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Internationale Meinungsbeiträge

„Schickt die eigenen Leute zum Schlachter“: So blickt die Weltpresse auf Putins Teilmobilmachung

Russlands Präsident Wladimir Putin verkündet im russischen Fernsehen die Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten.

Russlands Präsident Wladimir Putin verkündet im russischen Fernsehen die Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten.

Prag. Vor dem Hintergrund des sich hinziehenden Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Russlands Präsident Wladimir Putin am Mittwochmorgen die Teilmobilmachung ausgerufen. Rund 300.000 Reservisten sollen nun in die russische Armee eingezogen werden. Staats- und Regierungschefs auf der ganzen Welt werteten die Schritt als Eingeständnis der Schwäche. So bezeichnete etwa Bundeskanzler Scholz die Mobilisierung als „Akt der Verzweiflung“. Für den ukrainischen Präsidenten Wolodomyr Selenskyj war es ein Beleg, dass es Moskau mit Friedensgesprächen nicht ernst sei. „Sie reden über Gespräche, verkünden aber militärische Mobilisierung“, sagte er.

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+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Auch die internationale Presse blickt kritisch auf die Entscheidung des Kremlchefs – und sieht ihn in die enge getrieben. Ein Überblick über die Meinungsbeiträge zur Teilmobilmachung in Russland.

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„The Irish Times“ (Irland): Putin gehen die Optionen aus

„Die Tatsache, dass Putin nun bereit ist, Reservisten einzuberufen, auch wenn sich diese Mobilisierung vorerst auf ehemalige Soldaten beschränkt, zeigt, dass ihm die Optionen ausgehen. Seine dezimierten und erschöpften konventionellen Streitkräfte, die durch bunt zusammengewürfelte Milizen, Söldner und Sträflinge ergänzt werden, sind nicht in der Lage, die ukrainischen Streitkräfte an mehreren Fronten zurückzuhalten. (...)

Als Putin am 24. Februar eine Atomdrohung aussprach, während seine Panzer in die Ukraine rollten, tat er dies aus einer Position der Stärke. Es wurde allgemein erwartet, dass Russland innerhalb weniger Tage die Kontrolle in Kiew übernehmen würde. Seine jüngste Drohung erfolgte aus einer Position der Schwäche. Dass Putin nun praktisch eingesteht, dass sich das Kriegsgeschehen gegen ihn wendet, wird die Ukraine und ihre westlichen Partner ermutigen. Aber ein russischer Präsident, der um das Überleben seines Regimes kämpft, bedeutet, dass der Krieg in eine neue, noch gefährlichere Phase eintritt.“

News Bilder des Tages MOSCOW, RUSSIA - SEPTEMBER 20, 2022: Russia s President Vladimir Putin C arrives for a ceremony to accept credentials from 24 foreign ambassadors at St Alexander s Hall of the Grand Kremlin Palace. Pavel Bednyakov/POOL/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY TS142F50

Putin zieht seine letzten Register

Mit der Teilmobilmachung will Wladimir Putin 300.000 zusätzliche Soldaten zusammentrommeln. Zugleich droht er mit dem Einsatz von Atomwaffen. Allerdings wächst jetzt auch die Unruhe in Russland – und das politische Risiko für Putin selbst.

„Gazeta Wyborcza“ (Polen): Den Russen könnte die Liebe zu Putin vergehen

„Die Untertanen des Kremlherrn unterstützen mehrheitlich seinen Krieg – sie sind von Propaganda umnebelt, aber sie hegen auch sehr aggressive Vorwürfe und Hass gegen die westliche Welt. Schöne Fernsehbilder von der Front allerdings betrachtet man dann mit patriotischer Begeisterung, wenn man sich sicher ist, dass sich auf dem Schlachtfeld nicht der eigene Sohn im Kugelhagel krümmt. Wenn aber der Staatschef den Jungs die Perspektive eröffnet, nach ihrem Tod mit einem Orden ausgezeichnet zu werden, dann tippt man schnell solche Fragen in den Computer: „Wie bricht man sich zuhause am besten die eigene Hand?“ und „Wie kann man aus Russland ausreisen“. Und mit der Liebe zum Führer ist es vorbei.“

