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Erneute Antisemitismusvorwürfe

Union fordert Stopp der documenta-Bundesförderung

Gegen die documenta werden erneut Antisemitismusvorwürfe erhoben.

Gegen die documenta werden erneut Antisemitismusvorwürfe erhoben.

Berlin. Die Union hat angesichts weiterer Antisemitismusvorwürfe gegen die documenta einen vorläufigen Stopp der Bundesförderung gefordert. „Auf der documenta wird jeden Tag eine neue Grenze überschritten“, sagte die Vizevorsitzende der Bundestagsfraktion, Dorothee Bär (CSU), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Für systematischen Israelhass und Antisemitismus darf es keinen einzigen Euro Bundesförderung mehr geben. Stattdessen muss die Bundesregierung endlich eine ausführliche Aufklärung sicherstellen.“

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Bär: Scholz soll Handeln

Bär forderte Scholz zum Handeln auf: „Stellt die Regierung die finanzielle Förderung nicht vorerst ein, muss sie erklären, wieso man BDS-Befürworter mit Steuergeld alimentiert. Bundeskanzler Scholz hat jetzt die Möglichkeit, sich nicht nur empört zu zeigen, sondern innerhalb seines Kanzleramts auch zu handeln“, sagte sie. „Die documenta ist längst zur Belastung für die Bundesrepublik geworden.“ Handele die Bundesregierung nicht, behalte sich die Fraktion vor, „erneut eine Aktuelle Stunde oder Befassung des Kulturausschusses mit Claudia Roth zu beantragen – wenn es nötig ist, auch in einer Sondersitzung“, fügte die CSU-Politikerin hinzu.

04.11.2021, Bayern, Würzburg: Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sitzt bei einem Fototermin in seinem Büro. (zu dpa-Interview) Foto: Nicolas Armer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Präsident des Zentralrats der Juden: „Die documenta hat meine kühnsten Albträume übertroffen“

Josef Schuster, seit 2014 Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, ist wegen des Antisemitismusskandals auf der Documenta in Kassel noch immer schwer enttäuscht. Und er macht den Verantwortlichen erhebliche Vorwürfe, unter anderem denen im Kanzleramt. Seine Warnungen im Vorfeld seien mehr oder weniger ignoriert worden, sagt der 68-Jährige.

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Abgeklebtes Kunstwerk

Ein verändertes Kunstwerk auf der von Antisemitismusvorwürfen überschatteten documenta fifteen in Kassel hatte diese Woche erneut für Kritik gesorgt. Das Junge Forum der Deutsch-israelischen Gesellschaft wirft den Machern der Ausstellung vor, ein als antisemitisch kritisiertes Werk in Teilen überklebt zu haben. „Es ist unfassbar, dass Verantwortliche bei der documenta denken, durch das Abkleben einer Kippa sei das Problem gelöst“, teilte der Bundesvorsitzende Constantin Ganß mit.

Bei dem Werk handelt es um eine Arbeit des Kunstkollektivs Taring Padi aus Indonesien. Dessen Banner „People‘s Justice“ war kurz nach der Eröffnung der documenta Mitte Juni wegen judenfeindlicher Abbildungen erst verhüllt und dann abgehängt worden. Auf dem Werk „All Mining is Dangerous“ sind vier Personen mit Geldsäcken zu sehen. Eine Person ist mit langer Nase und wulstigen Lippen abgebildet. Auf dem Kopf trägt sie eine Kippa. Die Kopfbedeckung sei offensichtlich mit einem schwarzen Stück Klebeband überklebt worden, wirft das junge Forum vor. Kritik hatte sich auch gegen den documenta-Künstler Hamja Ahsan gerichtet. Er soll Bundeskanzler Olaf Scholz auf Facebook als „faschistisches Schwein“ bezeichnet haben.

Im Juni hatte Kulturstaatsministerin Claudia Roth nach den ersten Vorwürfen Konsequenzen für die Struktur der Kunstausstellung gefordert. Im Kern will der Bund mehr Einfluss auf die documenta. In dem fünf Punkte umfassenden Plan geht es um Aufarbeitung und Konsequenzen. Der Rückzug des Bundes aus dem Aufsichtsrat 2018 bei gleichzeitigem Festhalten an der Bundesförderung wird darin als „schwerer Fehler“ bezeichnet. „Eine finanzielle Förderung des Bundes soll deshalb zukünftig mit einer unmittelbaren Einbindung in die Strukturen der documenta zwingend verbunden werden“, hieß es.

CDU: Ein weiterer Tiefpunkt

Die kulturpolitische Sprecherin der Unionsbundestagsfraktion, Christiane Schenderlein nannte den jüngsten Vorwurf „einen weiteren Tiefpunkt in der Geschichte der documenta“. Antisemitismus, Israelhass und Deutschlandfeindlichkeit dürften nicht aus dem Bundeskanzleramt finanziert werden, verlangte die CDU-Politikerin. „Hier kann Kulturstaatsministerin Roth nicht weiter die Augen verschließen. Ich fordere eine umfangreiche, externe und transparente Aufarbeitung der Vorfälle rund um die aktuelle documenta. Bis dies nicht lückenlos geschehen ist, muss die Bundesförderung für die documenta eingestellt werden.“ Die Skandale um die documenta 15 ließen darauf schließen, dass ein tiefliegendes Problem bestehe.

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