„Menschen werden auf ihr Anderssein reduziert“

Jugendangebot Funk: öffentlich-rechtliches Krawall-TV

Das öffentlich-rechtliche Jugendangebot Funk steht immer wieder in der Kritik.

Das öffentlich-rechtliche Jugendangebot Funk steht immer wieder in der Kritik.

Hannover. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat ein Problem mit seinem jungen Programm. Ungefähr so lässt sich die Kritik zusammenfassen, mit dem das Jugendangebot Funk seit einigen Monaten, vielleicht sogar schon seit Jahren konfrontiert ist. Von „RTL-II-Niveau“ ist in den sozialen Netzwerken mitunter die Rede, Funk sei eine Art öffentlich-rechtliches Trash-TV mit knalligen, aber schlecht recherchierten Formaten, die vor allem auf eines aus seien: Klicks und hohe Reichweite – während der öffentlich-rechtliche Auftrag viel zu oft hinten rüber falle.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Zahlreiche Youtuber hatten das zuletzt immer wieder kritisiert, darunter das Duo Space Frogs. Reportagen würden augenscheinlich „schnell abgearbeitet“, eine tiefere Auseinandersetzung mit einem Thema, etwa mithilfe von wissenschaftlichen Studien, fehle häufig, kritisierten die Videomacher in einem Livestream zusammen mit zwei Verantwortlichen des Jugendprogramms.

Der Buchautor Wolfgang M. Schmitt wird noch deutlicher: Er attestierte Funk im Podcast „Funk – Die Woche“ kürzlich, das Jugendangebot würde sich einem Quotendruck beugen, den die Öffentlich-Rechtlichen eigentlich gar nicht nötig hätten. Das führe zu flachen Inhalten, weil man nur reproduziere, was ohnehin schon auf Youtube funktioniere. Damit vergeude man Gebührengelder – „und vor allem verschmutzt man mit diesen Inhalten noch weiter die mentale Psyche und Gesundheit“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Trans Frau trifft AfD-Politiker

Seit der vergangenen Woche gibt es nun einen neuen Anlass, sich einmal grundsätzlich mit dem öffentlich-rechtlichen Jugendangebot zu befassen. Konkret geht es um einen Beitrag, der am 13. Oktober beim Funk-Format „Leeroy will‘s wissen“ veröffentlicht worden war. Allein auf Youtube hat das rund 30-minütige Video inzwischen 1,3 Millionen Aufrufe – in den Kommentarspalten hagelt es derweil massive Kritik.

Moderator Leeroy Matata hatte für seine Videorubrik „Das Treffen“ den AfD-Politiker Ruben Rupp eingeladen. In einer Kulisse, bestehend nur aus einer weißen Wand und einem Retroteppich, sollte Rupp mit der trans Frau Hana Corrales über Transsexualität diskutieren.

Schon die Gesprächskonstellation allein sorgt für reichlich Kritik: Die AfD gilt als Partei, die Transsexualität grundsätzlich ablehnt, deren Vertreterinnen und Vertreter immer wieder mit transfeindlichen Aussagen auffallen, die Transitionen gar als „reine Fiktion“ bezeichnen. Welchen Erkenntnisgewinn könnte es da wohl haben, einen Politiker der AfD in einem TV-Studio auf eine trans Frau loszulassen? Ein konstruktiver Austausch jedenfalls dürfte wohl nicht das Ziel gewesen sein.

Moderator sichtlich überfordert

Tatsächlich geschieht auch exakt das Gegenteil. Corrales muss sich gegenüber dem AfD-Politiker rund 30 Minuten lang für ihre eigene Identität rechtfertigen. Kurz vor Ende der Sendung bittet die Studentin und Aktivistin schließlich darum, das Gespräch abzubrechen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Doch dabei bleibt es nicht. Auch Matatas Moderation ist weit entfernt jeglicher journalistischer Standards, die man von einer öffentlich-rechtlichen Jugendsendung erwarten könnte. Der 25-Jährige ist sichtlich überfordert mit der Situation, und ganz nebenbei: gänzlich unvorbereitet. Immer wieder führt Rupp vermeintliche Fakten und Statistiken an, immer wieder muss Corrales korrigieren. In einem Fall etwa behauptet Rupp, die Suizidrate bei transidenten Menschen läge bei 40 Prozent. Für eine derart hohe Zahl gibt es jedoch keinerlei Belege.

