Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Fußball-Bundesliga

Rückkauf der Hertha-Anteile: Vor allem zwei Aspekte des Windhorst-Angebots machen stutzig

Der Investor will von Bord: Lars Windhorst arbeitet an seinem Ausstieg bei Hertha BSC.

Der Investor will von Bord: Lars Windhorst arbeitet an seinem Ausstieg bei Hertha BSC.

Berlin. Die unendliche Horrorgeschichte zwischen Hertha BSC und Investor Lars Windhorst hat am Mittwoch ihr nächstes schauriges Kapitel erhalten und sorgt dafür, dass die Ruhe der vergangenen Wochen beim Fußball-Bundesligisten endgültig der Vergangenheit angehört. Grund dafür ist eine Stellungnahme, die Unternehmer Windhorst im Namen seiner Tennor-Gruppe in den Sozialen Medien veröffentlichte und die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Darin kündigt der 46-Jährige an, dass er seine Zusammenarbeit mit Hertha BSC beenden werde und bot dem Club seine 64,7 Prozent Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA, die er seit 2019 für ein Gesamtvolumen von 374 Millionen Euro erstanden hat, zum Rückkauf an. „Nach reiflicher Überlegung und Auswertung der letzten drei Monate stellen wir leider fest, dass es keine Basis und keine Perspektive für eine erfolgreiche wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Tennor Group und Hertha BSC geben wird“, heißt es in dem Statement.

Lesen Sie auch

Vor allem Hertha-Präsident Kay Bernstein, der Ende Juni zum neuen Clubchef gewählt wurde, kommt in dem Schreiben des Unternehmers schlecht weg: „Alle Gespräche mit dem neuen Präsidenten Kay Bernstein haben uns gezeigt, dass zwischen den Erklärungen und dem dann folgenden Verhalten des Präsidenten ein großer Unterschied besteht. Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe über wesentliche Fragen der Entwicklung von Hertha BSC.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Diese Aussagen überraschen, wenn man bedenkt, dass Windhorst am vergangenen Dienstag ursprünglich gemeinsam mit Bernstein und der Geschäftsführung von Hertha BSC an einer Pressekonferenz zum Thema „100 Tage Präsidentschaft Kay Bernstein“ teilnehmen wollte. Dann jedoch waren Details über eine mutmaßliche Schmutzkampagne Windhorsts gegen Ex-Hertha-Präsident Werner Gegenbauer öffentlich geworden. Windhorst soll im Juni 2021 ein israelisches Sicherheitsunternehmen beauftragt haben, Gegenbauer, der im Mai dieses Jahres von seinem Amt zurücktrat, auszuspionieren und durch Diskreditierungen zu stürzen.

Hertha BSC nimmt Stellung zu den Windhorst-Vorwürfen

Hertha sagte die gemeinsame Presserunde von Windhorst und der Clubführung ab, schaltete eine externe Kanzlei zur Prüfung der Vorwürfe ein und forderte den Unternehmer zu einer schriftlichen Stellungnahme auf. Wie Hertha am Mittwochabend in einer Stellungnahme mitteilte, sei diese am Montag eingegangen und enthielt seitens Tennor den Wunsch nach einem persönlichen Treffen mit Bernstein und Aufsichtsratschef Klaus Brüggemann. „Diesem Wunsch sind die Beteiligten am Mittwochmorgen in einem einstündigen Gespräch nachgekommen. Zudem wurde ein weiteres Treffen für den kommenden Montag vereinbart“, hieß es von Hertha-Seite.

Windhorsts Stellungnahme entspreche nicht dem Verabredeten, zudem seien die darin erhobenen Vorwürfe „unzutreffend“. Mit Bernsteins Amtsübernahme habe es einen regelmäßigen Termin zur Abstimmung von Strategie und Themen gegeben, welcher seit Juni zweimal stattfand und diese Woche ein weiteres Mal hätte stattfinden sollen. Auch habe sich gegenüber Windhorst kein Vertreter des Vereins vorverurteilend in der Öffentlichkeit geäußert.

Das sieht der Investor anders – oder will es anders sehen: „Statt gemeinsam mit uns an der Aufklärung zu arbeiten, hat Präsident Bernstein entschieden, sich ohne Prüfung der Beweislage den Vorverurteilungen anzuschließen“, schilderte Windhorst das Vorgehen aus seiner Sicht. Der Präsident habe in einem Gespräch mit ihm als Ziel seiner Aktivitäten „den Break mit Tennor“ genannt, so Windhorst.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Fans von Hertha BSC sendeten im Spiel gegen Hoffenheim eine klare Botschaft an Investor und Club.

Die Fans von Hertha BSC sendeten im Spiel gegen Hoffenheim eine klare Botschaft an Investor und Club.

Nun also bietet er die Hertha-Anteile von Tennor „zum damaligen Kaufpreis“ von 374 Millionen Euro zum Rückkauf an. Ein Angebot, das in zweierlei Hinsicht stutzig macht. Einerseits ist es eine Summe, die der Bundesligaclub gar nicht ohne Hilfe eines neuen Investors aufbringen könnte. Das muss auch Windhorst wissen. Und es ist ein Preis, den die Anteile nach den sportlichen, wirtschaftlichen und gesamtpolitischen Entwicklungen der vergangenen drei Jahre nicht mehr wert sind – vielleicht niemals waren. Dass Windhorst diese Summe ins Spiel bringt, darf also bereits als erstes Manöver in einem Poker um viel Geld verstanden werden.

Hertha scheint dennoch an einem Windhorst-Verkauf interessiert und bietet seine Hilfe an: „Hertha BSC bietet Tennor die Unterstützung bei der Käufersuche in einem geordneten Investorenprozess im besten Interesse von Hertha BSC und Tennors Investoren und Gläubigern an.“ Nur das wäre wirklich das Ende der unendlichen Horrorgeschichte.

Mehr aus Lokalsport

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken