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Güter mit Schiffen abtransportiert

Putin presst die Ukraine aus: Satellitenfotos zeigen die dreisten Raubzüge von Russlands Soldaten

Ein russischer Konvoi auf einer Straße bei Mariupol.

Wenn russische Soldaten über ukrainische Städte herfallen, nehmen sie oft alles mit, was sich zu Geld machen lässt. Waschmaschinen, Stereoanlagen, E-Bikes, Computer, Smartphones – meist lassen sie nichts davon zurück. Doch inzwischen gibt es immer mehr Hinweise, dass dies nur Kleinkram ist. Denn Russland versucht offenbar, tonnenweise Güter aus den eroberten Gebieten außer Landes zu bringen.

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Auffällig ist, dass Russland den Schwerpunkt seiner Angriffe auf den Süden und Osten der Ukraine verlagert hat, die Industrieschwergewichte des Landes. Das wochenlang umkämpfte Stahlwerk von Mariupol im Süden des Landes ist eines der größten in ganz Europa. In der Ukraine macht die Metallindustrie etwa 15 Prozent der gesamten Industrieproduktion des Landes aus. Laut dem Berater des Bürgermeisters von Mariupol, Petr Andryushchenko, haben nach der Eroberung der Hafenstadt zwei Transportschiffe dort festgemacht, wo das gewalzte Metall lagert. Eines der Schiffe soll 15.000 Tonnen Ladung, das andere sogar 30.000 Tonnen transportieren können.

Stahl am Hafen von Mariupol.

Stahl am Hafen von Mariupol.

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Am Montag hätte Russland allerdings noch keinen Stahl über den Hafen exportieren können, da es keine funktionierenden Kräne gab und eine Ausfahrt aus den Hafengewässern nicht möglich gewesen wäre. Die Ukraine hatte den Hafen vermint, um sich vor Angriffen vom Meer zu schützen. Doch bereits am Mittwoch will Russland nach Militärangaben einen sicheren Seeweg vom Hafen in Richtung Schwarzes Meer einrichten. Die Strecke durch das Asowsche Meer sei von Minen geräumt worden, so das Verteidigungsministerium in Moskau. Die beschädigte Hafeninfrastruktur von Mariupol, darunter auch Verladekräne, werden derzeit repariert. Schon in Kürze könnte Russland Stahl und andere Güter außer Landes bringen.

Der Militärexperte Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations hält die Berichte über groß angelegte Plünderungen für realistisch. „Russland behandelt die eroberten Regionen wie ein besetztes Gebiet und nimmt sich alles, was sich transportieren lässt“, sagt der Experte im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Bereits 2014 im Donbass habe Russland Industrieanlagen abmontiert und über die russische Grenze gebracht. Im Donbass gibt es außerdem große Kohlevorkommen. Der Bergbau ist mit etwa 14 Prozent die drittgrößte Industriebranche der Ukraine. Auch dort plünderte Russland im großen Stil, so Gressel. „Es wurden Kohlestollen wieder geöffnet und die ukrainische Kohle nach Russland gebracht.“

Noch wichtiger ist für die Ukraine die Nahrungsmittelindustrie, die etwa 23 Prozent der gesamten Produktion ausmacht. Immerhin gilt die Ukraine als einer der größten Weizenexporteure der Welt. Bäuerinnen und Bauern aus zeitweise besetzten Gebieten erzählen, dass russische Kräfte ihr Getreide, Gemüse und ihre landwirtschaftlichen Maschinen gestohlen haben sollen. Das berichtet die ukrainische Zeitung „Ukrajinska Prawda“. Demnach soll es sich um Getreide aus den Regionen Cherson, Saporischschja, Luhansk und Donezk handeln.

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In der Region Saporischschja sollen sich im März im Hafen der Stadt Berdjansk noch fünf mit Getreide beladene Transportschiffe befunden haben, so die „Prawda“. Augenzeugen hätten beobachtet, wie russische Schlepper die Getreideschiffe weggebracht hätten. Laut ukrainischem Verteidigungsministerium sollen 400.000 bis 500.000 Tonnen Getreide gestohlen worden sein.

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Doch inzwischen zeigen neue Satellitenfotos, dass Russland offenbar systematisch ukrainisches Getreide außer Landes bringt. Wie CNN unter Berufung auf die Satellitenbilder berichtet, wurden russische Frachtschiffe im Hafen von Sewastopol auf der Krim mit mutmaßlich gestohlenem ukrainischem Getreide beladen. Die beiden Schiffe „Matros Posynitsch“ und „Matros Koschka“ haben den Hafen bereits mit ihrer Ladung verlassen und steuern unter anderem auf den Libanon zu. Aus den zum Teil eingenommenen Regionen Cherson und Saporischschja berichten ukrainische Behörden, dass russische Truppen mehrere Getreidesilos geplündert und den Weizen in den Süden gebracht hätten. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

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In der Ukraine erinnert das Vorgehen an Praktiken der sowjetischen Armee in den 1930er-Jahren. „Die Russen wenden die Taktiken des frühen 20. Jahrhunderts an, um Getreide zu stehlen und es aus der Ukraine zu exportieren“, sagte der erste stellvertretende ukrainische Minister für Agrarpolitik, Taras Wyssozki. Russland versuche über den Hafen auf der besetzten Krim das Getreide aus der Ukraine zu verkaufen. Der Kreml wies die Vorwürfe zurück.

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RIA Melitopol“ berichtete, dass eine Lkw-Kolonne Getreide aus der ukrainischen Stadt Melitopol als „Beute“ nach Russland gebracht haben soll. Begleitet wurden sie demnach von einem Militärkonvoi und Tankwagen, um die Lkw mit Kraftstoff zu versorgen. Zuvor soll die Politik offiziell die Diebstähle genehmigt haben. Eine „Enteignung der letztjährigen und laufenden Ernteüberschüsse der Landwirte in der Region Cherson“ werde erlaubt, zitiert „RIA Melitopol“ aus einer Presseerklärung.

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