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Handball-Torwart aus Neuruppin

Erik Hansen wagt in der Schweiz einen Neustart mit großer Vision

Zwischen den Pfosten des Handballtors fühlt er sich wohl: Erik Hansen.

Zwischen den Pfosten des Handballtors fühlt er sich wohl: Erik Hansen.

Neuruppin.Erik Hansen hat den Reset-Knopf gefunden – und wird ihn im Spätsommer 2022 drücken. Der 21-jährige Handball-Torwart, aktuell noch für den Oranienburger HC aktiv, vorrangig in der Reserve, wechselt zur neuen Saison nicht nur den Verein, sondern gar das Land. Der gebürtige Neuruppiner hat beim amtierenden Schweizer Meister Pfadi Winterthur einen Vertrag unterschrieben und wird ab der Spielzeit 2022/23 für die zweite Mannschaft im Land der Eidgenossen auf der Platte stehen. „Am meisten von diesem Schritt und dieser großen Chance überrascht bin ich wohl selbst“, erklärt Hansen schmunzelnd.

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„Ich war früher nicht bewegungsbegabt“

Das Handball-Abc erlernte der Schlussmann in der heimischen Fontanestadt – wenn auch äußerst spät: „Ich war früher nicht bewegungsbegabt.“ Nur für kurze Zeit kickte er beim MSV Neuruppin zunächst gegen das runde Leder, in einer Schul-AG entdeckte Hansen wenig später die Leidenschaft für den Handballsport, welche er beim HC Neuruppin ausleben konnte. „Dort hat alles angefangen, dort wurde aus einem Hobby Passion“, betont Erik Hansen, dessen Mentor Christian Schulz war: „Ihm habe ich sportlich wahnsinnig viel zu verdanken, er war für mich der wohl wichtigste Trainer in all den Jahren.“

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Die positive Entwicklung machte sich bezahlt, das Torhüter-Talent geriet in den Fokus des Leistungssports – der Sprung auf die Eliteschule des Sports nach Potsdam, wo er für die Adler des 1. VfL zwischen den Pfosten stand, war perfekt. „Das waren wichtige Jahre für die Technik, mit Torwart-Trainer Rainer Müller konnte ich tiefgründig und sehr detailliert an mir arbeiten.“ Unter Axel Bornemann spielte Hansen in der Jugend-Bundesliga, Lehrertrainer Alexander Haase, einst Co-Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft, war ebenfalls ein prägender Wegbegleiter: „Er hat dafür gesorgt, dass aus mir ein ordentlicher erwachsener Mann wird.“ Weil die Perspektive in der Landeshauptstadt fehlte, folgte der Wechsel in den Landkreis Oberhavel, wo der Start beim OHC glückte.

Staatsexamen in physiotherapeutischer Ausbildung

Anfang 2020 verhalf Hansen der zweiten Mannschaft beim Final-Four-Turnier um den HVB-Pokal mit zahlreichen Paraden zur Titelverteidigung, nur drei Wochen danach unterschrieb das Juwel einen Zwei-Jahres-Vertrag beim Drittligisten. „In Oranienburg hatte ich den ersten Kontakt zum Männersport, auch das will ich nicht missen. Jede Station hatte was für sich, ich kann da keine herausheben“, erklärt Erik Hansen, der seine letzten Auftritte bei den „Pumas“ genießen will, ehe im Sommer der Tapetenwechsel auf dem Programm steht.

2020 verteidigte der Oranienburger HC auch dank starker Paraden von Erik Hansen den Brandenburger Landespokal.

2020 verteidigte der Oranienburger HC auch dank starker Paraden von Erik Hansen den Brandenburger Landespokal.

Die schwere Verletzung im März 2021 – Hansen riss sich den rechten Brustmuskel ab – warf ihn zurück, satte zehn Monate musste er auf Handball verzichten: „Das hab ich mit mir rumgetragen, es war keine einfache Zeit.“ Diese nutzte er aber, um seine physiotherapeutische Ausbildung an der Medizinische Bildungsakademie Neuruppin (MBN) voranzutreiben. „Ich habe geschaut, wo ich Beruf und Sport künftig am besten miteinander verbinden kann“, erklärt Hansen, „da ist die Schweiz der ideale Standort.“

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Probetrainings in Zürich und Stäfa blieben erfolglos, Pfadi Winterthur erkannte dagegen Potenzial und erteilte eine schnelle Zusage. „Ich will in meinen Zwanzigern Gas geben, so lange mein Körper den Handballsport mitmacht“, verrät Hansen, der Ende September sein Staatsexamen bestehen will und dann gen Süden zieht: „Ab 1. Oktober fange ich in Zürich in einer Praxis an zu arbeiten, das sind aus Winterthur nur etwa 15 Zugminuten. Die Vorbereitung im Sommer mache ich dann entweder mit einem privaten Trainer oder eventuell beim OHC.“

Die erste Mannschaft im Visier

Beim zehnfachen Meister, der in diesem Jahr auch im Europapokal startete und in der European League auf die Füchse Berlin traf, will sich Erik Hansen beweisen. „Ich will mir in der zweiten Mannschaft, die in der zweiten Liga spielt, einen Stammplatz erkämpfen. Ich habe nicht nur die Hoffnung, sondern auch den Plan, mich für die erste Mannschaft zu empfehlen, was dauern kann. Da muss ich ein, zwei, vielleicht sogar drei Jahre richtig was abrufen.“

Leben wird Erik Hansen vermutlich direkt in Winterthur, Zürich als größte Stadt im Nachbarland komme finanziell eher nicht in Frage. „Der Wohnungsmarkt zeigt auf Winterthur, was aber auch völlig in Ordnung ist. Dort besteht auch die Möglichkeit, meinen Bachelor und eventuell den Master zu machen“, sagt der 1,86-Meter-Recke, der am 20. Mai seinen 22. Geburtstag feiert – zum vorerst letzten Mal in Neuruppin. Denn ab dem Spätsommer startet Hansens Abenteuer in der Schweiz: bei Pfadi Winterthur.

Von Marius Böttcher

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