Zum Ende des Gesprächs platzt Corrales schließlich die Hutschnur: Rupp rede „nur Müll“, es sei „gefährlich, wenn Millionen Menschen so eine Scheiße“ sähen, beschwert sich die Studentin. Matata agiert hilflos: Beide Gesprächspartner kämen „dauerhaft mit Fakten, die ihr so recherchiert habt“ – diese könne er jetzt aber nicht überprüfen. Der Moderator verweist stattdessen auf Bildtafeln, die während des Gesprächs eingeblendet würden. Hier fügt die Redaktion der Sendung im Nachgang Korrekturen und weiterführende Infos an.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Scharfe Kritik vom Bundesverband Trans*

Zuschauerinnen und Zuschauer der Sendung zeigen sich fassungslos: „Ich verstehe nicht, wie man als Moderator und Team dahinter so unvorbereitet in so ein sensibles Thema einsteigen kann“, schreibt einer in den Kommentaren. Jemand anderes rät: „Bitte lass‘ solche Interviews (...) oder bereite dich vor. Kann meine Emotionen gerade nicht mal in Worte fassen, die in mir vorgehen.“ Auf Twitter kommentieren Menschen aus der Trans- und Queerbewegung die Sendung. @queerbildung etwa schreibt: „Wer andere marginalisierte Menschen derart vor den Bus wirft und in einem von ihm moderierten Format Diskriminierung aussetzt, hat es einfach nicht verdient, eine solche Plattform zu haben.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das sieht auch Kalle Hümpfner vom Bundesverband Trans* so. „Wenn transfeindliche Inhalte wiederholt und verharmlosend als ‚Meinung‘ dargestellt werden, wird die bestehende Ausgrenzung und Abwertung von trans Personen in dieser Gesellschaft fortgeführt und verstärkt“, sagt Hümpfner dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Vor diesem Hintergrund ist es riskant und problematisch, Personen wie einen AfD-Abgeordneten mit explizit transfeindlicher Einstellung und Agenda als Gesprächspartner einzuladen. In dem Gespräch wurde der Raum gegeben, abwertende und menschenverachtende Aussagen zu reproduzieren.“

Hümpfner sieht in dem Format klare journalistische Mängel. „Das ist verletzend und diese Verletzung kann nicht durch die Einblendung von weiterführenden Fakten aufgefangen werden“, meint Hümpfner. Von dem Format und Moderator Matata wünscht sich Hümpfner eine „bessere Vorbereitung“, um „sicher intervenieren zu können und einen entscheidenden Beitrag zu leisten“.

Kein Einzelfall

Nun könnte man das verunglückte Gespräch als Einzelfall betrachten, als eine von Anfang an blöde Idee, als journalistischen Fauxpas, der jedem Medium einmal passieren kann – natürlich auch dem öffentlich-rechtlichen Jugendangebot. Doch so einfach ist es nicht.

Schaut man sich die Inhalte des Formats „Leeroy will’s wissen“ einmal genauer an, so lässt sich schnell der Eindruck gewinnen, dass hier bereits seit Längerem jegliches Gespür für den öffentlich-rechtlichen Auftrag verloren gegangen ist.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Nahezu alle Beiträge des Formats setzen in ihrer Aufmachung auf den größtmöglichen Knalleffekt. Die Videotitel auf Youtube und in der ZDF-Mediathek sind boulevardesk und zum Teil in Großbuchstaben verfasst, die Vorschaubilder der Videos sind in herausstechenden Farben und mit reißerischen Überschriften gestaltet. Ein Interview mit einer magersüchtigen Frau wird bebildert mit einem Foto, das die Frau halbnackt von hinten zeigt – bei einem Mann, der einen Teil seines Kopfes bei einer Explosion verloren hat, wurde im Hintergrund unscharf ein brennendes Gebäude montiert.

