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Bienensterben nach Waldbränden: Türkische Imker bangen um ihre Existenz

Yasar Karayigit kniet vor Bienenboxen in der Nähe des Dorfes Osmaniye in der Region Marmaris.

Yasar Karayigit kniet vor Bienenboxen in der Nähe des Dorfes Osmaniye in der Region Marmaris.

Marmaris. Der Imker Yasar Karayigit hebt den Deckel eines Bienenstocks an, zieht vorsichtig einen Rahmen aus dem Kasten, einige Bienen laufen über die Wachswaben. „Sehen Sie, es sind nur noch wenige Bienen da.“

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Die Box steht in einem Wald in der Provinz Mugla. Von den hier besonders verbreiteten Türkischen Pinien ragen viele verkohlt in die Höhe und sollen bald gefällt werden. In der Region haben die Waldbrände besonders gewütet. Auch viele Bienenkästen seien verbrannt, manche Bienen allein durch die Hitze gestorben. Der größte Verlust seien aber die Bäume, „ohne die können wir keinen Honig mehr produzieren“, sagt Karayigit.

Imker: „Den Honig für dieses Jahr können wir vergessen“

Karayigit züchtete seine Bienen bisher rund um das Dorf Osmaniye - wie sein Vater und sein Großvater schon. Das 500-Einwohner-Dorf liegt in einer Senke in den Bergen, nicht weit von der Mittelmeerstadt Marmaris entfernt - ringsherum ist Wald.

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98 Familien leben hier von der Imkerei. Das Feuer ist innerhalb von 30 Minuten an dem Dorf vorbeigezogen, nur einige Häuser sind in Brand geraten, den Imkern hat es mit den Pinien trotzdem die Lebensgrundlage entzogen. „Den Honig für dieses Jahr können wir vergessen“, sagt Karayigit.

Für den Pinienhonig sammeln die Bienen Honigtau. Der ist Ausscheidungsprodukt eines Insekts, das auf der Rinde der Türkischen Pinien sitzt und kleine Zuckerpfützen hinterlässt. Knapp 90 Prozent des Pinienhonigs weltweit werden offiziellen Angaben zufolge in der Türkei hergestellt - ein Großteil davon in der Provinz Mugla, laut der Imkervereinigung der Region jährlich rund 15.000 bis 20.000 Tonnen. Das macht etwa 20 Prozent des gesamten Honigs aus, den Bienen in der Türkei produzieren.

66.000 Hektar Land verbrannt

In Mugla sind in den vergangenen zwei Wochen mehr als 66.000 Hektar Land verbrannt - eine Katastrophe für viele Imker. Bereits im vergangenen Jahr sei die Ausbeute gering gewesen, sagt der Imker Volkan Yildiz. Er hat einen kleinen Honigladen in Marmaris und selbst rund 300 Bienenvölker. Keiner seiner Bienenkisten sei etwas passiert. Das Waldstück, auf dem sie stehen, sei vom Brand verschont geblieben. „Aber sicher 90 Prozent der Imker in der Region haben großen Schaden genommen“, sagt Yildiz.

Wie groß der Schaden genau ist, könne man aber vermutlich erst in ein paar Monaten beurteilen. Erste Schätzungen gehen von 80 Prozent weniger Pinienhonig aus.

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Staat will neue Honigwälder errichten

Bekir Pakdemirli, der türkische Forst- und Landwirtschaftsminister, versprach den Imkern zuletzt vollmundig: „Wir werden neue Honigwälder errichten. Der Staat ist hier.“ Bis neu gepflanzte Pinien wieder für die Produktion von Honig geeignet sind, könnte jedoch einige Zeit vergehen. Dogan Kantarci, Ökologieprofessor der Istanbul-Universität, sagte der Deutschen Presse-Agentur, es brauche 20 bis 25 Jahre, bis eine Türkische Pinie soweit sei.

Am Rande des Dorfes Osmaniye stehen einige aufeinandergestapelte Bienenkästen neben dem Haus eines Imkers. Das Feuer hat wenige Meter entfernt gewütet und etwa das Toilettenhäuschen zerstört. 150 seiner Völker seien in den Flammen verbrannt, erzählt der Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte. 300 weitere seiner Völker seien im Landesinneren. Dort bringt er - wie viele im Dorf - einen Teil seiner Bienen im Frühjahr. Nun sei es eigentlich an der Zeit, sie zurückzuholen.

Der Brand hat nicht den ganzen Wald zerstört, einige Regionen blieben völlig unberührt von den Feuern. „Aber ich kann sie ja nicht einfach dort aufstellen, wo andere bereits ihre Kästen haben“, so der Imker. Eine andere Einkommensquelle hatte er nicht. Er ist sauer auf die Regierung, findet, sie habe den Wald auf dem Gewissen, weil sie weder genügend vorbereitet gewesen sei noch adäquat reagiert habe.

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Auf die Frage, wie es für ihn nun weiter gehe, zuckt der Mann nur mit den Schultern. „Wir sehen keine Hoffnung mehr. Kein grünes, gelbes, nicht mal rotes Licht.“

RND/dpa

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