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Promianwalt ordnet ein

Verlegung in ein anderes Gefängnis: „Besser, um Boris Becker auf freien Fuß zu bekommen“

Boris Becker, ehemaliger Tennisprofi aus Deutschland, kommt zu einem Gerichtstermin (Archivbild).

Boris Becker, ehemaliger Tennisprofi aus Deutschland, kommt zu einem Gerichtstermin (Archivbild).

Von Wandsworth nach Huntercombe: Boris Becker ist nach rund drei Wochen Haft in ein Gefängnis mit niedrigerer Sicherheitsstufe verlegt worden. Auch wenn die Strategie von Beckers Anwalt Christian-Oliver Moser nicht klar kommuniziert wurde, könnte die Verlegung eine Richtungsentscheidung gewesen sein.

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„Als Verteidiger gibt es in solchen Fällen zwei Strategien: Entweder man versucht eine Abschiebung nach Deutschland zu veranlassen, oder man bemüht sich um Hafterleichterungen für den Verurteilten“, erklärt Promianwalt Paul Vogel im Gespräch mit dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Die beiden Strategien würden sich nicht grundsätzlich ausschließen. Aber wenn Becker das Ziel hätte, schnellstmöglich nach Deutschland zu kommen, sei die Verlegung in ein anderes Gefängnis kontraproduktiv.

Der Experte für englisches Recht weist darauf hin, dass der Umzug in ein anderes Gefängnis eine Zeit des Leerlaufs nach sich ziehe. Das Huntercombe-Gefängnis selbst gibt an, dass Häftlinge in der ersten Woche ein Programm durchlaufen, in dem sie mit Fachleuten über ihre körperliche und psychische Gesundheit sprechen und in die Regeln des Gefängnisses eingewiesen werden. Anwalt Vogel ergänzt: „In den ersten Tagen nach der Verlegung kann Becker möglicherweise keinen Besuch empfangen. Und die Gefängniswärter wollen sich erst ein eigenes Bild von ihm machen. In dieser Zeit wäre eine Abschiebung unwahrscheinlich.“

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„Ein sicheres und lehrreiches Umfeld“

Dafür bietet das Gefängnis andere Möglichkeiten. Das Wandsworth-Gefängnis, in das der Ex-Tennisstar unmittelbar nach dem Urteil gegen ihn gebracht wurde, ist als „Horror­gefängnis“ verschrien, es gibt unter anderem Berichte über Überfüllung, Gewalt und schlechte hygienische Zustände. Die hohe Sicherheitsstufe erschwert zudem Maßnahmen zur Resozialisierung. Huntercombe hingegen, 70 Kilometer westlich von London gelegen, will nach eigenen Angaben „ein sicheres und lehrreiches Umfeld schaffen, in dem Männer neue Fähigkeiten erlernen können, die ihnen nach der Entlassung helfen“.

Urteil im Becker-Prozess gesprochen: „Psychisch muss man sich Sorgen um ihn machen“

Das Urteil ist gesprochen – Boris Becker muss für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Wie das Urteil den Tennisstar trifft und wie es juristisch weitergeht.

„Das neue Gefängnis ist definitiv besser, um Becker auf freien Fuß zu bekommen. Für ihn ist das eine sehr positive Entwicklung“, ist sich Vogel sicher. Mit den Resozialisierungs­maßnahmen könne er nun Argumente liefern, die er für weitere Erleichterungen brauche. In dem Gefängnis, das speziell auf ausländische Häftlinge mit einer Resthaftzeit von drei bis 30 Monaten ausgerichtet ist, wird etwa Unterricht in Englisch und Mathematik angeboten. Die Häftlinge können auch eine Berufsausbildung beginnen. Unter anderem als Maurer, Maler, Dekorateur und in der Küchenarbeit könnte sich Becker betätigen.

08.04.2022, Großbritannien, London: Boris Becker, ehemaliger Tennis-Profi aus Deutschland, steigt in ein Taxi, als er den Southwark Crown Court in London verlässt. Im Londoner Strafprozess gegen Boris Becker haben die Geschworenen den deutschen Ex-Tennisstar in mehreren Anklagepunkten für schuldig befunden. Foto: Alberto Pezzali/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wird Boris Becker in einigen Monaten nach Deutschland abgeschoben?

In britischen Medien wird spekuliert, ob die Justiz Boris Becker des Landes verweisen wird. Möglich ist das, sagt Promianwalt Paul Vogel. Für den inhaftierten Tennisstar könnte das ein Weg zur Hafterleichterung sein – der aber auch einen Nachteil hätte.

Ganz vom Tisch ist eine Abschiebung nach Deutschland aber noch nicht: Denn auch wenn Becker und sein Anwalt sich für den Weg der Hafterleichterungen in Großbritannien entschieden hätten, könne immer noch die englische Justiz die Initiative ergreifen, erklärt Vogel. Denkbar wäre das etwa dann, wenn die Justiz zu dem Schluss kommen würde, durch die Abschiebung die Überlastung der Gefängnisse zu reduzieren und Haftkosten zu sparen.

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RND/sebs

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