Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum

Thunberg über Davos: Teilnehmer „feuern die Zerstörung des Planeten an“

Polizisten tragen die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg (Mitte) aus einer Gruppe von Demonstrierenden und Aktivisten und Aktivistinnen heraus und vom Rand des Braunkohlentagebaus Garzweiler II weg.

Polizisten tragen die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg (Mitte) aus einer Gruppe von Demonstrierenden und Aktivisten und Aktivistinnen heraus und vom Rand des Braunkohlentagebaus Garzweiler II weg.

Berlin. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat in Davos harsche Kritik an den Teilnehmenden des Weltwirtschaftsforums geübt. „Wir sind gerade in Davos, wo im Grunde die Menschen die Zerstörung des Planeten anfeuern. Die Menschen, die im Kern der Klimakrise stehen. Die Menschen, die in fossile Brennstoffe investieren und so weiter. Und doch sind sie es irgendwie die Menschen, auf die wir uns scheinbar verlassen, um unsere Probleme zu lösen“, sagte sie am Donnerstag in Davos. Es sei doch „absurd“, dass man hier noch immer genau auf die Menschen höre, die die Klimakrise wesentlich vorantrieben und in fossile Brennstoffe investierten. Echte Veränderung, die erreiche man wohl eher „von unten“ als auf der Bühne des WEF.

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Die Fridays-for-Future-Initiatorin beklagte weiter: „Sie haben immer wieder bewiesen, dass sie das nicht priorisieren. Sie priorisieren Eigengier, Unternehmensgier und kurzfristige wirtschaftliche Gewinne über Menschen und über den Planeten.“

Luisa Neubauer: „Genug ist genug“

Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer forderte das Aus für neue fossile Projekte und Investitionen. „Es kann keine neuen fossilen Projekte geben und keine fossilen Expansionen, übrigens auch nicht von Kohleminen“, sagte Neubauer am Donnerstag in Davos, wo derzeit Vertreterinnen und Vertreter der internationalen Politik und wichtiger Unternehmen zusammenkommen, um Pläne zu entwickeln, wie die Wirtschaft gestärkt und das Klima besser geschützt werden kann.

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Scholz wirbt in Davos für Freihandel und Einigung mit den USA über Subventionen

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Die Industrie selbst aber werde, so Neubauer, diesen Weg nicht weisen. „Jemand anderes muss sagen: Genug ist genug“, forderte die Klimaaktivistin von Fridays for Future. Solange Investoren wie Blackrock oder die Deutsche Bank mit fossiler Energie planten, stünden sie auf der falschen Seite.

Thunberg, Neubauer und weiteren Aktivistinnen forderten in Davos mit einer Petition das Aus für neue fossile Projekte und Investitionen. Die Befürchtung: Angesichts der Energiekrise gerate der Klimaschutz ins Hintertreffen. Eine Studie zeigt, dass diese Angst nicht unbegründet ist.

Klimaschutz: „Tendenz zu rhetorischem Marketingprojekt“

Russlands Angriff auf die Ukraine im vergangenen Jahr hat die Koordinaten verschoben. Auf der einen Seite trieb Deutschland den Bau von Windrädern und Solarpanelen voran, um möglichst schnell von russischem Gas loszukommen. „Unsere Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft - die grundlegende Aufgabe unseres Jahrhunderts - bekommt derzeit eine ganz neue Dynamik. Nicht trotz, sondern wegen des russischen Kriegs und des daraus resultierenden Veränderungsdruck auf uns Europäer“, sagte Kanzler Olaf Scholz am Mittwoch auf dem Weltwirtschaftsforum.

Polizei bestreitet gesonderten Umgang mit Thunberg nach Vorwurf der „Inszenierung“

Polizisten halten die Aktivistin fest, während Fotografen Bilder machen – diese Szene hat in sozialen Netzwerken den Vorwurf einer „Inszenierung“ ausgelöst.

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Statt Deutschland raus aus dem fossilen Zeitalter zu führen, steuert der Kanzler das Land tatsächlich tendenziell eher rein.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer

Doch es wird - und das kritisieren die Klimaaktivisten scharf - auch mehr klimaschädliche Kohle verbrannt. Für Luisa Neubauer ist klar: Die Industrie werde den Weg zu mehr Klimaschutz nicht aus eigenem Antrieb einschlagen. 96 Prozent der Öl- und Gasindustrie wollten expandieren. Doch Politiker wie Scholz lieferten nicht. „Wir sehen eine große Tendenz - die sich öffentlich bei Olaf Scholz abzeichnet, aber eben auch bei anderen - Klimaschutz vor allem als ein rhetorisches Marketingprojekt zu verstehen und nicht etwas, wo es auf harte Budgets ankommt“, sagte die Klimaaktivistin von Fridays for Future. So sei es auch zu verstehen, dass Scholz in Davos mit dem Klimaschutz als Standortfaktor für Investitionen in Deutschland warb.

Statt Deutschland raus aus dem fossilen Zeitalter zu führen, steuere der Kanzler das Land tatsächlich „tendenziell eher rein“. „Er spricht davon, dass keine neue, erkennbar fossile Renaissance stattfinden darf, während er dabei ist und auch zuguckt, wie er und seine Regierung neue Gasprojekte verabschieden, Überkapazitäten in Sachen LNG schaffen, Kohledeals vereinbaren, die nicht vereinbar sind mit dem Pariser Abkommen“, kritisierte Neubauer.

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Lützerath: Polizei nahm Thunberg in Gewahrsam

Vor zwei Jahren war Thunberg zum Auftakt der Veranstaltung aufgetreten. Schon damals hatte sie sich enttäuscht von der internationalen Spitzenpolitik gezeigt. Trotz weltweiter Protestaktionen sei beim Klimaschutz so gut wie nichts erreicht worden, sagte die Schwedin damals.

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Zuletzt war sie bei Demonstrationen gegen die Räumung des Braunkohleorts Lützerath aufgetreten und von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Dafür hatte sie der ehemalige US‑Vizepräsident Al Gore am Mittwoch in Davos verteidigt. „Ich unterstütze ihre Bemühungen, ein Kohlebergwerk in Deutschland zu stoppen“, sagte Gore. Es gebe eine Kluft zwischen denjenigen, die alt genug seien, um in Machtpositionen zu sitzen, und den jungen Menschen dieser Welt. Die Klimakrise verschlimmere sich schneller, als die Welt sie bewältigen könne und es müsse endlich gehandelt werden.

Guterres: Welt ist in bedauernswertem Zustand

Auch UN‑Chef Antonio Guterres hatte sich kritisch in Davos geäußert. Die Welt sei in einem bedauernswerten Zustand, sagte er mit Blick auf die Klimakrise und den Krieg in der Ukraine. Den Klimawandel stellte er als „existenzielles Problem“ heraus und beklagte, dass sich das Engagement der Weltgemeinschaft, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, „nahezu in Rauch“ auflöse.

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In vielen Unternehmen, das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Accenture, drohen die aktuellen Krisen den Klimaschutz von der Spitze der Agenda zu verdrängen. Mehr als 80 Prozent der 2600 befragten Unternehmenschefs sind demnach der Meinung, dass die geopolitische Instabilität das Erreichen der Klimaziele erschwert. Das sehe man vor allem in Asien und den Entwicklungsländern, aber auch in Europa, sagte Christina Raab, Accenture-Chefin für Deutschland, Österreich und die Schweiz, der Deutschen Presse-Agentur.

Dabei seien Inflations- und Energiethemen eng mit dem CO2-Abdruck verknüpft: „Die Reduktion unseres Energiekonsums hat einen positiven Effekt auf die Nachhaltigkeit.“ Es sei wichtig, dass Unternehmen Klimaschutz nicht länger nur als Investition in die Zukunft verständen, sondern ihren kurzfristigen Nutzen sähen. „Das ist der Einstellungswandel, den wir beim Thema Nachhaltigkeit brauchen“, forderte sie.

RND/ag/jst/dpa

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