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„WSJ“ (USA): Putins Eskalation im Ukraine-Krieg zeugt von Verzweiflung

„Wladimir Putins jüngste Eskalation in der Ukraine ist keine Demonstration der Stärke. Sie ist ein Eingeständnis, dass der Feldzug des Kremls in der Ukraine im Begriff ist, zu scheitern, und dass seine derzeitigen Streitkräfte erschöpft und unzureichend sind. (...) Ein Waffenstillstand ist möglich, wenn Russland seine Invasion aufgibt und das eingenommene Gebiet abtritt. Andernfalls ist dies der Moment, die Waffenlieferungen an die Ukraine zu beschleunigen, einschließlich Panzern, Kampfjets und Raketen des Typs ATACMS mit größerer Reichweite. Dies ist der schnellste Weg, Putin davon zu überzeugen, dass seine Invasion gescheitert ist und er seine Verluste begrenzen muss.“

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„Pravo“ (Tschechien): Putin schickt die eigenen Leute zum Schlachter

„Russland schickt rund 300.000 seiner Söhne zusätzlich in den Krieg gegen die Ukraine. Der eigenen Bevölkerung muss das Land nun erklären, warum dies geschieht. Selbst für ein Regime, das in jeder Hinsicht lügt und freiheitlich denkende Menschen verfolgt, wird das nicht leicht sein. Die Reservisten rücken zu einer Verteidigungsoperation ein, die auf einem fremden Staatsgebiet geführt wird und bisher alle ihre Ziele erreicht haben soll. Es ist ein Widerspruch nach dem anderen. (...) Dennoch bleibt das Bild der sogenannten Spezialoperation in der russischen Öffentlichkeit unverändert. Rund drei Viertel der Menschen befürworten den Krieg und rund 80 Prozent vertrauen immer noch dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Ein Wechsel an der Macht ist nicht in Sicht – und das in einem Moment, in dem Putin die eigenen Leute zum Schlachter schickt.“

„de Volkskrant“ (Niederlande): Westen darf sich von Putin nicht einschüchtern lassen

„Dass Putin seinen verbrecherischen und tödlichen Ambitionen, die das Fundament der internationalen Ordnung gefährden, mit nuklearen Drohungen Nachdruck verleiht, darf die Entschlossenheit der Verbündeten der Ukraine nicht brechen. Der Einsatz einer „kleinen“ Atomwaffe würde den Krieg nicht entscheidend beeinflussen, aber sehr negative Folgen für Russland haben – und zwar weltweit. Auch Putin weiß: Wer den Roulette-Tisch umwirft, wird rausgeschmissen und könnte Prügel beziehen.

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Flüge aus Moskau nach Teilmobilmachung ausgebucht – Preise explodieren

Die Anordnung einer Teilmobilmachung durch Präsident Wladimir Putin am Mittwoch hat in Russland einen Run auf Flüge ins Ausland ausgelöst.

Einer nuklearen Erpressung nachzugeben, würde erst recht destabilisierend wirken. (...) Der Westen sollte sich von Putins Rhetorik nicht abschrecken lassen, sondern stattdessen schwerere Ausrüstung – einschließlich Panzer und Kampfjets – schicken, die Kiew seit Monaten fordert. Nachdem Putin die weitere Zerstückelung der Ukraine angekündigt hat, kann es nur eine Antwort geben: Hände weg von der Ukraine!“

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Deutschland): „Appeasement wäre Verrat an den eigenen Werten“

„Im Ringen mit Putin bleibt der Westen nur ein glaubwürdiger Gegner, wenn er der Ukraine tatsächlich weiter zur Seite steht, mindestens im bisherigen Ausmaß. Lässt er sich von Putin nuklear erpressen, dann braucht er das Wort von der regelbasierten Weltordnung, die es zu verteidigen gelte, nicht mehr in den Mund zu nehmen, auch nicht gegenüber allen anderen Diktatoren. Doch nicht zuletzt in Deutschland könnte angesichts Putins Drohung die Versuchung wieder wachsen, auf Kosten der Ukrainer zu einem Arrangement mit Moskau zu kommen, dem sich der so hochtrabende wie falsche Titel „Land gegen Frieden“ (und Gas!) anheften ließe. Solches Appeasement wäre Verrat an den eigenen Werten und Interessen. Aber ist nicht alles besser als ein Atomkrieg? Diese Frage kann man nur mit Ja beantworten.“

