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Massenhafte Zaunsprünge

Migrantenansturm auf spanische Exklave Melilla: mindestens 23 Tote am Grenzzaun

Migranten kommen auf spanischem Boden an, nachdem sie die Zäune zwischen der spanischen Exklave Melilla und Marokko überquert haben. Hunderte Migranten haben Medienberichten zufolge am Freitag den Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Nordafrikaexklave Melilla überwunden. Sie hätten eines der Tore in der Grenzanlage aufgebrochen, meldete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die Polizei.

Ana Vázquez, die innenpolitische Sprecherin der oppositionellen Volkspartei (PP), legte den Finger in die Wunde: „Was hat es genutzt, unsere Haltung zur Westsahara zu ändern?“ Am vergangenen Freitag sind 23 afrikanische Migranten am Grenzzaun von Melilla ums Leben gekommen, vielleicht noch mehr. Es ist eine nie gesehene Tragödie, seit sich die beiden spanischen Nordafrikaexklaven Ceuta und Melilla in diesem Jahrhundert mit mindestens sechs Meter hohen Zäunen und ausgefeilten Sicherheitssystemen gegen die Anstürme aus dem Süden verschanzen.

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„Die marokkanische Gendarmerie hat mit den spanischen Sicherheitskräften kooperiert, um diesen gewaltsamen Angriff abzuwehren“, versicherte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez. „Wenn jemand für das verantwortlich ist, was an dieser Grenze vorgefallen zu sein scheint, dann sind es die Mafias, die mit Menschen handeln.“

Alle paar Monate Sturm auf Ceuta oder Melilla

Alle paar Monate tun sich Hunderte oder Tausende afrikanische Migrantinnen und Migranten auf marokkanischem Boden zusammen, um den Sturm auf Ceuta oder Melilla zu wagen. Spanien kann nichts dagegen tun, außer auf den guten Willen der marokkanischen Behörden zu hoffen, solche Anstürme nicht zuzulassen.

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Um den guten Willen Marokkos zu befördern, nahm Pedro Sánchez vor einigen Monaten eine historische Wende der spanischen Westsaharapolitik vor: In einem Brief an den marokkanischen König Mohammed VI. erkannte er implizit den Anspruch Marokkos auf die ehemalige spanische Kolonie an. Doch die Tragödie von diesem Freitag hat jener Schwenk nicht verhindert.

Massenhafte Zaunsprünge führen regelmäßig zu Verletzten

Bei den massenhaften Zaunsprüngen verletzen sich regelmäßig viele Dutzend Menschen. Dass jemand dabei stirbt, ist eine seltene Ausnahme. Dass Dutzende sterben, hat es bisher noch nicht gegeben. Es ist nicht klar, was am Freitag im Einzelnen geschehen ist. Die Migranten, offenbar alle Männer, kamen aus einem Wald in der Nähe angerannt. Das Gelände fällt zum Zaun hin ab. Die Todesfälle soll es in einer Senke vor dem Zaun gegeben haben.

„Die Stärkeren fielen auf die Schwächeren“, sagte ein ungenannter marokkanischer Offizieller zu einem „El País“-Reporter. Die Szenen am Zaun müssen denen einer Massenpanik geähnelt haben. Ein paar Männer – 133, nach Zahlen der Bezirksregierung von Melilla – schafften es trotz allem auf die spanische Seite, nachdem einige von ihnen mit einer Metallschere ein verschlossenes Tor aufgeschnitten hatten. Viele andere, die schon spanischen Boden erreicht hatten, wurden von der spanischen Guardia Civil an die marokkanische Gendarmerie zurück übergeben. Das nennt sich „heiße Abschiebung“ und ist nach einer Entscheidung des Europäischen Menschengerichtshofes von Anfang 2020 legal.

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Menschenrechtsorganisationen über „tödlichen Charakter“

Mehrere Menschenrechtsorganisationen machten in einer gemeinsamen Erklärung den „tödlichen Charakter“ der spanisch-marokkanischen Kooperation an der Grenze für die Tragödie verantwortlich. Eine Aktivistengruppe, Caminando Fronteras, bezweifelt die von Marokko genannte Zahl von 23 Todesopfern und spricht stattdessen von 37 toten Migranten. Außerdem seien auch zwei marokkanische Gendarmen ums Leben gekommen. Eine Bestätigung von anderer Seite gibt es für diese Zahlen nicht.

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