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Hohe Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt

OECD-Bildungsbericht: Zu wenig Informatikstudenten in Deutschland

Kompetenzorientiert: In einem Klassenraum lernen Schülerinnen an Computern. Die Arbeit daran gehört zur digitalisierten Welt – weshalb Bildungsforscher Informatik als Pflichtfach einfordern. Allerdings hat in Deutschland längst nicht jede Schule verlässliches WLAN.

Informatik soll zum Pflichtfach in der Schule werden. In den nächsten Jahren werden mehr Fachkräfte in der Informatik gebraucht. (Symbolbild)

Ingenieursstudiengänge sind in Deutschland besonders beliebt, zu wenig Studierende gibt es dagegen im Bereich Informatik. Das geht aus dem Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. „In Deutschland beginnen nur 7 Prozent der Studienanfänger ein Informatikstudium“, sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher.

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Das sei zu wenig, sagte Karin Prien, Bildungsministerin in Schleswig-Holstein. Besonders im Bereich Informatik würden in den kommenden Jahren viele Fachkräfte gebraucht. Deshalb müsse Informatik Pflichtfach in der Schule werden. Absolventen hätten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. „90 Prozent der Erwachsenen mit einem Abschluss im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie haben einen Arbeitsplatz“, unterstrich Schleicher.

Laut OECD-Bericht beginnen ein Viertel aller Abiturienten und Abiturientinnen in Deutschland, und damit die meisten, ein Studium im Bereich Wirtschaft, Verwaltung und Recht. Auch Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die (MINT)-Fächer sind in Deutschland besonders beliebt – beim Vergleich mit den 37 anderen OECD-Staaten hat Deutschland hier die Nase vorn.

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Herausforderung Ausbildung: Das „Matching“-Problem

„Wir haben in Deutschland viele offene Ausbildungsstellen und zeitgleich viele Jugendliche, die keine Ausbildung beginnen“, beschreibt Kornelia Haugg, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Situation auf dem Lehrstellenmarkt. Sie spricht die Kluft zwischen der Exzellenzinitiative für berufliche Bildung an, welche im Koalitionsvertrag steht, und der Ausbildungsgarantie für schwächere Jugendliche. „Sozialer Hintergrund und Bildungserfolg hängen auch in Deutschland zusammen“ so Haugg. Wir müssen unbedingt dranbleiben und diese Trends weiter verfolgen, sagte die Staatssekretärin.

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Lehrermangel in Deutschland

Das Lehrergehalt in Deutschland liegt im OECD-Vergleich auf Platz zwei, direkt hinter Luxemburg. Dabei unterrichten die deutschen Lehrerinnen und Lehrer weniger vor der Klasse – 641 Stunden pro Jahr. Das Mittel der OECD-Staaten liegt bei 711 Stunden. Dennoch ist in Deutschland der Arbeitsaufwand außerhalb des Unterrichts hoch. Die Jahresarbeitszeit der Lehrer liegt bei 1795 Stunden und wird im Vergleich nur noch von der Schweiz übertroffen.

Im Vergleich mit den OECD-Staaten dauert die Ausbildung für Lehrer hierzulande auch sehr lang. Sechseinhalb Jahre ist der Durchschnitt. Um Lehrer zu werden, muss man in Deutschland einen Bachelor, einen Master und das Referendariat absolvieren. „In Finnland gibt es etwa acht Bewerbungen pro Stelle“, sagte Andreas Schleicher, „dort ist die Vergütung eher mäßig, dafür werden andere Punkte erfüllt.“

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Was den Lehrerberuf attraktiver macht, sind laut der OECD drei Punkte. Als Erstes die Zeit im Team und mit Kolleginnen und Kollegen, die den fachlichen Austausch oder die Begleitung anderer im Unterricht ermöglicht. Gefolgt von der Möglichkeit der individuellen Förderung von Schülern und Schülerinnen außerhalb des Klassenverbands sowie attraktive Karrierechancen und Weiterbildungsmöglichkeiten.

„Bildung zahlt sich aus“

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist ein Zusammenschluss von Industrienationen. Ziel ist die Förderung von Wohlstand und wirtschaftlichem Wachstum durch den Informationsaustausch von aktuell 38 Ländern. Deutschland gibt aktuell 3,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Bildungseinrichtungen aus. Der europäische Durchschnitt liegt hier bei vier Prozent, der der OECD-Staaten liegt bei 4,5 Prozent. „Bildung zahlt sich aus“, sagt Bildungsdirektor Schleicher. Etwas über ein Prozent des BIP fließt in die Finanzierung der Ausbildung oder des Studiums.

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