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„El Mundo“ (Spanien): Putin in die Enge getrieben und gefährlicher

„Putin hat in seiner apokalyptischen Rede, in der er den Krieg als existenzielle Bedrohung Russlands darstellte, die Einberufung von 300.000 Reservisten gegen die Ukraine angekündigt. Er spielte erneut die Nuklearkarte, ein Zeichen gefährlicher Schwäche für einen Führer, der an drei Fronten in die Enge getrieben wurde: der militärischen, nachdem Kiew mit seiner Blitzoffensive Tausende von Quadratkilometern besetzten Territoriums zurückerobert hat, der inneren, wo der Ruf nach seinem Rücktritt lauter wird und der internationalen, wo die Freunde des Zaren auf Distanz gehen.

Putins Antwort bestand erneut darin, nach vorne zu stürmen und fiktive Referenden in den besetzten Gebieten abzuhalten. Damit sollen sie Russland einverleibt und unter den russischen Atomschirm gestellt werden, der die Ukraine und ihre westlichen Verbündeten davon abhalten soll, sie angesichts der Gefahr einer atomaren Tragödie zu befreien. Bisher kam das Kanonenfutter aus entlegenen Gegenden Russlands, aber das Bild von Soldatensärgen, die in Moskau oder Sankt Petersburg ankommen, könnte die Stimmung einer in Propaganda erstickten Gesellschaft verändern und Putin sogar die Macht kosten.“

Das deutsche U-Boot „U 35“ ist nach dem Auslaufen aus Eckernförde jetzt vor Gibraltar aufgetaucht.

Deutsches U-Boot „U 35“ vor Gibraltar aufgetaucht – bald Einsatz im Mittelmeer

Zwei der sechs deutschen U-Boote, die „U 32“ und „U 35“, sind zeitgleich auf Auslandseinsätzen. Vermutlich nicht ganz zufällig dort, wo auch russische U-Boote unterwegs sind.

„Financial Times“ (Großbritannien): Putin ist eine Gefahr für die Welt

„Putins Verlautbarung muss als das verstanden werden, was sie ist: eine zynische Umdeutung der Geschichte, mit der die Ukraine und ihre westlichen Unterstützer gezwungen werden sollen, Russlands Bodengewinne zu akzeptieren. Deren Entschlossenheit sollte angesichts eines solchen Säbelrasselns, das auf das Eingeständnis des großen Fehlers hinausläuft, den Putin mit der Invasion der Ukraine begangen hat, nicht nachlassen. Durch die Einberufung von Reservisten kann er diesen Fehler nicht beheben.

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Das soll allerdings nicht heißen, dass seine Atomdrohungen einfach so abgetan werden sollten: Sie sind ernst zu nehmen und können, wenn sie falsch gehandhabt werden, zu einer Katastrophe führen. Ein in die Enge getriebener, atomar bewaffneter Autokrat ist einer, der gefährlich und unberechenbar ist – für sein eigenes Volk, für die Ukraine und für die Welt.“

Demos in Russland nach Teilmobilmachung

Menschenrechtsgruppen sprachen von mehr als 100 Festnahmen in mindestens 15 Städten im ganzen Land.

„Tages-Anzeiger“ (Schweiz): Im Ukraine-Krieg naht der Tag der Wahrheit

„Die Truppen sollen so schnell wie möglich und ohne große Vorbereitung zum Einsatz kommen und die Offensive aufhalten, welche die Ukraine noch immer voranzutreiben versucht. Schafft Putin die Männer wirklich innert nützlicher Frist gut bewaffnet an die Front, wird die Übermacht erdrückend sein. Für die ukrainische Armee, die nur noch wenig Reservemöglichkeiten haben dürfte, naht der Tag der Wahrheit. (...)

300.000 Mann kann der Kreml nicht mehr aus sozialen, ethnischen oder geografischen Randgruppen rekrutieren. Mit der Teilmobilmachung trägt er den für viele Bürger fernen Ukraine-Krieg mitten in die russische Gesellschaft. Und auch seine Anhänger, die heute vom Sofa aus mehr Härte verlangen vom Kreml, könnten schnell das Lager wechseln, wenn plötzlich sie und ihre Lieben gezwungen werden, in Putins Krieg zu ziehen. Damit droht mit der Mobilmachung nicht nur der Ukraine, sondern auch Russland der Tag der Wahrheit. Und allen voran Wladimir Putin, der alles auf eine Karte setzt. Und damit auch alles verlieren könnte.“

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„DNA“ (Frankreich): Putin riskiert mit Teilmobilmachung Wut im Volk zu wecken

„Die Mobilmachung von 300.000 Reservisten trägt in sich den Keim eines noch größeren kollektiven Traumas einer bereits mitgenommenen Nation. Denn die bereits enorme Zahl an Verlusten und Verwundeten an der Front wird automatisch explodieren, wenn die Rekruten erst einmal in den Kugelregen kommen. Es gibt keine Garantie dafür, dass das russische Volk dieses neue Blutvergießen ohne zu murren über sich ergehen lassen wird. Ab nun wird jede Familie von diesem Krieg, der noch als „Spezialoperation“ getarnt ist, getroffen werden. Jeder Haushalt wird direkt betroffen sein.

Die Russen haben das schon in Afghanistan erlebt. Zehn Jahre lang haben sie junge Männer gehen sehen, bevor sie in Särgen, verstümmelt oder gebrochen zurück kamen. Aus dieser Zeit bleibt ihnen etwas Asche und viel Wut im Herzen. Auf seiner Flucht nach vorn geht Wladimir Putin auch das Risiko ein, diese zu wecken.“

 IVANGOROD, LENINGRAD REGION, RUSSIA  AUGUST 18, 2022: People are seen at a passport control area at a crossing point on the border with Estonia. The passage of trucks from Russia to Estonia at the Ivangorod-Narva crossing has been resumed, the ban on the entry of trucks from Estonia into Russia remains. As of August 18, Estonia has restricted entry for Russian citizens with Schengen visas issued by Estonia. Peter Kovalev/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY TS13E75A

Schikane und Schlagabtausch: Was an der Grenze der EU zu Russland passieren kann

Bei einem Grenzübertritt von der EU nach Russland piesacken die europäischen Zöllner erst die ausreisenden Russen und die russischen Grenzwächter anschließend einreisende EU-Bürger. Die baltischen Länder und Polen gehen seit dem heutigen Montag noch einen Schritt weiter – wohl unter Verletzung von geltendem EU-Recht. Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Moskau-Korrespondent Paul Katzenberger.

„Magyar Nemzet“ (Ungarn): In der EU ist nur Ungarn für Frieden um jeden Preis

„Die Teilmobilmachung in Russland ist ein sehr starkes Zeichen. Sie ist die Vorbotin des Krieges, um vieles gefährlicher als das bisher Geschehene. Moskau gibt offensichtlich nicht klein bei. Die „militärische Spezial-Operation“ kann auch in Russland noch in den Rang eines Krieges erhoben werden. Wir Europäer hätten eine einzige Sache zu tun gehabt: die Gemüter zu beruhigen und unsere eigenen Interessen vor Augen haltend für den Frieden zu arbeiten. Es kam anders. (...) Die Wunderwaffe der EU, die Verhängung von Sanktionen, war von Anfang an völlig sinnlos. (...) Nur ein einziges Mitgliedsland erklärte von der ersten Minute an, dass es Frieden um jeden Preis geben muss: Ungarn. (...) Ungarn kann gar nicht anders, als seinen Sonderweg weiterzugehen.“

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RND/dpa/jst

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