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Bundesliga-Relegation

Magaths Hertha BSC ist wie ein Gegenentwurf zum Hamburger SV

Hertha-Coach Felix Magath blickt entspannt auf die Duelle mit dem Hamburger SV.

Hertha-Coach Felix Magath blickt entspannt auf die Duelle mit dem Hamburger SV.

Berlin. Normalerweise bereiten sich im Bundesleistungszentrum Kienbaum, das seit 2017 unter dem Namen "Olympisches und Paralympisches Trainingszentrum für Deutschland" firmiert, Weltmeister und Olympiasieger von morgen auf ihre Wettkämpfe vor. Dieser Tage beherbergt das weitläufige Areal in der Gemeinde Grünheide (Landkreis Oder-Spree) die Fußballer des Bundesligisten Hertha BSC. Sie bereiten sich jedoch nicht auf den Griff nach Edelmetall vor, sondern auf das Abwenden eines Abstiegs in die 2. Liga. Und so passt die Idylle am Liebenberger See so überhaupt nicht zur aufgewühlten Stimmung rund um die beiden Relegationsspiele gegen den Hamburger SV am Donnerstag (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky) in Berlin und am kommenden Montag (20.30 Uhr/Sky und Sat.1) in Hamburg.

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Einer, der bei aller Aufregung zumindest äußerlich nie die Ruhe verliert, ist Felix Magath. Auf rund 800 Partien als Trainer blickt der 68-Jährige in seiner langen Karriere zurück, mehr als 450 kommen noch mal als Spieler hinzu. Es ist also schwierig, dem gebürtigen Aschaffenburger eine Aufgabe zu präsentieren, die er so oder so ähnlich nicht schon einmal erlebt hat. Die Relegation aber schafft das. „Auch für mich ist das eine neue Situation, eine Relegation habe ich noch nicht gespielt“, sagt Magath, doch unruhig mache ihn das nicht: „Am Ende ist es wie ein Endspiel. Und damit kenne ich mich aus.“

Selke und Ascacibar fehlen, Lotka noch fraglich

Das kann Magath mit Fug und Recht behaupten. Sowohl im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger, als auch im Finale des Landesmeistercups erzielte der ehemalige Weltklasse-Spielmacher entscheidende Treffer und sorgte so für zwei der größten Momente in der Historie des Hamburger SV. Dass es nun gegen den Club geht, bei dem er seine gesamte Bundesliga-Karriere verbrachte, ist Segen und Fluch zugleich. Einerseits bereite es ihm Unbehagen, den HSV vor der Rückkehr in die Bundesliga stoppen zu müssen, andererseits kennt Magath wohl keinen anderen Club so gut wie den sechsmaligen Deutschen Meister.

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„Das Spiel des HSV ist für mich klar und wir können uns darauf vorbereiten. Für mich ist das eher ein Aspekt, der mir Sicherheit gibt“, sagt Magath mit Blick auf den Verein von der Elbe, der unter Trainer Tim Walter einen ganz klaren Spielstil verfolgt: Schnelles vertikales Spiel, Mut im Eins-gegen-eins und immer aktiv das Spielgeschehen durch Ballbesitz bestimmen. So tritt der HSV unter dem 46-Jährigen auf. Wenn man so will, ist es der Gegenentwurf zu dem Fußball, den Hertha BSC insbesondere seit der Ankunft Magaths, Mitte März, spielen lässt.

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Unter ihm haben defensive Stabilität und taktische Disziplin oberste Priorität. Immer wieder kritisierte der erfahrene Übungsleiter in den vergangenen Wochen sein Team, wenn es aus seiner Sicht „zu viel mitspielen wollte“. Zweikämpfe führen, aktiv verteidigen und dann schnell umschalten, das ist Magaths Weg zum Erfolg. „Wenn der HSV am Ende des Spiels deutlich mehr Ballbesitz hatte als wir, habe ich damit überhaupt kein Problem“, so Magath. Er habe sich jedenfalls etwas einfallen lassen, um den drittbesten Angriff der 2. Liga zu stoppen. Was genau wollte Magath aber nicht verraten („Wir trainieren ja nicht zum Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit, damit sich der Trainer anschießend hinsetzt und alles erzählt“).

