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Läuferzehnkampf in Potsdam

Vier Tage, zehn Disziplinen, 22.060 Meter – und viele Qualen

Am Morgen wird immer gesprintet.

Am Morgen wird immer gesprintet.

Potsdam. Sven Balmer will ehrlich sein. „Am Ende hat man schon fast keine Lust mehr”, sagt der Leichtathletik-Abteilungsleiter des OSC Potsdam. „Da ist man bereits völlig erschöpft und dann kommen noch diese zehn Kilometer. Aber man zieht durch, weil es eben etwas Besonderes ist, wenn man es geschafft hat.” Balmer spricht vom internationalen Läuferzehnkampf, einer Viertagesveranstaltung, bei der die Aktiven zehn verschiedene Laufdisziplinen auf der Tartanbahn über insgesamt 22 060 Meter absolvieren. „Ein riesiges Erlebnis”, sagt der 58-Jährige. Er steht vor seiner zwölften Teilnahme. Am Donnerstag geht es wieder los – und zwar in Potsdam.

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Ausweichen ins Nebenstadion

Ausrichter ist der Potsdamer Laufclub (PLC), der 2005 schon einmal Gastgeber war. Bereits vor einigen Jahren sei die Idee gereift, erneut den Läuferzehnkampf daheim durchzuführen, sagt der PLC-Vorsitzende Marco Riege. „Wir wollten es eigentlich wie damals im Stadion Luftschiffhafen machen, weil das der perfekte Ort hier ist.” Aber da sich die Sanierung dieser Sportstätte noch hinzieht, wohl erst Ende 2023 abgeschlossen sein soll, „wollten wir nicht mehr so lange warten. Daher gehen wir halt ins Nebenstadion”, erklärt Riege. Die Anlage bietet mit ihrer Nähe zum Templiner-See-Ufer auch ein schönes Ambiente.

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86 Meldungen liegen für den Zehnkampf vor, zudem drei für den Jugend-Sechskampf und zwei für Einzeldisziplinen. Die Teilnehmenden kommen aus 50 Vereinen in Deutschland (64 Aktive), den Niederlanden (15), Frankreich (5), Tschechien (4), der Schweiz (2) und Großbritannien (1). Die Region Potsdam und andere Teile Brandenburgs sind zahlreich vertreten.

„Das ist extrem anspruchsvoll und anstrengend”

Den Läuferzehnkampf erdacht hat der Wiener Berufschullehrer Wilhelm Fischer. 1982 fand die erste Auflage statt, seit 1990 ist der Wettkampf international ausgeschrieben und ein Jahr später war mit Berlins Jahn-Sportpark erstmals nicht Wien der Austragungsort. Inzwischen waren auch schon Tschechien, Frankreich und die Niederlande Gastgeber. Das Event findet immer vom Christi-Himmelfahrt-Donnerstag bis zum Sonntag danach statt. An den ersten drei Tagen sind jeweils drei Strecken zu bewältigen: Morgens ein Sprint (60 – 100 – 200 Meter), mittags eine Langdistanz (1500 – 3000 – 5000 Meter) und am Abend geht es über eine Mittelstrecke (400 – 800 – 1000 Meter). An Tag vier folgt der krönende Abschluss: 10 000 Meter.

Marco Riege ist der Vorsitzende des Potsdamer Laufclubs – der PLC ist Ausrichter des Zehnkampfs.

Marco Riege ist der Vorsitzende des Potsdamer Laufclubs – der PLC ist Ausrichter des Zehnkampfs.

„Das ist extrem anspruchsvoll und anstrengend”, sagt Riege. 2015 im thüringischen Sömmerda hat er einmal mitgemacht. „Am ersten Tag denkt du, das geht noch. Aber schon am zweiten Morgen merkt man, dass es weh tut – und das steigert sich dann weiter”, erinnert er sich. „Über die 10 000 schleppst du dich dann nur noch irgendwie ins Ziel.” Die erbrachten Zeiten werden in Punkte umgerechnet, wodurch sich das Gesamtresultat ergibt.

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Faszination Vielseitigkeit

Die große Vielseitigkeit, die gefordert wird, sei das Faszinierende, sagt Balmer. Zweimal hat er bereits in seiner Altersklasse gewonnen, hinzu kommen drei weitere Podestplätze. Wichtiger als die Ergebnisse seien aber die Erfahrungen. „Die Stimmung ist so außergewöhnlich, so herzlich“, sagt er. Der Läuferzehnkampf sei eine eigene Szene, viele sind immer wieder dabei, manche schon mehr als 20-mal.

Auch Riege schwärmt vom „tollen Feeling“ und sagt: „Alle laufen für sich, aber letztlich geht es darum, etwas gemeinsam zu schaffen. Und dadurch, dass man die Tage komplett zusammen auf der Sportanlage verbringt, ist das alles sehr familiär.“ Insgesamt rund 80 Mitglieder seines PLC werden bei der Organisation der Veranstaltung helfen – damit die Läuferinnen und Läufer ihre Qualen auch schön genießen können.

Von Tobias Gutsche

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