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Fußball-Landesliga

Erstickungstod verhindert: So wurde Fußballer Nico Beyer zum Lebensretter

Nico Beyer (M.) im Spiel gegen den BFC Preussen nach seiner Rettungstat in der ersten Halbzeit.

Nico Beyer (M.) im Spiel gegen den BFC Preussen nach seiner Rettungstat in der ersten Halbzeit.

Schmöckwitz-Eichwalde. Es läuft die 29. Spielminute in der Berliner Fußball-Landesligapartie von Gastgeber SV Schmöckwitz-Eichwalde gegen den BFC Preussen. Es kommt zu einem schweren Zusammenprall zwischen SV-Keeper Yasin Baki und Preussen-Akteur Vincent Rabiega. Der Stürmer landet unglücklich auf dem Kunstrasen, sodass er sofort bewusstlos wird. Feuerwehrmann Nico Beyer erkennt die lebensbedrohliche Situation, spurtet zu Rabiega, legte ihn in eine stabile Seitenlage und holt die verschluckte Zunge aus dem Hals – der Preussen-Stürmer war bereits blau angelaufen und hatte auch nicht mehr geatmet.

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Der Vorfall geschah am Sonntag auf dem Sportplatz an der Finkengasse. „Ich sah, wie Vincent mit der Schulter am Kopf getroffen wurde und für mich sichtbar sehr ungünstig fiel. Als ich mich schon nach vorne bewegen wollte, rief unser Torwart Yasin, dass es nicht gut aussieht“, schildert Beyer. Der 31-jährige Mittelfeldakteur ist auch im Fußballkreis Dahme/Fläming kein Unbekannter, da er bereits für den RSV Waltersdorf und die SG Großziethen kickte.

Die Alarmglocken gingen an

„Ich drehte mich um und sah, wie Vincent blau anlief. Sofort gingen bei mir die Alarmglocken an, ich stürmte zum verletzten Spieler und begann mit Erste-Hilfe-Maßnahmen. Ich überstreckte erst den Kopf, so wurde der Zungenmuskel langgezogen, um die Atemwege frei zu bekommen. Das hat am Anfang nicht so gut geklappt. Vincent begann erst wieder zu atmen, als ich die Zunge mit meinen Fingern aus seinem Hals zog“, erzählt Beyer, der auch sofort Unterstützung von seinem Mitspieler Patrick Kroll bekam, der ebenfalls bei der Berliner Feuerwehr tätig ist und auch noch bei der Ü40 der SG Schulzendorf aktiv ist.

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Zusammen redeten die beiden Schmöckwitz-Akteure auf den verletzten Akteur ein, der nach einiger Zeit wieder begann, seine Finger zu bewegen. „Vincent hatte arge Probleme, seine Augen aufzumachen oder zu sprechen. Er konnte sich nach wenigen Minuten, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, sich wenigstens aufrecht hinsetzen, aber so richtig da war er nicht wirklich“, schildert Beyer weiter.

Erstickungstod von Vincent Rabiega verhindert

Erst seit dem 1. Mai hat der in Rudow lebende Mittelfeldspieler seine Feuerwehrausbildung erfolgreich beendet. Diese kam ihn dann bei seiner Rettungsaktion sehr zu Gute. „Ich wusste sofort, was zu machen ist, um ein Erstickungstod von Vincent zu verhindern. Zudem unternahm ich eine Trauma-Schnell-Untersuchung, bei der ich einen Bruch des Schultereckgelenks feststellte.“ Wenige Minuten später traf der Notarztwagen ein und nahm den verletzten Rabiega mit ins Krankenhaus. Die Partie wurde wieder angepfiffen, am Ende kassierte Schmöckwitz-Eichwalde eine 1:7-Niederlage gegen den Tabellenzweiten. „Das Ergebnis war für uns zweitrangig, da wir doch alle vom Geschehen auf dem Platz geschockt waren“, so der Lebensretter. Lob für das schnelle Handeln gab es auch von seinem Trainer Dennis Lotz: „Nico hat unheimlich schnell reagiert, das war wirklich toll von ihm.“

Der ehemalige Welt- und Europameister Thomas Häßler, der den BFC Preussen trainiert, hat sich bei Beyer bisher noch nicht bedankt.

Der ehemalige Welt- und Europameister Thomas Häßler, der den BFC Preussen trainiert, hat sich bei Beyer bisher noch nicht bedankt.

Bereits am selben Abend meldete sich der 26-jährige Rabiega aus dem Krankenbett bei seinem Retter. „Er hat mir gesagt, dass ich durch meine schnelle Hilfe Hervorragendes geleistet habe und er ohne meine Hilfe vielleicht nicht mehr am Leben wäre. Dafür sei er mir für immer dankbar“, berichtet Beyer vom Gespräch. Auch das Team und der Vereinspräsident des BFC Preussen bedankten sich. Über lobende Worte von BFC-Trainer Thomas Häßler, der mit Deutschland 1990 Weltmeister und 1996 Europameister geworden ist, hätte sich Beyer auch gefreut. „Er hat sich leider nicht bei mir gemeldet, das kann aber durchaus noch passieren.“

Nico Beyer: „Nach Brandenburg komme ich nicht zurück“

Was definitiv nicht mehr passieren wird, ist ein Wechsel von Beyer zurück zu einem Fußballverein nach Brandenburg. „Ich fühle mich hier pudelwohl und es macht mir sehr viel Spaß, bei ,Schmöcke’ zu kicken. Auch aus beruflichen Gründen möchte ich nicht mehr wechseln, da meine Wache in Wannsee ist und es mir zu viel Fahrerei wäre.“

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Von Oliver Schwandt

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