Zwischen Sexfetischen und unheilbaren Krankheiten

In den Videos selbst animiert Matata gleich zu Beginn sein Publikum mit einer „Abo-Statistik“ zur Interaktion: 68 Prozent aller Zuschauenden würden die Videos zwar ansehen, hätten den Youtube-Kanal aber noch nicht abonniert. „Deshalb holt das jetzt nach, aktiviert den Kanal, aktiviert die Glocke, zwei kostenlose Klicks für euch“, wirbt Matata. Das wirkt wie eine Verkaufsshow in einem privaten Teleshopping-Kanal – aber nicht wie die Anmoderation eines öffentlich-rechtlichen Formats.

Auch rein inhaltlich scheint die Leeroy-Redaktion ganz absichtlich Grenzen auszuloten, was stets mit hohen Aufrufzahlen im sechsstelligen oder gar Millionenbereich honoriert wird. Eingeladen werden Personen mit besonders tragischen Einzelschicksalen: Eine Frau, die eine Hausexplosion überlebt hat, ein Knochenkrebspatient, ein Mann mit einer unbekannten Hautkrankheit.

Dazu gesellen sich besondere Sexfetische. Matata trifft etwa auf ein sogenanntes „Bimbo Doll“ – eine Frau, die ihre Brüste enorm vergrößern lassen hat. Gleich mehrmals lädt Matata porno- oder sexsüchtige Männer zum Gespräch, sowie Pornodarstellerinnen oder ein sogenanntes „Little“: Eine Art Fetisch, bei dem eine 25-Jährige Frau lebt wie ein zweijähriges Kind und damit ihren Partner glücklich macht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Gesprächskreis mit Knalleffekt

Während der Interviews glänzt Matata nicht gerade durch journalistische Expertise. Er gibt sich als zurückgenommener Zuhörer, zeigt sich mal verständnisvoll, mal erstaunt. Hin und wieder lässt Matata Kritik durchblicken – etwa wenn das „Bimbo Doll“ allzu ausschweifend und überglücklich von seinen 50.000 Euro teuren Schönheits-OPs berichtet. Fachlich vorbereitet scheint der Moderator derweil selten zu sein – dies übernehmen dann eingeblendete Texttafeln, die gelegentlich die Faktenlage zurechtrücken.

Besonders erfolgreich ist Matata mit dem Format „Das Treffen“: Hier werden stets Menschen in ein Studio geladen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das sorgt nicht nur verlässlich für Spannungen – sondern vor allem für Klicks. So trifft hier etwa ein pädophiler Mann auf eine sexuell missbrauchte Frau, eine Prostituierte auf eine Feministin und – warum auch immer – das „Bimbo-Doll“ auf eine Frau, die vom Blitz getroffen wurde.

Auch das Aufeinandertreffen des AfD-Politikers und Hana Corrales‘ stammt aus dieser Reihe. Im Gesamtkontext wird klar, was wohl das Ziel des Videos gewesen sein dürfte. Kein Austausch, kein Diskurs, kein respektvolles Gespräch, kein gemeinsamer Nenner. Gewollt war augenscheinlich genau der Knalleffekt, der mit dem missglückten Gespräch schließlich auch erreicht wurde.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Porträtformate boomen bei Funk

„Leeroy will’s wissen“ ist nicht das einzige Format dieser Art, das Funk im Programm hat. Auch Sendungen wie „Reporter“, „Tru Doku“, „Die Frage“ oder „Follow me Reports“ verfahren nach exakt demselben Schema. Ungewöhnliche Menschen erzählen möglichst ohne große journalistische Nacharbeit und Einordnung ihre ungewöhnlichen Geschichten.

Das Thema „Ich liebe ein Flugzeug“ etwa ist gleich in drei dieser Formate Thema. Die klassischen Boulevardthemen Sex, Drogen, Prostitution und Unfälle tauchen immer wieder auf. Regelmäßig werden Protagonistinnen und Protagonisten mit besonderen Sexfetischen, besonders schweren Schicksalsschlägen oder unheilbaren Krankheiten begleitet.

