeit wiederum ist stark reduziert und konzentriert sich auf die Figuren. Davon profitieren dank ihrer facettenreichen Rollen vor allem Lou Strenger und August Wittgenstein, wobei ihm das Kunststück gelingt, bei aller Ambivalenz der Figur dennoch Sympathie­träger zu bleiben. Der klassische Westerntopos des Rächers, der an den Ort eines grausigen Verbrechens zurückkehrt, spielt dabei natürlich auch eine Rolle, weshalb die ziemlich gewalttätige siebte Folge ausgesprochen bleihaltig ist. Dritte Hauptdarstellerin ist, wie zu erwarten, die Landschaft, aber bei den meisten frühwinterlichen Panorama­bildern kommt keinerlei Heimeligkeit auf.

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Die Serie ist ab sofort in der ARD-Mediathek verfügbar, wird im SWR-Fernsehen aber erst viele Wochen später ausgestrahlt. „Höllgrund“ ist laut SWR vorrangig für die Mediathek entwickelt worden und steht für neue Streaming-Sehgewohnheiten. Für die lineare Ausstrahlung habe sich der Sendeplatz an Halloween (31. Oktober, 20.15 Uhr) angeboten.

„Höllgrund“, ARD-Mediathek, mit Heiner Lauterbach, bereits streambar (lineare Ausstrahlung erst ab 31. Oktober).

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