Klar ist jedoch: egal, welchen Plan Magath und sein Trainerteam sich ausgedacht haben, einige wichtige Spieler werden fehlen. Vor allem die Ausfälle des unter Magath gesetzten Stürmers Davie Selke (muskuläre Probleme im Oberschenkel) und von Mittelfeldabräumer Santiago Ascacibar (Gelbsperre) schmerzen. Ob Torwart Marcel Lotka im Hinspiel einsatzfähig sein wird, ist noch offen. Der 20-Jährige, der sich am letzten Spieltag gegen den BVB einen Nasenbeinbruch und eine leichte Gehirnerschütterung zuzog, konnte noch nicht wieder trainieren. Aktuell werde eine spezielle Gesichtsmaske angefertigt, um einen Einsatz doch noch zu ermöglichen.

Ärger mit Boateng? „Danach lagen wir uns wieder in den Armen“

Eine weitere Personalie, die vor dem Hinspiel im Olympiastadion für Aufregung sorgte, war Kevin-Prince Boateng. Der Routinier war unter Magath zunächst gesetzt, saß gegen den BVB aber nur auf der Bank. Die „Bild“ berichtete anschließend von einem Zoff zwischen Magath und dem 35-Jährigen. Alles Quatsch sagt Magath: „Ihm hat ein Satz in meiner Ansprache nicht gefallen. Den habe ich ihm erklärt. Danach lagen wir uns wieder in den Armen“, so das Trainer-Urgestein, das einen Einsatz von Boateng aber nicht garantieren wollte.

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Vielleicht wäre der ehemalige Milan-Star gegen den HSV ohnehin nicht der Typ Spieler, den es braucht. Denn wie man den Nordclub knacken kann, zeigte vor genau einem Monat der SC Freiburg. Die Breisgauer überließen den Hamburgern den Ball, liefen sie früh an, sorgten so für hohe Ballverluste und nutzten die sich daraus bietenden Chancen. Die Ausfälle von Selke und Ascacibar, die für diese Form des Spiels prädestiniert sind, dürften Magath also viel mehr stören. Jener 3:1-Erfolg der Freiburger gegen Hamburg ereignete sich im DFB-Pokal, wo der Hamburger SV erst im Halbfinale durch Freiburg gestoppt werden konnte.

HSV-Trainer Tim Walter (r.) geht mit sichtlicher Vorfreude in die Spiele gegen Hertha BSC.

HSV-Trainer Tim Walter (r.) geht mit sichtlicher Vorfreude in die Spiele gegen Hertha BSC.

„Wir sind heiß auf diese zwei Spiele mit Pokal-Charakter, in denen wir das schaffen möchten, was wir als Team unbedingt erreichen wollen“, sagte HSV-Coach Tim Walter im Vorfeld, der den Spirit der erfolgreichen Pokalkampagne und den Aufwind der letzten Siegesserie in der Liga mit in die Relegationsspiele tragen möchte. „Wir haben eine tolle Aufholjagd hingelegt und haben fünf Spiele in Folge gewonnen – Euphorie und Selbstvertrauen sind in jedem Fall auf unserer Seite“, so Walter, dessen Team im Schlussspurt der Zweitligasaison einen Sieben-Punkte-Rückstand auf den Relegationsplatz aufholte.

Seinen Gegenüber, Felix Magath, lässt das vermeintliche Momentum des HSV ziemlich kalt: „Die vier letzten Vereine, gegen die der HSV gewann, hießen Regensburg, Ingolstadt, Hannover und Rostock. Man muss die Dinge richtig einordnen, dann relativiert sich das Ganze ganz schnell.“ Hertha habe seit er die Verantwortung trage ebenfalls eine positive Entwicklung vollzogen und in Dortmund gezeigt, dass man gut drauf sei. „Das zeigen wir jetzt noch zwei Mal. Und dann ist alles gut.“ Ein wenig soll die Aura der Weltmeister und Olympiasieger von Kienbaum im Vorfeld auf seine Spieler abfärben. Und natürlich die Ruhe des Trainers. Denn die scheint in jeder Lage, unerschütterlich zu sein.

Von Ronald Tenbusch

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