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Fußball-Oberliga Nord

Hinze verlängert vorzeitig: „Bin niemand, der sich mit Stillstand zufrieden gibt“

Gibt beim Fußball-Oberligisten RSV Eintracht auch in Zukunft die Richtung vor: Patrick Hinze.

Gibt beim Fußball-Oberligisten RSV Eintracht auch in Zukunft die Richtung vor: Patrick Hinze.

Stahnsdorf. Mit der zurückliegenden Saison und Platz zehn in der ersten fast kompletten Oberligaspielzeit (fünf Spieltage wurden aufgrund der coronabedingten Unterbrechung gestrichen) in der Vereinsgeschichte des RSV Eintracht 1949 zeigt sich Patrick Hinze nicht wirklich zufrieden. Seit seiner Rückkehr an die Heinrich-Zille-Straße im Jahr 2017 hat der Inhaber der Trainer-A-Lizenz bei den Fußballern aus Stahnsdorf das Sagen und zwei Aufstiege gefeiert. Trotz Angeboten anderer Vereine hat der 36-Jährige seinen Vertrag beim RSV jetzt vorzeitig um zwei Jahre bis 2025 verlängert. Im Interview mit der Märkischen Allgemeinen spricht er über die Ziele für die neue Saison, Probleme der vergangenen Monaten und die Bedeutung der richtigen Mentalität bei seinem Team.

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Sie gelten als sehr ehrgeiziger Trainertyp und streben immer nach dem Maximum. Wie sehr litt Ihre Stimmung unter der mäßigen Saisonendphase mit nur zwei Siegen aus elf Spielen?

Patrick Hinze: Ich habe den Jungs nach der Saison schon klar gesagt, dass das hier mein schwerstes Jahr als Männertrainer war. Das hat aber nichts mit der Tabellenposition an sich zu tun.

Sondern?

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Wir hatten uns seit Beginn unserer Reise im Jahr 2017 viele Automatismen erarbeitet und Standards für uns festgelegt, die die Jungs super umgesetzt und zum Teil schon im Nachwuchs kennengelernt haben.

Die für Zugänge von anderen Vereinen aber schwerer zu verinnerlichen sind als für Eigengewächse?

Die neuen Jungs kannten diese für uns selbstverständlichen Dinge eben nicht und da mussten wir als Trainerteam viel nachsteuern – das hat viel Kraft gekostet. Mit dem einen oder anderen Neuzugang hat es dann am Ende nicht so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben. Das weiß man vorher aber nie sicher und wir haben daraus unsere Konsequenzen gezogen.

Dementsprechend mussten Sie lange überlegen, das Angebot des Vereins zur vorzeitigen Vertragsverlängerung anzunehmen?

Nein. Es geht immer darum, was man noch zusammen erreichen will. Dafür haben wir uns mit den Entscheidungsträgern zusammengesetzt und geguckt, ob wir mit dem aktuellen Stand zufrieden sind oder den nächsten Schritt gehen wollen. Ich bin niemand, der sich mit Stillstand zufrieden gibt und sich immer verbessern will.

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Das heißt, dass in der nächsten Saison die Regionalliga ins Visier genommen werden soll?

Das heißt, sich sportlich und infrastrukturell weiterzuentwickeln. Wir haben jetzt zum Beispiel die Genehmigung für den Bau einer Tribüne bekommen, wollen unsere Heimspiele in einer reizvollen Region in der Nähe zu Berlin noch attraktiver gestalten. Sportlich bin ich zudem davon überzeugt, dass mehr als Platz zehn zuletzt drin ist. Wir wollen die Entwicklung der vergangenen Jahre gemeinsam weiter vorantreiben. Darauf habe ich richtig Bock. Halbe Sachen sind nichts für mich, daher greifen wir in der neuen Saison wieder an und wollen die Grundlage dafür legen, vielleicht in zwei, drei Jahren an die Tür zur Regionalliga anklopfen zu können.

Der diesjährige Oberliga-Nord-Meister Greifswalder FC geht mit einem Etat von 1,7 Millionen Euro in die Regionalliga-Saison 2022/23 und holte zuletzt Tom Weilandt vom VfL Bochum. Schaut man da als Trainer schon mal neidisch hin?

Das sind andere Welten, darüber müssen wir uns nicht unterhalten. Finanziell spielte Greifswald schon in dieser Saison in einer anderen Liga – sportlich hingegen nicht. In einer Oberliga-Saison auf sportlich mäßigem Niveau haben sie sich am Ende behauptet und sind somit auch verdient aufgestiegen. Vereine wie Lichtenberg 47 oder Tennis Borussia Berlin haben in der Vergangenheit aber bewiesen, dass es für die Regionalliga nicht unbedingt riesige Etats braucht. Diesen Weg müssen wir vernünftig gehen: Aus unseren Mitteln das Maximale rausholen.

Mit Anthony Roczen konnten Sie einen Spieler von Drittligist Waldhof Mannheim zur Eintracht locken. Mit welchen Argumenten, wenn es nicht das große Geld war?

Er will bei uns auf ordentlichem Niveau den Spaß am Fußball zurückfinden, der ihm im Profibereich zuletzt verloren ging. Der Kontakt kam über Ex-Profi Maik Franz zustande. Er wohnt ja in Kleinmachnow und kennt Anthony aus gemeinsamen Zeiten beim 1. FC Magdeburg.

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Und weiß die guten Bedingungen auf der Anlage an der Heinrich-Zille-Straße ebenfalls zu schätzen?

Er kennt unsere Anlage. Ein schöner Rasenplatz. Ein neuer Kraftraum. Beste medizinische Versorgung. Das sind Punkte, mit denen wir punkten können und wollen. Wir brauchen Spieler, die Bock auf die Aufgabe haben und nicht auf die Höhe ihrer Entschädigung gucken.

Am 9. Juli starten Sie mit Ihrem Team in die Vorbereitung. Welche Zielstellung geben Sie aus?

Wir wollen die Grundlage für eine möglichst erfolgreiche Saison legen und werden dafür hart arbeiten. Alles andere wird sich zeigen.

Neben Roczen haben Sie Dennis Paul, zuvor bei der SG Großziethen, Saheed Mustapha vom Brandenburger SC Süd 05, Timo Habel aus der U19 von Viktoria Berlin und Benedikt Kahl vom SV Babelsberg 03 II als Neuzugänge vermeldet. Sind die Personalplanungen damit abgeschlossen?

Sind sie. Hinzu kommt Philipp Vogel aus unserer eigenen A-Jugend, der schon in der vergangenen Saison erste Erfahrungen bei uns sammeln konnte.

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In seinem ersten Männerjahr wusste Laurenz Markula zu überzeugen. Hätten Sie ihm diese Rolle in jungen Jahren schon zugetraut?

Er hat das überragend gemacht. Er hat sich, ohne zu murren, über unsere U23 empfohlen und seine Chance genutzt, als sie sich geboten hat. Solche Fälle sind die, warum das Trainersein so unfassbar viel Spaß macht und sich der ganze Aufwand lohnt.

Und warum Sie trotz anderer Angebote der Eintracht weiter die Treue halten?

Es ist kein Geheimnis, dass es durchaus Interesse anderer Vereine gab. Wenn das der Fall ist, besprechen wir das intern ganz offen und ehrlich – das gehört sich so. Man weiß im Fußball nie, was die Zukunft bringt. In der Gegenwart heißt es jetzt aber nur, gemeinsam das vorhandene Potenzial bei der Eintracht so gut wie möglich zu nutzen. Ich bin dazu bereit.

Von Mirko Jablonowski

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