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Was ein Olympiastandort braucht

Bundestag berät: Ist Deutschland bereit für eine Bewerbung um Olympia 2036?

Von Olympia-Stimmung ist in Peking wenig zu spüren: Volunteers stehen vor den olympischen Ringen für ein Selfie.

Umweltsünden und Menschenrechte sorgten für Kritik an den Olympischen Winterspielen in Peking 2022. Auch im Sportausschuss sind Menschenrechte immer wieder Thema.

Berlin. Sportliche Großveranstaltungen haben in Deutschland nicht mehr viele Anhänger. Die Zeiten regelmäßiger Bewerbungen um Olympische Spiele waren vorbei, nachdem mehrere Anläufe durch Referenden der Anwohner gekippt wurden. Zuletzt allerdings hatten die European Championships gleich neun unterschiedliche Europameisterschaften nach München gebracht – auch auf die 50 Jahre alten Olympiagelände, und mit ihnen wieder so etwas wie olympisches Fieber.

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50 Jahre Münchner Olympiaattentat

Am 5. September 1972 überfielen acht palästinensische Terroristen die israelische Olympiamannschaft. Die Aktion endete in einer Tragödie.

Sollte es Deutschland also wieder einmal versuchen? „2030 ist zu spät. Da ist alles schon in der Mache“, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Weikert, an diesem Montag bei einer Anhörung des Sportausschusses im Bundestag. Infrage für einen neuen deutschen Anlauf für Olympia und Paralympics kämen die Winterspiele 2034 und die Sommerspiele 2036.

Gründe für eine solche Initiative gebe es durchaus, sagte etwa Sport- und Eventmanager Michael Mronz bei der Anhörung: „Olympia ist ein Modernisierungstreiber.“ Die Experten im Sportausschuss und Politiker sind sich einig: Sportgroßveranstaltungen haben eine Vorbildfunktion und einen positiven Einfluss auf den Breitensport. Andreas Michelmann, Sprecher vom Teamsport Deutschland, geht sogar noch etwas weiter und sagte: „Der Heimvorteil ist immer ein entscheidender Baustein zur Erreichung einer Spitzenplatzierung oder sogar dem Gewinn.“

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Spiele nicht um jeden Preis

Auch im Koalitionsvertrag steht, dass die Ampelregierung Bewerbungen für Sportgroßveranstaltungen in Deutschland wie Olympische und Paralympische Spiele unterstützt.

„Aber: Wir wollen diese Spiele nicht um jeden Preis“, sagt Thomas Weikert, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Er spricht damit die Rückendeckung in der Bevölkerung an. Den Preis von Olympischen Spielen beschreibt Sylvia Schenk von Transparency International Deutschland eher auf der gesellschaftlichen Ebene. „Deutschland ist nicht olympiareif“, sagte sie im Sportausschuss. In der deutschen Debatte um eine Bewerbung werde der Fokus nur auf die Vorteile für die Bundesrepublik gelegt: „Es wird immer nur betrachtet, was haben wir davon. Der olympische Gedanke fehlt völlig“, so Schenk. Die Bevölkerung habe sich vom Spitzensport entfremdet, schuld seien die Verletzung von Menschenrechten, Korruption und Doping.

Das Logo des Chipherstellers Intel, aufgenommen auf einem Computer. Das Unternehmen will in Magdeburg eine große Chipfabrik bauen.

Globale Chipindustrie: Vollbremsung in der Gegenwart, Zukunft in Magdeburg

Der Chipkrise folgt die Chipflaute: Nach den Corona-Lockdowns konnten Intel, AMD und Co. gar nicht genug Mikroprozessoren herstellen, inzwischen aber ist die Nachfrage eingebrochen. Die Weltwirtschaft richtet sich auf eine Rezession ein. Auf lange Sicht aber sind die Aussichten rosig – und davon soll auch ein deutscher Standort profitieren.

Julius Beucher, Präsident des Behindertensportverbandes, sprach ebenfalls die Menschenrechte an: „Athletinnen und Athleten dürfen nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wo eine Sportveranstaltung stattfindet.“ Er schlägt einen stetigen Austausch mit Organisationen vor, welche die politische und gesellschaftliche Lage im Austragungsland einordnen können. Er verwies darauf, dass der Parasport bei jeder Bewerbung, auch für andere Großveranstaltungen als Olympia, mit einfließen solle.

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Fokus auf eine Region legen

„Deutschland kann nachhaltige Großsportveranstaltungen“, warb der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Erneut den Blick nach München gerichtet: Im Olympia-Park wurden im August die European Championships ausgerichtet. Sportarten wie Beachvolleyball, Klettern, Leichtathletik und Rudern lockten 1,4 Millionen Besucher an. Die Geschäftsführerin des Olympia-Parks, Marion Schöne, sprach sich für Großveranstaltungen aus, welche in bestehenden Sportstätten stattfinden. Denkbar sei auch eine Bewerbung als Region.

So sieht es auch Sportmanager Mronz: Er sprach sich für das RheinRuhrCity-Konzept aus. 90 Prozent der Sportstätten für Sommerspiele seien bereits im Gebiet vorhanden – in einem Umkreis von 60 Kilometern –, das sich zwischen Dortmund und Mönchengladbach, Oberhausen und Leverkusen erstreckt. Eine klares Bekenntnis zu einer Bewerbung für die Spiele 2036 gab es am Montag im Sportausschuss nicht.

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