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Alternativen für Kohle aus Russland

Warum das Embargo gegen russische Kohle in Südamerika Menschenleben bedroht

„El Cerrejón“ – die größte Kohlemine Südamerikas (Archivbild).

„El Cerrejón“ – die größte Kohlemine Südamerikas (Archivbild).

Kolumbiens Präsident Ivan Duque ist nach seinem Telefonat mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Ende April begeistert gewesen: „Kolumbien kann heute unverzüglich den Kohleabbau steigern. Wir haben eine der größten Kohlereserven der Welt und nutzen sie für die Energiegewinnung nicht“, sagte Duque in einem Interview mit dem US-Fernsehkanal „CNN“.

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Kolumbien hat also Steinkohle en masse, Deutschland braucht sie spätestens mit dem Beginn des von der EU beschlossenen Embargos gegen Kohleimporte aus Russland im August dringend. Für beide Länder könnte es eine Win-win-Situation sein. Doch Umweltaktivistinnen und -aktivisten schlagen Alarm – denn die Kohle aus Kolumbien hat einen hohen Preis.

Bundeskabinett beschließt Energie-Entlastungspaket

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch ein milliardenschweres Entlastungspaket für die Bürgerinnen und Bürger auf den Weg gebracht.

Die deutschen Steinkohleimporte aus Kolumbien betrugen im März 2022 1,3 Millionen Tonnen – ein Anstieg um 47,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Einfuhren aus den USA (809.000 Tonnen), Südafrika (287.000 Tonnen) sowie aus Australien (537.000) wurden im ersten Quartal 2022 deutlich gesteigert.

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„El Cerrejón“ heißt die größte Kohlemine Lateinamerikas, die im Nordosten Kolumbiens in der Region La Guajira liegt. Eigentlich hatte der Schweizer Besitzer Glencore die Schließung der Mine im vergangenen Jahr bereits verkündet, zu gering war die Nachfrage nach dem Rohstoff. Doch Russlands Krieg gegen die Ukraine und seine Konsequenzen wirbelten die Planungen durcheinander.

Menschenrechtsverletzungen für Steinkohle

„Es ist bewiesen, dass die größten Kohleexporteure Kolumbiens zahlreiche Verletzungen der Menschen- und des Umweltrechts begangen haben, von denen insbesondere die Gemeinschaften betroffen sind, die in der Nähe der Abbaugebiete leben“, kritisiert etwa die Organisation „Unidos por la Paz“. Darunter sei die indigene Gemeinschaft der Wayuu, die in der Region La Guajira lebt, wo sich die schlimmsten Rechtsverletzungen zugetragen hätten.

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„Es ist eine große Enttäuschung, dass Deutschland als Land, das den Kohleausstieg vollzieht, heute wieder Kohle von einer Firma kaufen will, die laut Gerichtsurteilen Menschen-, Umwelt- und Gebietsrechte verletzt hat“, wird die Anwältin Rosa María Mateus vom renommierten Anwaltskollektiv José Alvear Restrepo (Cajar) von der „Taz“ zitiert.

Und diese Verletzungen von Recht setzen sich offenbar fort: Der Bach Bruno ist eine Lebensader für die Indigenen und für weite Teile der Flora und Fauna der Halbwüstenregion La Guajira. 2017 hatte das kolumbianische Verfassungsgericht deshalb entschieden, dass die Indigenen in der Frage konsultiert werden müssen, ob der Bach wieder in seinen Naturzustand zurückversetzt werden sollte. Denn für „El Cerrejón“ war er umgeleitet worden. Doch erst kürzlich gab das kolumbianischen Umweltministerium dem Projekt statt. Die Umleitung des Bruno ist nun rechtmäßig, die Gemeinschaften vor Ort haben das Nachsehen.

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Die Auswirkungen deutscher Kohleimporte aus Kolumbien

Für viele könnte es das Todesurteil bedeuten in einer Wüstenregion, die unter Wasserknappheit leidet – nur zwischen September und Dezember kommt es dort zu Regenfällen. Immer tiefer müssen die Indigenen nach dem Wasser bohren, einige Brunnen seien bereits kontaminiert. Ein Umzug in andere Regionen jedoch kommt nicht in Frage, denn das Wasser des Bachs ist für die Wayuu heilig, hat spirituelle und kulturelle Bedeutung.

„Wenn Deutschland mehr Kohle kauft, wird das die Ausbeutung der Kohle am Bach Bruno beschleunigen“, sagte Anwältin Rosa María Mateus der „Taz“. Und damit würden auch die Fälle von Vertreibung, Enteignung, Luft- und Wasserverschmutzung und Atemwegs- sowie Hauterkrankungen besonders bei Kindern steigen. „Nach 40 Jahren Ausbeutung sind die Schäden groß“, doch weder Firma noch Staat hätten bislang auf die Rufe der Gemeinschaften reagiert, so Mateus.

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