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Kämpfe in Südukraine

Melitopol: Angst vor Pseudoabstimmung mit Waffengewalt - mehr als 100 Tote nach Himars-Angriff

In Melitopol stehen Einheimische an, um die russische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Russland hat kurz nach Beginn der Militäroperation in der Ukraine die Kontrolle über einen Teil der Region Saporischschja übernommen.

In Melitopol stehen Einheimische an, um die russische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Russland hat kurz nach Beginn der Militäroperation in der Ukraine die Kontrolle über einen Teil der Region Saporischschja übernommen.

Bei einem Angriff der ukrainischen Streitkräfte auf Stellungen der russischen Truppen nahe Melitopol sind nach Angaben des Bürgermeisters der Stadt, Iwan Fjodorow, mehr als 100 russische Soldaten getötet worden. Dabei sollen US-Mehrfach­raketenwerfer vom Typ Himars eingesetzt worden sein, die der Westen vor wenigen Wochen an die Ukraine geliefert hat.

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Heute Nacht feuerten hochpräzise Himars-Raketen auf die vorübergehenden Stationierungspunkte der Besatzungstruppen an Industrie­standorten in verschiedenen Stadtteilen von Melitopol.

Iwan Fjodorow,

Bürgermeister von Melitopol

Laut Fjodorow habe die russische Armee in der vergangenen Woche einen erheblichen Teil der Luftverteidigung von Melitopol nach Cherson verlegt. Unabhängig bestätigen lassen sich die Angaben nicht. Fjodorow bezeichnete den Gegenangriff bei Telegram als „produktivste Nacht“ für das ukrainische Militär. Er sieht dies als Zeichen dafür, dass Russland Himars-Angriffe nicht mehr abwehren könne, und hofft auf eine Gegenoffensive der ukrainischen Armee in Richtung Melitopol.

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Die ukrainische Stadt Melitopol, zwischen Mariupol und Cherson im Süden des Landes, ist seit vielen Wochen von russischen Truppen besetzt. Der amerikanische Militär-Thinktank Institute for the Study of the War (ISW) rechnet damit, dass die russische Besatzerverwaltung schon bald Pseudoabstimmungen über die Annexion des Gebietes abhalten werde. Diese sollen allerdings ganz anders stattfinden, als ursprünglich geplant, erklärten die Militärexperten unter Berufung auf Fjodorow.

Aufgrund des Wiederstands in der von Russland besetzten Stadt plane die russische Verwaltung eine siebentägige „Wahl von zu Hause aus“. Dabei sollen bewaffnete russische Soldaten von Haus zu Haus gehen und die Bewohnerinnen und Bewohner von Melitopol „befragen“. Laut Fjodorow würden aber nur etwa 10 Prozent der verbliebenen Zivilistinnen und Zivilisten die russischen Besatzer unterstützen. Er befürchtet, dass Russland alle erschießen werde, die gegen eine Zugehörigkeit zu Russland stimmen. Die ISW-Fachleute warnen davor, dass ukrainische Zivilistinnen und Zivilisten „direkt eingeschüchtert“ werden könnten und eine unabhängige Überwachung der Abstimmung „unmöglich“ sei.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte den Kreml in einer Ansprache gewarnt, in der Ukraine Scheinreferenden über die Zugehörigkeit zu Russland abzuhalten. „Wenn die Besatzer den Weg der Pseudoreferenden fortsetzen, beenden sie jede Gesprächsmöglichkeit mit der Ukraine und der freien Welt“, sagte er.

In den vergangenen Wochen hatte es im von Russland besetzten Süden der Ukraine immer wieder Berichte über Vorbereitungen für Pseudoreferenden gegeben. Laut dem ukrainischen Verwaltungsberater von Cherson, Serhij Chlan, hätten nun die jüngsten Angriffe mit dem Raketenwerfer Himars aus dem Westen die Vorbereitungen beschleunigt. Chlan erklärte, dass Russland weiterhin das Referendum für den 11. September plane.

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Auch in anderen Teilen der Ukraine plant Russland Pseudoabstimmungen, unter anderem in der Region Luhansk im Donbass. Dort würden propagandistische Zeitungen verteilt werden sowie Lebensmittel, Wasser und Baumaterialien, um die Menschen zu überzeugen, zitiert das ISW ein hochrangiges Verwaltungsmitglied aus Luhansk.

Zuvor hatte Russland bereits allen Menschen in der Ukraine einen russischen Pass angeboten. „Die Verteilung von Pässen hatte schon vor Kriegsbeginn den Zweck, den russischen Einfluss auf die souveränen Nachbarstaaten im ‚nahen Ausland‘ zu stärken“, erklärt der Osteuropahistoriker und Ukraine-Experte Wilfried Jilge vom Berliner Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF) dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). „Denn wenn die Menschen – vom Kreml eigenmächtig als ‚russische Landsleute‘ definiert – einen russischen Pass haben, dann leitet der Kreml dadurch einen Schutzauftrag für die Menschen ab.“ Im September könne Russland auch in der Nachbarregion Cherson ein Pseudoreferendum abhalten und so die Annexion weiterer ukrainischer Gebiete einleiten, so Jilge.

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Mit der Behauptung, russischsprachige Bewohnerinnen und Bewohner der Ukraine beschützen zu müssen, hatte Putin im Februar auch den Angriff auf das Nachbarland begründet. Über die Zugehörigkeit zu Russland ließ der Kreml zum Schein bereits 2014 auf der völkerrechtswidrig annektierten Krim abstimmen.

 

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