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„It never rains in California“

Dürre an der US-Westküste: Wenn der Wein kein Wasser mehr bekommt

Kein Wasser, nirgends: Sonnenaufgang am Devil’s Golf Course im Death Valley von Kalifornien.

Santa Barbara. Die Küstenregion um Santa Barbara gehört zu den schönsten Flecken Kaliforniens. Stolze Palmen säumen den breiten Pazifikstrand auf der einen Seite der Stadt, während die aufgehende Sonne die Santa Ynez Mountains im Norden in ein warmes Licht taucht.

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Doch ein paar Kilometer landeinwärts inmitten der Berglandschaft ist die Welt offensichtlich nicht in Ordnung. Dort liegt malerisch schön der zwölf Quadratkilometer große Cachuma-Stausee. Sein felsiges Ufer aber weist zwischen dem Wasser und den grünen Büschen einen breiten fahlen Streifen auf. Mehr als 13 Meter unter dem Höchststand und immerhin 4,5 Meter tiefer als zur gleichen Zeit vor einem Jahr liegt derzeit der Pegel.

Der weiße Kranz am Ufer des Cachuma-Stausees bei Santa Barbara verheißt nichts Gutes. Eigentlich sollte das Becken nach der winterlichen Regenzeit gefüllt sein. Tatsächlich steht der Pegel nur bei 44 Prozent.

Der weiße Kranz am Ufer des Cachuma-Stausees bei Santa Barbara verheißt nichts Gutes. Eigentlich sollte das Becken nach der winterlichen Regenzeit gefüllt sein. Tatsächlich steht der Pegel nur bei 44 Prozent.

Nur zu 44 Prozent ist das Trinkwasserreservoir gefüllt. „Das ist verdammt wenig“, sagt der Ranger, der die Aussichtsplattform am Bradbury-Damm an diesem Morgen reinigt. Wie hoch der Stand denn normalerweise sei? „Was ist schon normal?“, fragt der Parkaufseher zurück: „Aber eigentlich sollte das Becken vor dem Sommer voll sein.“ Von Mai bis Oktober nämlich gibt es hier statistisch kaum Niederschläge.

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Dürre in Kalifornien: Kaum Schnee auf den Gipfeln der Sierra Nevada

Das verheißt nichts Gutes. Seit Jahren hat Kalifornien mit trockenen, heißen Sommern zu kämpfen, die immer schlimmere Waldbrände befördern. Nach einem niederschlagsreichen Dezember hat es nun in den ersten drei Monaten dieses Jahres kaum geregnet. Meteorologen sprechen vom trockensten Frühling seit Jahrzehnten. Auf den Kuppen der Sierra Nevada hat sich im Winter gerade einmal 38 Prozent der normalen Schneemenge angesammelt. So sind in diesen Apriltagen schon mehr als 93 Prozent des Bundesstaats auf der Karte des „U.S. Drought Monitor“ orange oder rot eingefärbt – was schwere oder extreme Trockenheit signalisiert.

Wenn es in den nächsten Wochen nicht noch unerwartet kräftig schüttet, droht Kalifornien im Sommer eine heftige Dürre. „It never rains in California“, der eigentlich verheißungsvoll unbeschwerte Erfolgshit von Albert Hammond aus den 1970er-Jahren, droht endgültig zum Fluch zu werden.

Schon seit Jahren hat es viel zu wenig geregnet, worunter die Natur und die Landwirtschaft gleichermaßen leiden. Eine knappe Autostunde von Santa Barbara entfernt spürt man die Folgen: In einem schattigen Garten in Los Olivos kann man dort die Weine des Spitzenwinzers Tensley verkosten. Anders als viele Kollegen baut Tensley hier in den Bergen keinen empfindlichen Pinot Noir, sondern Rhone-Sorten an, die mehr Hitze vertragen. Bislang verzichtet er bewusst auf eine künstliche Bewässerung der Rebstöcke. Aufgrund der Trockenheit aber ist seine Traubenproduktion in den vergangenen zwei Jahren um die Hälfte geschrumpft.

Ohne künstliche Bewässerung geht nichts mehr

„Es ist beunruhigend“, sagt die Sommelière Melinda, während sie einen kleinen Schluck des feinen Syrahs ins Probierglas gießt: „Ich bin hier aufgewachsen. Es gab immer Regen. Jetzt ist im Herbst die ganze Landschaft braun.“ Wahrscheinlich wird Tensley in diesem Sommer seine Weinfelder erstmals bewässern müssen.

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Doch nicht überall ist das möglich. Ein paar Hundert Meilen nördlich, in der Region um die San Francisco Bay, hat das Central Valley Project mit einem 640 Kilometer langen System von Reservoirs und Kanälen seinen Kunden gerade mitgeteilt, dass sie in diesem Jahr mit Einschränkungen rechnen müssen. Privathaushalte und Betriebe sollen deutlich weniger Waser als bestellt erhalten. Für die Landwirte will der Versorger den Hahn ganz zudrehen.

Auch Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom, der sich im vergangenen Jahr mit einem freiwilligen Einsparappell begnügte, erwägt nun erste Einschnitte. Nach Medienberichten will er die Bewässerung öffentlicher Rasenflächen stark einschränken. Außerdem hat er die Kommunen aufgefordert, sich auf Wasserausfälle von 20 Prozent einzustellen.

Fachleute bezweifeln, dass das reichen wird. „Es ist ein bisschen spät, jetzt mit Wasserspartipps zu kommen“, schrieb die Los Angeles Times vor wenigen Tagen in einem Leitartikel und forderte staatliche Vorschriften wie im Dürrejahr 2015, als Newsoms Vorgänger Jerry Brown mit mehreren drastischen Notverordnungen den Wasserverbrauch um fast 25 Prozent senkte.

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Verschwenderische Rasensprenger und Luftbefeuchter in Palm Springs

Während die Landwirtschaft schon jetzt darbt, gäbe es anderswo durchaus noch Einsparreserven – wenn der politische Wille dazu da wäre. Kaum irgendwo kann man das so gut beobachten wie in Palm Springs, dem legendären Rückzugsort vieler Hollywoodpromis. Mit sattgrünen Golfplätzen, türkisblauen Pools und großen Palmen präsentiert sich der Ort mitten in der Mojave-Wüste wie eine unwirkliche Megaoase.

Überall laufen Rasensprenger. Üppige violette Bougainvilleas säumen die Straßen. Bei 35 Grad Hitze schon im April wird der Gast in vielen Restaurants draußen durch einen Feuchtigkeitsnebel gekühlt.

Der Schein trügt: Nur durch intensive Bewässerung präsentieren sich die Golfplätze in Palm Springs in verschwenderischem Grün.

Der Schein trügt: Nur durch intensive Bewässerung präsentieren sich die Golfplätze in Palm Springs in verschwenderischem Grün.

Rund 670 Liter Wasser verbraucht statistisch hier jeder Haushaltskunde am Tag. Das ist selbst für kalifornische Verhältnisse (der Landesdurchschnitt liegt bei 250 Litern) ein Spitzenwert. Ein enormer Konsum auf der einen und durch den Klimawandel bedingt immer größere Trockenheiten auf der anderen Seite – das kann auf Dauer nicht gut gehen.

In gewisser Weise wirkt die karge Natur des benachbarten Joshua Tree Parks zugleich wie ein Mahnmal. Mitten in dem staubtrockenen Nationalpark mit seinen markanten Kakteenpflanzen liegt der Barker Dam, der einst von Siedlern gebaut wurde, um Wasser für ihre Viehherden anzustauen.

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Von den auf der Tafel versprochenen Wasserhühnern und Haubentauchern fehlt jede Spur: Der Barker Dam im Joshua Tree Park ist schon im April ausgetrocknet.

Von den auf der Tafel versprochenen Wasserhühnern und Haubentauchern fehlt jede Spur: Der Barker Dam im Joshua Tree Park ist schon im April ausgetrocknet.

Die Zeiten, zu denen in der steinigen Mojave-Wüste Landwirtschaft betrieben werden konnte, sind längst vorbei. Doch gewöhnlich sammelt sich im Barker Dam während der Winter immer noch genug Wasser, um eine Reihe von Wasserhühnern, Haubentauchern und gelegentlich sogar einen langbeinigen Reiher auf der Durchreise zu nähren.

Doch derzeit ist das Felsbecken leer. Von den auf einer Schautafel versprochenen Wildvögeln ist weit und breit nichts zu sehen. Rangerin Julie Brown zuckt traurig mit den Schultern. „Auch unsere Wildblumen sind in diesem Frühjahr nur ein müder Abklatsch der üblichen Farbenpracht“, gesteht die ältere Dame. Sie sieht nur einen Ausweg aus der Misere: „Wir brauchen ganz, ganz dringend Regen.“ Der aber ist weit und breit nicht in Sicht.

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