Neuer Fall für Schenk und Ballauf

Jubiläums-„Tatort“ aus Köln: ein weggeworfener Mensch

Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l) und Freddy Schenk (Dietmar Bär).

Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l) und Freddy Schenk (Dietmar Bär).

Eigentlich ist es ein Grund zum Feiern: Seit genau 25 Jahren gehen die Kölner „Tatort“-Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) für die ARD auf Verbrecherjagd. Dennoch kommt in ihrem 85. Fall, „Spur des Blutes“ (Regie: Tini Tüllmann) keine rechte Feierstimmung auf. Zu brutal ist das Verbrechen, um das es diesmal geht. Und im letzten Drittel des Films werden die in Ehren ergrauten Kommissare dann sogar zu Nebenfiguren.

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Aber immerhin gibt es in diesem Jubiläumsfall einen echten Besetzungsknaller: Zum ersten Mal hat der österreichische Kabarettist, Autor und Schauspieler Josef Hader eine Rolle in einem „Tatort“ übernommen. Und Filme, in denen dieses Multitalent mitspielt, können gar nicht schlecht sein.

Das trifft auch auf diesen Krimi zu, obwohl man mal wieder viel zu früh ahnt, wer der Mörder ist. Opfer ist Lara (Charlotte Lorenzen), eine 19-jährige Drogenabhängige, die ihr Geld auf dem Straßenstrich verdient. Anfangs sieht man, wie Kim (Greta Bohacek) mit ihrer Freundin durch die Straßen Kölns streift. Die beiden haben ihren Spaß und stechen sich schließlich gegenseitig einen Schmetterling in die Nackenhaut. Kurz darauf sind die beiden auf dem Straßenstrich, wo Lara dann in ein Auto eines Freiers steigt. Und am nächsten Morgen wird ihre Leiche in einem Auffangbecken der Kanalisation gefunden.

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Was weiß die Kriminaltechnikerin?

Ein Fall für Ballauf und Schenk, der die beiden besonders schockiert, weil Lara vor ihrem Tod sadistisch misshandelt worden ist. Nach dem Schock beginnt im Film die übliche Ermittlungsarbeit – das Befragen von Freunden und Zeugen und das Auswerten von Spuren, die es in diesem Fall reichlich gibt. Beispielsweise Videoaufnahmen von einer sogenannten Verrichtungsbox, die Lara mit einem Kunden aufgesucht hat. Und die das ganze Elend des Straßenstrichs anschaulich macht.

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Auch ihr schnöseliger Zuhälter ist auf einer Aufnahme zu sehen, wie er Lara bedrängt. Und eine Spur führt zu einem Caravanverleih, den Frank Andersen (Hader) betreibt. Verdächtig ist dessen vorbestrafter Mitarbeiter.

Das alles wird solide, aber nicht allzu aufregend erzählt. Es ist halt Polizeiroutine. Und für die nötige Krimispannung sorgen dann DNA-Spuren, die am Leichnam Laras gefunden werden. Eine davon stellt diesen Krimi dann völlig auf den Kopf. Sie führt nämlich ausgerechnet zu der Kriminaltechnikerin Natalie Förster (Tinka Fürst). Offenbar hat sie eine Probe verunreinigt, anders lässt sich das eigentlich nicht erklären. Dennoch ist Förster plötzlich komplett neben der Spur. Sie ist nervös, gereizt und völlig unkonzentriert. Sie vernachlässigt sogar ihre Arbeit und muss sich daraufhin scharfe Kritik von Ballauf gefallen lassen.

Schenk und Ballauf: Ihr jugendlicher Elan ist verschwunden

Dank des klugen Drehbuchs von Jan Martin Scharf und Arne Nolting bleibt danach lange offen, warum Förster so merkwürdig reagiert. Das sorgt dann für zusätzliche Spannung. Und gleichzeitig zu einer überraschenden Wendung im Film. Während die Kommissare kaum noch eine Rolle spielen, konzentriert sich der „Tatort“ ganz auf die Kriminaltechnikerin. Sie verfolgt augenscheinlich eine eigene Spur, eben die Spur ihres Blutes, die schließlich zu einem ziemlich nervenaufreibenden Duell mit dem Täter führt.

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Das alles funktioniert im Film so gut, dass selbst die wenigen lustigen Momente in dieser düsteren Handlung keine Fremdkörper sind. Genau wie die Szenen, in denen die beiden Kommissare selbstironisch ihr Alter kommentieren. Ihr jugendlicher Elan ist halt verschwunden, aufregende Verfolgungsjagden sind nicht mehr ihr Ding. Stattdessen greifen sie wirkungsvoll zu kleinen Tricks, beispielsweise zu einer Hase-und-Igel-Taktik, um einen Täter dingfest zu machen. Das ist witzig, da schaut man auch als älterer Zuschauer gerne zu und wünscht den beiden Jubilaren noch viele weitere „Tatort“-Auftritte.

„Tatort: Spur des Blutes“, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr, mit Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Josef Hader, Greta Bohacek

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