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Unwetterlage in Deutschland: Wie wird nun gewarnt?

Starkregenfälle in Sachsenanhalt.

Die guten Nachrichten zu erst: Diplom-Meteorologe Jürgen Schmidt vom Wetterkontor gab im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) Entwarnung. „Das Schlimmste ist durch“, sagte Schmidt. Nachdem der Deutsche Wetterdienst (DWD) gestern Unwetterwarnungen für Starkregen in Ostdeutschland gegeben hat, ist die Lage vor Ort mittlerweile wieder abgeschwächt. Der Hauptbereich der Regenfälle war ein schmaler Streifen von Brandenburg, über das südliche Sachsen-Anhalt und Leipzig, in dem in der Nacht von Sonntag auf Montag zeitweise bis zu 100 Liter pro Quadratmeter Regen fielen. Und hier sei das Schlimmste bereits überstanden.

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Volllaufende Keller zu befürchten

Auslöser des Unwetters ist das Tief Manfred. „Jetzt zieht die Regenfront langsam nach Ost-Sachsen bis ins Erzgebirge und Oberlausitz weiter“, sagte Schmidt dem RND. Diese Regionen müssen sich im Abendbereich und in der Nacht auf Starkregen von 20 bis zu 60 Liter pro Quadratmeter einstellen. Dabei droht auch Gefahr für volllaufende Keller oder örtliche Überschwemmungen, mit größeren Schäden rechnet der Meteorologe jedoch nicht: „In diesen Regionen tritt Starkregen häufiger auf, sie haben einen entsprechend guten Hochwasserschutz“. Diese Regenmengen seien auch nicht vergleichbar zu denen, der Flutkatastrophe im Juli. Dort fielen teilweise 100 bis 200 Liter pro Quadratmeter.

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Ein verbesserungswürdiges Warnsystem?

Warnungen bei Unwetter gibt in der Regel der Deutsche Wetterdienst (DWD), der im Austausch mit zahlreichen Messstationen steht, die Prognosen über kommende Werte und mögliche Wetterbedingungen geben. Sobald ein Schwellenwert erreicht ist, gibt der DWD Warnungen entsprechend der Warnkriterien weiter. Diese unterteilen sich in vier Stufen, gestaffelt nach Schweregrad der Lage: Warnungen, Warnungen vor markantem Wetter, Unwetterwarnungen und Warnungen vor extremem Unwetter. Ob es sich um Stark- oder Dauerregen handelt, entscheidet welche Menge es in welchem Zeitraum regnet. Regnet es unter sechs Stunden spricht man von Starkregen und alles darüber ist Dauerregen. Vor beiden Regenformen wird in drei Stufen gewarnt.

Art des Starkregens

Regenmenge in Stunden

Art des Dauerregens

Regenmenge in Stunden

Starkregen

15-25 l/m² in einer Stunde oder 20-35 l/m² in sechs Stunden

Dauerregen

25 bis 40 l/m² in 12 Stunden
30 bis 50 l/m² in 24 Stunden
40 bis 60 l/m² in 48 Stunden
60 bis 90 l/m² in 72 Stunden

Heftiger Starkregen

25-40 l/m² in einer Stunde oder 35-60 l/m² in sechs Stunden

Ergiebiger Dauerregen

40-70 l/m² in 12 Stunden
50-80 l/m² in 24 Stunden
60-90 l/m² in 48 Stunden
90-120 l/m² in 72 Stunden

Extrem heftiger Starkregen

> 40 l/m² in einer Stunde oder > 60 l/m² in sechs Stunden

Extrem ergiebiger Dauerregen

> 70 l/m² in 12 Stunden
> 80 l/m² in 24 Stunden
> 90 l/m² in 48 Stunden
> 120 l/m² in 72 Stunden

Quelle: DWD

Je nach Stufe gibt der DWD Warnungen und Verhaltenshinweise an die Bürger unter anderem an die Medien, über eine eigene App und Newsletter weiter. Nach der Flutkatastrophe im Westen erntete das Warnsystem in Deutschland viel Kritik. Andreas Friedrich, Pressesprecher und DWD Tornadobeauftragter sagte dem RND gegenüber, dass man an dem eigenen Warnsystem wenig verändern könne. Die App sei kürzlich nach der Flutkatastrophe aktualisiert worden und das DWD stehe in ständigem Kontakt zu allen beteiligten Messstationen, um Warnungen schnellstmöglich veröffentlichen zu können. Wie die Medien und Kommunen mit diesen Meldungen umgehen, ist jedoch Sache der Bundesländer. So sei Bayern laut Andreas das einzige Bundesland, das Warnungen der schwersten Stufe in regionalem Radio, Fernsehen oder vergleichbaren Medien sofort vorlesen lassen würde, ohne dies zuvor auf politischer Ebene genehmigen lassen zu müssen.

Starkregenphase fürs Erste beendet

Doch wird es hoffentlich nicht dazu kommen. Es zeichnet sich eine Entspannung bei der Unwetterlage an. Im Gespräch mit dem RND sagt Meteorologe Schmidt, dass in den nächsten Tagen die Regenfälle nachlassen und sich eine kühle Nordlage ausbreiten wird. Es werde zwar nicht weniger sommerlich, aber immerhin weniger regnerisch.

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