Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Deutschlands Weg aus der russischen Abhängigkeit

Warum Kohleimporte aus Kolumbien problematisch sind

Kolumbien, Cerrejon: Auf diesem Bild sind Arbeiten im Kohlebergwerk zu sehen.

Kolumbien, Cerrejon: Auf diesem Bild sind Arbeiten im Kohlebergwerk zu sehen.

Das Steinkohlebergwerk El Cerrejón, von den Einheimischen „das Monster“ genannt, ist mit insgesamt 69.000 Hektar eines der größten Steinkohlebergwerke der Welt. Es liegt im Norden Kolumbiens unweit der Grenze zu Venezuela im Departement La Guajira. Genau aus dieser Kohlemine soll nun ein Teil jener Kohle kommen, die Deutschland nach dem Embargo gegen Russland aus dem Versorgungsengpass mit den fossilen Energien helfen soll.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

+++ Verfolgen Sie alle aktuellen Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Doch die Lage vor Ort ist laut Berichten indigener Gruppen kritisch. Es gibt Probleme mit der Wasserversorgung für die umliegenden oder bereits umgesiedelten Gemeinden. Deshalb haben einige Indigene damit begonnen, die An- und Abfahrtswege der Mine zu blockieren. Die kolumbianische Tageszeitung „El Tiempo“ berichtete jüngst, durch die Aktion seien mindestens 30 Prozent der aktuellen Produktion der Kohlemine im nördlichen Departement La Guajira beeinträchtigt worden. Eine Sprecherin der Indigenen vor Ort bestätigte auf Anfrage des RedaktionsNetzwerk Deutschlands (RND) entsprechende Meldungen lokaler Medien über die Blockade der Mine.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine importiert Deutschland nun deutlich mehr Kohle aus Kolumbien, um wegen des Embargos gegen Russland die fehlenden Energieträger ausgleichen zu können. Deutschland setzt als Übergangslösung verstärkt auf Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung, und da der Kohleausstieg aus Deutschland bereits beschlossen und in Teilen umgesetzt ist, wird nun aus anderen Teilen der Welt kurzfristig der Kohlebedarf gedeckt. Statt aus Garzweiler soll die Kohle nun also aus La Guajira kommen.

Laut Statistischem Bundesamt stammten im Jahr 2021 – also noch vor dem russischen Überfall auf die Ukraine – bereits 5,5 Prozent der Steinkohleimporte aus dem südamerikanischen Land. Das Klimaschutz- und Wirtschaftsministerium bezifferte den Umfang der im vergangenen Jahr bezogenen Kohle aus Kolumbien auf Anfrage auf 2,28 Millionen Tonnen. Wie hoch die Importsteigerung bislang ist, lässt sich noch nicht exakt beziffern, sie soll allerdings beträchtlich sein.

Dem Kohlehunger aus Deutschland stehen nun die Interessen der vor Ort lebenden indigenen Gemeinden gegenüber. In einem Schreiben an das Verfassungsgericht in Bogota der indigenen Gemeinde Wayúu Gran Parada hieß es: „Wir, die Wayúu- und afrokolumbianischen Gemeinschaften, fordern, dass unser Territorium respektiert wird und damit unsere Rechte auf Leben, Wasser, Sicherheit und Ernährungssouveränität.“

 Vorstellung der Ergebnisse des zweiten Stresstests zweite Sonderanalyse Winter 2022/2023 Aktuell,05.09.2022,Berlin,Bundesminister fuer Wirtschaft und Klimaschutz Robert Habeck im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Vorstellung der Ergebnisse des zweiten Stresstests zweite Sonderanalyse Winter 2022/2023 Berlin Berlin Deutschland *** Presentation of the results of the second stress test second special analysis winter 2022 2023 News,05 09 2022,Berlin,Federal Minister for Economic Affairs and Climate Protection Robert Habeck in portrait at the Federal Press Conference on the topic Presentation of the results of the second stress test second special analysis winter 2022 2023 Berlin Berlin Germany

Habecks Atomentscheidung: der Stresstest für die Koalition

Mit seiner Entscheidung, am Atomausstieg Ende des Jahres festzuhalten und nur zwei Kraftwerke in eine Notfallreserve zu schicken, hat Wirtschaftsminister Robert Habeck Freund und Feind überrascht.

Kohleimporte aus Kolumbien waren bereits in der Vergangenheit umstritten. Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen warfen den Betreibern der Mine gravierende Verstöße gegen den Umweltschutz und die Menschenrechte vor. Unter anderem machen Kohlestaub und Wassermangel den Menschen zu schaffen. Zudem profitierten die Menschen nicht von den wirtschaftlichen Einnahmen durch den Kohleexport. Deswegen kam es in der Vergangenheit auf Hauptversammlungen deutscher Energiekonzerne, die Kohle aus Kolumbien importierten, stets zu heftigen Protesten. Auch die Grünen, die heute in Person von Robert Habeck das Wirtschafts- und Klimaschutzministerium leiten, standen den Importen stets kritisch gegenüber. Zuletzt forcierte die Klimaschutzbewegung „Ende Gelände“, die gegen die Braunkohleförderung in Deutschland protestiert, die Zusammenarbeit mit Aktivistinnen und Aktivisten aus Kolumbien.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Konkreter Kritikpunkt der lokalen Bevölkerung ist die fehlende Wasserversorgung der Gemeinden. Ihre Lebensbedingungen hätten sich verschlechtert: „In Tamaquito hatten wir einen tiefen Brunnen, zwei Bäche und Quellen. Wenn wir baden wollten, haben wir gebadet, jetzt haben wir nur noch einen Brunnen und eine Anlage, die teuer ist“, sagte Jairo Fuentes, indigener Kommunalpolitiker gegenüber lokalen Medien. Während die Betreiber der Mine erklären, sie hätten die notwendigen Auflagen erfüllt und es würden Tausende Arbeitsplätze entstehen, kritisiert eine weitere indigene Sprecherin: „In all diesen Gemeinden gibt es kein Wasser, und wenn wir ein bisschen Wasser bekommen, können wir es nicht gebrauchen, weil es nicht zum Verbrauch geeignet ist. Wir müssen das Wasser kaufen.“ Kolumbiens neuer Präsident Gustavo Petro, der erst seit einem Monat im Amt ist, sagte am Wochenende bei einem Besuch in der Provinz zu, bei dem Aufbau von erneuerbaren Energien und der Lebensmittelproduktion zu helfen.

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken