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Fußballkreis Havelland

Wiedergewählter Chef Lenski: „Damit hat man mehr Derbys und muss weniger fahren“

Geht es nach Hartmut Lenski (kleines Foto), spielen künftig keine Landesklasse-Teams mehr – so wie Finalist SG Michendorf (rote Trikots) – im Kreispokal gegen Kreisteams wie Viktoria Potsdam.

Geht es nach Hartmut Lenski (kleines Foto), spielen künftig keine Landesklasse-Teams mehr – so wie Finalist SG Michendorf (rote Trikots) – im Kreispokal gegen Kreisteams wie Viktoria Potsdam.

Potsdam. Nach seiner Wiederwahl am Freitagabend begab sich Hartmut Lenski auf einen Kurztrip nach Prag. Am Sonnabend schaute er sich mit einem Fußballfreund das Derby Slavia gegen Sparta (1:2) an, am Montag besuchte er das Rammstein-Konzert. Auf seiner Prag-Reise nahm sich der Vorsitzende des Fußballkreises Havelland die Zeit für ein Interview.

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Herr Lenski, hätten Sie gerne einen Gegenkandidaten gehabt?

Hartmut Lenski: Da müsste ich lügen, wenn ich ja sage. Ich mache die nächsten vier Jahre sehr gerne weiter, aber danach muss man weitersehen. Wir wollen ja nicht, dass nur noch die Opas die Medaillen auf dem Platz überreichen.

Welche Themen sind für Sie in den nächsten vier Jahren auf dem Zettel?

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Ich möchte anders anfangen: Nicht auf dem Zettel habe ich das Schiedsrichterwesen. Das ist Spitzenklasse, was da bei uns im Fußballkreis passiert. Da sind praktisch alle wieder aus der Corona-Pause zurückgekommen, das ist eine Ausnahmeerscheinung im Land.

Tobias Hagemann hört nach drei Jahren im Amt als Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses allerdings auf, wie bewerten Sie seine Arbeit?

Tobi hat eine andere Sicht auf die Welt, macht auch mal etwas Neues, er war eine sehr gute Wahl. Ich bedauere es, dass er aufhört, kann es aber nachvollziehen. Und mit Yves (Reimer, Anm. d. Red.) haben wir jetzt jemanden, der das Schiedsrichterwesen schon viele Jahre kennt und die Arbeit fortführen wird.

Was soll nicht so fortgeführt werden wie bisher?

Was Hartmut (Domagala, Vorsitzender des Spielausschusses, Anm. d. Red.) und mich umtreibt, ist das weiträumige Fußballspielen, dass man die Leute durch das halbe Land schickt, auch in der Jugend. Deshalb wollen wir die Kreisligen und Kreisklassen jetzt regionaler spielen lassen, damit hat man mehr Derbys und muss weniger fahren – was bei den aktuellen Spritpreisen ein Thema ist. Wir müssen die Zeichen der Zeit erkennen. Momentan sieht es so aus, als müssten wir da stärker drauf schauen. Die Eltern der Kinder verlieren da auch die Lust, wenn sie immer für die Spiele tanken müssen.

Das soll durch eine Spielklassenreform bei den Männern erreicht werden. Unterhalb der Kreisoberliga soll es ab 2023/24 drei Kreisligen und darunter vier Kreisklassen geben. Wie ist die Idee aufgenommen worden?

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Es ist noch nicht beschlossen, aber wir wollen es wirklich tun. Wenn man so in die Runde geschaut hat, gab es Kopfnicken, aber auch fragende Gesichter. Aber es gab zumindest keinen Shitstorm, das ist schon einmal ein gutes Zeichen. Die Leute müssen das jetzt erstmal inhalieren und in ihren Vereinen besprechen. Vielleicht kann man auch ein paar neue Mannschaften gewinnen, wenn sie nicht mehr nach Friesack und Belzig fahren müssen, sondern in ihrem Sprengel bleiben können.

Wie sieht es mit dem Frauenfußball aus, wo es immer wieder Probleme gibt, überhaupt einen Spielbetrieb zu haben?

Die Frauen brechen uns seit zehn Jahren weg. Es gibt zwar das Aushängeschild Turbine, aber drumherum wird es immer weniger. Wir müssen überlegen, wie man die Frauen und Mädchen wieder zum Fußball bekommt. Deshalb starten wir auch im Kreis mit dem FLB und dem DFB ein Pilotprojekt, um den Frauenfußball zu fördern.

Woran liegt es, dass so viele Frauen aufhören?

Wenn man das so genau wüsste, wäre es ja einfach, das Problem zu lösen. Aber vielleicht haben wir uns zu wenig gekümmert. Vielleicht müssen wir flexibler spielen lassen. Bis die Mädchen 15 Jahre alt sind, dürfen sie auch bei den Jungs mitspielen, aber erst ab 18 dann bei den Frauen. Da fehlt dazwischen aber meist eine Mannschaft. Wir jagen die jungen Spielerinnen durch diese Formalien vom Platz. Warum soll eine 15-Jährige nicht auch bei den Frauen mitspielen dürfen, wenn sie es körperlich kann? Wir brauchen eine Flexibilisierung des Frauen- und Mädchenspielbetriebs und müssen da den gesunden Menschenverstand einsetzen.

Wie haben Sie die Stimmung wahrgenommen?

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Sie war sehr einvernehmlich, so wie die ganze Zeit während der Pandemie. Als wir relativ früh anfangen wollten, dass wir wieder spielen, habe ich ständig in mein Postfach geschaut und gewartet, dass ich böse Mails bekomme. Aber es kamen genau zwei und die waren sehr konstruktiv. Wir sind im Havelland eine Fußballfamilie, die an einem Strang zieht.

Beim Kreistag wurde auch der Antrag beschlossen, dass die Landesklasse-Teams künftig im Landes- und nicht im Kreispokal starten sollen. Sie sind Vorsitzender des Fußballkreises und zugleich Mitglied im Vorstand des Landesverbands FLB, der dieses Ansinnen nicht befürwortet. Sitzen Sie zwischen den Stühlen?

Beim FLB wissen alle, dass ich ein Befürworter der Geschichte bin. Ich denke auch, dass wir beim nächsten Verbandstag im Oktober dafür eine Mehrheit zusammenbekommen. Du spielst in der Landesklasse – da kommt das Wort Land ja schon vor – und darfst nicht im Land mitspielen, das kann dir doch keiner erklären. Und wenn das nicht gewollt ist, dann muss man eben auch überlegen, ob man den Landesspielbetrieb reformieren muss. Im Land soll es um leistungsorientierten Fußball gehen – ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, aber den findest du nicht in jedem Spiel in der Landesklasse. Das muss man jetzt nicht übers Knie brechen, aber man muss schon drüber nachdenken, eben gerade vor dem Hintergrund der Energiekrise.

Es gibt immer wieder den Vorschlag, dass die höherklassigen Mannschaften einfach später einsteigen...

...nur über meine Leiche. Wenn sich die Bayern zu schade wären, gegen einen Oberligisten zu spielen, dann sollen sie von mir aus in Asien spielen. Das Gleiche gilt für unsere Regionalligisten. Wenn die sich zu schade sind, auf einem Dorfsportplatz zu spielen, dann kommt da auch bald keiner mehr hin.

Von Stephan Henke

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