Die Formate unterscheiden sich dabei nur in ihrer Machart: Manche sind als Personality-Doku angelegt, in vielen Fällen besucht ein Host die Protagonistinnen und Protagonisten zu Hause; im Falle von Leeroy werden sie in ein festes Studioset eingeladen. Doch alle Formate eint eines: die häufig unzureichende journalistische Aufarbeitung.

Funk löscht halbgare Reportagen

Nicht selten führt das zu Problemen: Gleich zweimal musste Funk in den vergangenen Wochen eine Reportage wieder aus dem Netz entfernen. Zuletzt etwa einen Film von „Follow me Reports“ über ein Pornopärchen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Zuschauerinnen und Zuschauer hatten die Redaktion auf problematische Aussagen der Protagonisten hingewiesen. Erst daraufhin entschied man sich, den Film mit zwei unabhängigen Expertenstimmen erneut hochzuladen. Ein Arbeitsschritt, der in einem seriösen journalistischen Reportageformat eigentlich von vornherein Standard hätte sein sollen. Nicht so bei Funk: Hier dürften die Protagonistinnen und Protagonisten einfach erzählen, das junge Publikum wird häufig mit ihnen allein gelassen.

Auch ein Experiment der Reporterin Carolin von der Groeben für das Format „Y-Kollektiv“ sorgte für Ärger. In diesem hatte die 27-Jährige versucht, 30 Tage lang auf Alkohol zu verzichten. Die unreflektierte Haltung der Moderatorin sorgte für enorme Kritik in der Zuschauerschaft, sodass sich die Redaktion entschied, das Video zu entfernen – und schließlich mit einer unabhängigen Experteneinschätzung erneut hochzuladen.

„Menschen werden auf ihr Anderssein reduziert“

Ole Nymoen beobachtet die Arbeit des öffentlich-rechtlichen Jugendangebots schon länger. Zusammen mit Wolfgang M. Schmitt hat Nymoen das Buch „Influencer: Die Ideologie der Werbekörper“ geschrieben, das sich kritisch mit der Social-Media-Branche beschäftigt. Auch bei den öffentlich-rechtlichen Medien bemerkt Nymoen inzwischen viele Stilmittel, die sich sonst vor allem im kommerziellen Social-Media-Sektor finden lassen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Das Angebot von Funk ist zwar breit gestreut, geht jedoch selten in die Tiefe“, kritisiert der Autor gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Viele Videos ähneln oder doppeln sich, es gibt unzählige Formate, die im Boulevardstil Menschen vorstellen, die in irgendeiner Weise ‚anders‘ sind. Von angeblichen Hexen bis hin zu Frauen, die in Flugzeuge verliebt sind, werden allerlei Menschen im digitalen Kuriositätenkabinett zur Schau gestellt“, so Nymoen weiter.

Funk würde zwar stets behaupten, dass diese Videos „sensibilisieren sollen“. Aber: „In Wahrheit werden die Menschen auf ihr Anderssein reduziert und dienen Funk vor allem dazu, hohe Klickzahlen zu erreichen.“

Es zählt nur das Skandalprinzip

Das zeige sich insbesondere bei Formaten wie „Leeroy will’s wissen“. „Bei Leeroy treffen immer wieder Positionen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ex-Prostituierte trifft Freier, trans Frau trifft AfD-Politiker – das Format funktioniert nach dem Krawallprinzip“, sagt der Kritiker. „Das soll vor allem Klicks bringen und fordert selten Erkenntnisse zu Tage. Am schlimmsten ist jedoch, dass durch diese Gegenüberstellung die rivalisierenden Positionen als gleichberechtigte Anliegen in Szene gesetzt werden.“

Nymoen ärgert das auch, weil ein öffentlich-rechtliches Medium derartige Stilmittel eigentlich gar nicht nötig hätte. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsste rein theoretisch nicht auf die Quote achten – sein gesetzlicher Auftrag ist es, zu informieren, zu bilden und zu unterhalten“, betont Nymoen. „Dennoch schielen alle Sender auf die Quote, und bei der Entwicklung des Jugendprogramms scheint diese Logik komplett überhandgenommen zu haben. Influencer, die keinerlei journalistische Ausbildung besitzen, sollen für hohe Klickzahlen sorgen; auch die Auswahl der Inhalte folgt oftmals dem Skandalprinzip.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe sich damit „einer algorithmischen Logik unterworfen, bei der es nicht mehr darum geht, möglichst hochwertige Inhalte zu produzieren“. Gesendet wird stattdessen, was sich ohnehin schon klickt. „Neue, kreative und intellektuell herausfordernde Inhalte bleiben auf der Strecke.“

