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Er hat die Lagerhölle überlebt

Der Held von Mariupol: So erging es Michailo Dianow in russischer Lagerhaft

Das von der Pressestelle des Asow-Regiments der ukrainischen Nationalgarde über AP zur Verfügung gestellte Foto zeigt einen verwundeten ukrainischen Soldaten, der im Stahlwerk Azovstal sitzt und das Peace-Zeichen zeigt.

Das von der Pressestelle des Asow-Regiments der ukrainischen Nationalgarde über AP zur Verfügung gestellte Foto zeigt einen verwundeten ukrainischen Soldaten, der im Stahlwerk Azovstal sitzt und das Peace-Zeichen zeigt.

Sein Bild ging um die Welt, als die Verteidiger des Azovstal-Stahlwerks im ukrainischen Mariupol nach wochenlangem Widerstand vor der russischen Übermacht kapitulieren mussten: Michailo Dianow, der lächelnde Soldat, ein verstecktes Siegeszeichen mit der noch intakten linken Hand formend, während der rechte Arm eingeschient war.

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+++ Alle Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Liveblog +++

Damals ging Dianow in russische Gefangenschaft. Niemand wusste, ob er überlebt hat, zumal die Russen vielen der Mariupol-Verteidiger einen Schauprozess machen wollten und sie mit der Todesstrafe bedrohten.

Doch Michailo Dianow hat überlebt. Nach vier Monaten wurde er Ende September im Zuge eines Gefangenenaustauschs freigelassen. Er ist einer von 215 Ukrainern, die jüngst das berüchtigte Lager Oleniwka verlassen konnten.

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Michailo Dianow, der Held aus dem Stahlwerk von Mariupol, nach seiner Freilassung aus russischer Gefangenschaft.

Michailo Dianow, der Held aus dem Stahlwerk von Mariupol, nach seiner Freilassung aus russischer Gefangenschaft.

Britischen Medien schilderte der 42-Jährige jetzt, wie es ihm erging. „Bei Azovstal dachten wir, es wäre das Ende“, sagte er gegenüber Sky News. „Glauben Sie mir, wenn Sie nach einem Monat des Hungerns die Augen schließen, vergessen Sie Ihre Familie, Ihr Land, alles. Das Einzige, woran Sie denken, ist Essen.“ Dianow verlor in seinen vier Monaten als Kriegsgefangener 40 Kilogramm an Gewicht. „Sie haben uns wie Tiere behandelt“, erzählt er weiter. „Es war unmöglich, zu essen. Für jede Mahlzeit hatte man 30 Sekunden Zeit. In 30 Sekunden musste man alles essen, was man konnte.“

„Sie entfernten das Gerät mit einer Zange, ohne Betäubung“

Das Oleniwka-Gefängnis im russisch kontrollierten Teil der Region Donezk bezeichnet Dianow als „Konzentrationslager“. Es sei Absicht gewesen, die dort festgehaltenen Kriegsgefangenen hungern zu lassen.

Die Lagerinsassen seien mit Stöcken geschlagen worden. Sie sollen Elektroschocks erhalten haben und ihnen seien Nadeln unter die Nägel gesteckt worden. Die Armschiene, medizinische Bezeichnung: „externe Fixateur“, habe man ihm brutal entrissen. „Sie entfernten das Gerät mit einer Zange, ohne Betäubung“, erzählte er im TV-Interview mit dem Sender 1+1. Dazu habe einer seine Schulter festgehalten, während sich ein anderer an dem Gestell zu schaffen gemacht haben soll.

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Der ukrainische Journalist Ostap Yarysh teilte auf Twitter ein Foto von Dianow, das kurz nach seiner Freilassung entstanden ist.

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Vier Zentimeter Knochen fehlen Dianow. Doch er ist sich sicher, dass sein Arm wieder komplett hergestellt wird und er eines Tages wieder Klavier spielen kann. Seine Schwester Olena hat nach Berichten auf Twitter eine Spendenkampagne ins Leben gerufen. Mit dem Geld soll eine Operation seines Arms bezahlt werden. Denn eigentlich ist Dianow Musiker, vor dem Krieg spielte er professionell Piano und Gitarre.

Für seine Zukunft wünscht er sich aber etwas anderes: „Ich möchte arbeiten. Mein Traum ist es, eine Metallwerkstatt zu eröffnen.“

RND/stu

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