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„Mehrere Szenarien denkbar“

Lecks in den Pipelines: So könnte die Sabotage abgelaufen sein

Zu modernen Armeen gehören auch Einsatzkräfte im Wasser – wie hier Kampfschwimmer vom Kommando Spezialkräfte der deutschen Marine bei einer Übung in der Ostsee.

Zu modernen Armeen gehören auch Einsatzkräfte im Wasser – wie hier Kampfschwimmer vom Kommando Spezialkräfte der deutschen Marine bei einer Übung in der Ostsee.

Wie es zu den Lecks in den beiden Nord-Stream-Pipelines gekommen ist – dazu gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Klar ist aber, dass an drei Röhren beinahe zeitgleich Schäden entstanden sind. Mehrere europäische Regierungen sowie die EU-Kommission haben sich darauf festgelegt, dass es sich um Sabotage handelte und dass ein staatlicher Akteur dahinterstehen muss. Dafür sprechen unter anderem seismografische Erschütterungen, die auf Explosionen an den Pipelines schließen lassen.

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In den Fragen, was genau passiert und wer dafür verantwortlich ist, befinde man sich allerdings noch im „Bereich der Spekulationen“, sagte Politikwissenschaftler Johannes Peters dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Der Experte für maritime Strategie und Sicherheit am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel geht ebenfalls davon aus, dass es sich bei den Lecks in Nord Stream 1 und 2 um Sabotage handelt. „Ich halte das für das einzig plausible Szenario“, sagte er.

Experte für maritime Sicherheit geht von Sabotage an Nord-Stream-Pipelines aus

„Wenn man sich die Komplexität anguckt, dann muss man schon davon ausgehen, dass es sich hier um einen staatlichen Akteur handelt“, sagt Experte Peters.

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Für den genauen Ablauf der Sabotage gebe es eine Reihe von denkbaren Szenarien, so Peters. Die Orte, an denen die Lecks auftraten und insbesondere die Wassertiefe ließen mehrere Möglichkeiten zu. „Es ist noch flach genug, dass man da beispielsweise mit Spezialeinheiten, mit Tauchern, operieren kann, die dann Haftladungen anbringen. Das ist sicherlich das Diskreteste, was man tun kann“, erklärte der Politikwissenschaftler. Das Wasser sei andererseits tief genug, um mit einem U-Boot in die Nähe zu fahren oder mit Kleinstbooten operieren zu können.

„Ich möchte nicht ausschließen, dass man vielleicht schon im Vorfeld beim Bau der Pipeline bestimmte Maßnahmen getroffen hat, um ein solches Ereignis auszulösen.“

Michael Giss,

Bundeswehrkommandeur

Großes Kriegsschiff wäre entdeckt worden

Auch Bundeswehrkommandeur Michael Giss vermutet den Einsatz von Kleinstbooten oder einer Drohne. Der Leiter des Bundeswehrlandeskommandos Hamburg sagte dem Sender NDR Info, eine Sabotage durch Taucher sei sehr aufwendig und daher eher unwahrscheinlich. Kleinere militärische Instrumente ließen sich auch unter einem zivilen Mantel gut verbergen, so der Kapitän zur See: „Da muss kein großes Kriegsschiff anrücken mit entsprechender Ausrüstung, das sofort Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde.“ Giss fügte hinzu: „Ich möchte auch nicht ausschließen, dass man vielleicht schon im Vorfeld beim Bau der Pipeline bestimmte Maßnahmen getroffen hat, um ein solches Ereignis auszulösen.“

Viertes Leck an Nord-Stream-Pipelines entdeckt

Noch ein Leck: Das Loch in der Pipeline sei ebenfalls diese Woche entdeckt worden, teilte die Küstenwache mit.

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Bei der Suche nach einem möglichen Urheber der Lecks wies Politikwissenschaftler Peters Spekulationen in den sozialen Netzwerken zurück, dass die USA dahinterstecken könnten. Dort kursierten Gerüchte, die USA hätten die Pipelines zerstört, um sicherzustellen, dass Europa nicht doch wieder Gas aus Russland bezieht. „Das halte ich für falsch“, so der Sicherheitsexperte. „Gegen diese These spricht auch, dass eine Nord-Stream-2-Röhre noch intakt ist.“

Hinweise auf Russland als Verursacher

Vielmehr gebe es Hinweise darauf, dass Russland für die Zerstörung der Pipelines verantwortlich sein könnte. „Es gibt durchaus gute Gründe, warum man auf so eine Idee kommen könnte“, sagte Peters. So sei Russland vertraglich eigentlich verpflichtet, Gas an Europa zu liefern und wenn dieses nicht komme, werde Gazprom vertragsbrüchig und es würden sich entsprechende Vertragsstrafen summieren. Durch die Zerstörung der Pipelineröhren und den Stopp der Bundesregierung von Nord Stream 2 sei Russland in der komfortablen Situation, sagen zu können, ihnen seien nun komplett die Hände gebunden.

Damit könne man den Druck auf die Bundesregierung mittelfristig erhöhen – besonders, falls es ein harter Winter werde und Gas rationiert werden müsse, erklärte der Sicherheitsexperte. „Dann wird natürlich der politische Druck auf die Bundesregierung größer, jedes Gas zu nehmen, was sie irgendwie bekommen können“, so Peters. „Und dann ist eine theoretisch funktionierende Nord-Stream-2-Röhre für Russland ein schöner Hebel, um Druck auszuüben und Deutschland innenpolitisch zu destabilisieren – in der Hoffnung, dass Deutschland aus dem Sanktionsregime ausschert.“

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Inzwischen sind es wohl vier Lecks

An den Nord-Stream-Pipelines gibt es übereinstimmenden Medienberichten zufolge nun vier Lecks. Bislang war man von drei beschädigten Stellen ausgegangen. In der Nacht zu Montag war zunächst in einer der beiden Röhren der nicht genutzten Pipeline Nord Stream 2 ein starker Druckabfall festgestellt worden. Später meldete der Nord-Stream-1-Betreiber einen Druckabfall auch in diesen beiden Röhren. Dänische Behörden entdeckten schließlich insgesamt drei Lecks an den beiden Pipelines.

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