Was Funk zur Kritik sagt

Beim Jugendangebot Funk selbst kann man mit dieser Kritik nur wenig anfangen. Eine Sprecherin erklärt auf Anfrage des RND, das Ziel der Sendung „Leeroy will’s wissen“ sei der „Dialog“. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Charaktere solle helfen, „den gesellschaftlichen Diskurs zu fördern und dies jungen Zielgruppen von Funk zu vermitteln“. Man wolle „ein Gespräch verschiedener Menschen ermöglichen“, Verständnis schaffen und „am Ende mit Vorurteilen und Falschurteilen aufräumen“.

Moderator Leeroy Matata stehe dabei als „Stellvertreter für die Zielgruppe“, den Rest würden Faktenchecks innerhalb von Texttafeln übernehmen. Allerdings gibt die Sprecherin zu: „Im konkreten Fall hat dies jedoch nicht ausgereicht, um das Gespräch ausreichend faktenbasiert einzuordnen. Uns erreicht dazu Kritik, die wir klar anerkennen.“

Auf die generelle Kritik am Stil und der Aufbereitung dieser Personality-Formate geht Funk nicht näher ein. Im Falle des Formates „Leeroy will‘s wissen“ verweist die Sprecherin auf den Inhalt: Matata zeichne sich „durch eine große Sensibilität gegenüber Protagonist:innen aus und wird vom Publikum als ein sehr einfühlsamer und zurückhaltender Moderator wahrgenommen, das zeigen die Kommentare der Community“. Das Format beschäftige sich „mit in der Zielgruppe relevanten Themen“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die AfD feiert

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Funk gegenüber dem RND zu den Formaten geäußert. Seinerzeit erklärte eine Sprecherin, diese würden „als Orientierung“ dienen und „Fragestellungen, gesellschaftliche Entwicklungen oder Zustände anhand von persönlichen Erlebnissen“ aufgreifen. Inwiefern das auf Videos wie „So lebe ich als moderne Hexe“ (zu sehen in gleich mehreren Funk-Formaten, etwa „Die Frage“, „Leeroy will’s wissen“ und „Auf Klo“) zutrifft, bleibt offen. Die genannten Personality-Formate hätten „am Gesamtportfolio von Funk-Formaten“ aber ohnehin „einen extrem niedrigen Anteil“, heißt es von Funk.

Die Rückmeldungen zu den zuletzt viel kritisierten Formaten nehme man aber „ernst“. Man setzte sich mit der Kritik auseinander und thematisiere diese auch in den jeweiligen Formaten. Das sei auch beim aktuellen Leeroy-Video geplant. „Dass wir hier ständig nachschärfen, um uns zu verbessern, und wenn nötig, Themen auch noch mal anpacken, wenn wir erkennen, dass es besser geht, ist aus unserer Sicht Teil des Prozesses“, heißt es von Funk.

Ob diese Einsicht den Protagonistinnen und Protagonisten der Funk-Formate weiterhilft, bleibt fraglich. Das Instagram-Profil von Hana Corrales wird nach ihrem Auftritt bei „Leeroy will‘s wissen“ von Hassbotschaften regelrecht geflutet. Kaum erträglich ist das, was unter einem aktuellen Porträtbild der jungen Frau auf Instagram zu lesen ist. Nur einer hat gut Lachen: Ruben Rupp. Der AfD-Politiker hat auf seinem Youtube-Kanal ein Reactionvideo zum Funk-Format veröffentlicht, in dem er die Ereignisse im TV-Studio süffisant kommentiert. Eine bessere Werbung für die eigenen parteipolitischen Anliegen kann man sich eigentlich kaum vorstellen.

Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen