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Landesklasse Ost

Marcel Ciecelski: „Ich wurde ins kalte Wasser geworfen“

Marcel Ciecelski, der Coach des MTV Wünsdorf, der sich im Aufwärtstrend befindet.

Marcel Ciecelski, der Coach des MTV Wünsdorf, der sich im Aufwärtstrend befindet.

Wünsdorf. Marcel Ciecelski ist seit dem Winter 2020/21 Trainer des MTV Wünsdorf. Seit der vergangenen Winterpause befindet sich das Team in der Fußball-Landesklasse Ost im Aufwärtstrend. Nach dem 3:2-Sieg im Nachholspiel am Mittwoch zu Hause gegen den FSV Eintracht Königs Wusterhausen ist der MTV auf Tabellenrang sieben geklettert – die beste Platzierung seit langer Zeit. Im Interview spricht der 38-Jährige Medientechnologe, der als Ausbilder bei einem Verpackungsunternehmen in Trebbin arbeitet, über seine Ziele als Coach und Halbzeitanalysen von Patrick Hinze.

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Herr Ciecelski, Ihr Team hat bereits jetzt genauso viele Punkte erkämpft wie in den ersten zwölf Spielen der vergangenen Spielzeit. Die Leistungskurve des MTV ist seit der vergangenen Winterpause steil angestiegen. Was ist passiert?

Marcel Ciecelski: So würde ich das gar nicht sagen, dass die Leistungskurve so stark angestiegen ist.

Wie würden Sie es dann bezeichnen?

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Wir haben auch vorher hervorragende Leistungen auf den Platz gebracht, die Ergebnisse haben nur selten dazu gepasst. Wir haben seitdem erfolgreicher gespielt – ich würde deshalb sagen, dass die Ergebniskurve stark angestiegen ist. Wir haben uns in der Winterpause zusammengesetzt, die Situation analysiert und ein paar Dinge geändert. Das waren offenbar die richtigen Maßnahmen, denn von da an haben wir kontinuierlich gepunktet.

„Wir haben Ballbesitz abgegben“

Was waren das für Veränderungen?

Taktisch gesehen war es so, dass wir weniger dominant gespielt haben. Wir haben den Gegner auch mal machen lassen, um es in der Fußballsprache zu sagen. Wir haben Ballbesitz abgegeben und dadurch mehr Räume bekommen, die wir zu einer ganzen Reihe von Kontertoren nutzen konnten. Ein ganz wichtiger Punkt war die Cleverness, an der wir gearbeitet haben, um auch beispielsweise eine Führung zu verteidigen. Es hat aber alles nur funktioniert, weil die Mannschaft daran geglaubt, das Konzept umgesetzt und sehr viel Mentalität an den Tag gelegt hat.

So wie gegen den FSV Eintracht Königs Wusterhausen, als das Team am Mittwochabend eine bemerkenswerte Reaktion gezeigt hat und das Spiel nach einem 0:2-Rückstand noch in der ersten Halbzeit in eine 3:2-Führung drehen konnte.

Ja. Man muss sagen, dass der FSV mit einer stark ersatzgeschwächten Mannschaft angetreten ist und wir auch nicht mit 0:2 in Rückstand geraten dürfen, aber die Spieler haben wieder einmal viel Charakter gezeigt. Das ist aus meiner Sicht als Coach sehr wichtig, der Mannschaft Widerstandsfähigkeit zu verleihen. Das ist für mich als Trainer auch die vielleicht größte Herausforderung, dass wir als Gruppe auftreten. Mentalität geht über Qualität, davon bin ich fest überzeugt.

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Vor der Winterpause 2020 kam die Anfrage wegen eines Interimseinsatzes

War es Ihr Ziel, nach der aktiven Laufbahn als Trainer zu arbeiten?

Nein, ich habe darauf nicht hingearbeitet. Vor der Winterpause 2020 kam man auf mich zu, ob ich nicht als Interimstrainer ein bis zwei Spiele leiten würde. Danach kam die Anfrage, ob ich dieses Amt auch länger übernehmen würde und im vergangenen Sommer haben wir verlängert. Ich habe schnell Gefallen an der Aufgabe gefunden.

Haben Sie eine Trainerlizenz?

Nein, weil ich ins kalte Wasser geworfen wurde, war dazu keine Zeit. Ich hatte aber das Glück, dass ich beispielsweise mit Markus Wolf einen hervorragenden Trainer hatte, von dem man sich natürlich das eine oder andere abgeguckt hat. Auch das Jahr beim RSV Eintracht, wo ich in der Kreisliga-Mannschaft mit Patrick Hinze, der ein geiler Typ und erstklassiger Trainer ist, zusammengespielt habe, hat mir viel gegeben. Es hat nicht nur verdammt viel Spaß gemacht, mit ihm in der dritten Mannschaft auf dem Platz zu stehen – seine Halbzeitanalysen beispielsweise waren fachlich immer genau auf den Punkt, da habe ich einiges mitgenommen. Auch meine berufliche Qualifikation zum Ausbilder hat mir sehr geholfen.

War es schwierig, die Seiten zu wechseln? Sie haben ja selber als Aktiver mit vielen Ihrer Spieler auf dem Platz gestanden?

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Ich glaube, dass es sogar gut ist, wenn man die Spieler kennt. Wenn man sich als Spieler Respekt erarbeitet hat, dann nimmt man den ja mit auf die Trainerposition. Die Spieler wissen, dass ich auf dem Platz gebrannt habe, und an der Seitenlinie sieht das nicht anders aus. Und was Autorität betrifft: Es müssen ohnehin Argumente sein, die überzeugen, nicht die Kraft eines Amtes. So viel anders war die Rolle auch gar nicht, ich war auch als Spieler in Wünsdorf viele Jahre der verlängerte Arm des Trainers und in der Verantwortung, die Mannschaft auf dem Platz zu führen. Das funktioniert in dieser Konstellation ganz gut bei uns, auch weil wir wie eine kleine Familie sind – im doppelten Sinne: Wir haben einen kleinen Kader, das ist Segen und Fluch.

Inwiefern?

Mit einem kleinen Kader kann man besser arbeiten, aber es gibt natürlich immer mal wieder personelle Engpässe. Das ist im Grunde die größte Schwierigkeit, unseren kleinen Kader verletzungsfrei zu halten und die Belastung richtig zu dosieren.

Wohin soll der Weg des MTV 1910 führen?

Grundsätzlich denke ich, ist die Landesklasse für uns als Verein das Maximum. Wenn wir diese Liga halten, ist das schon ein Riesenerfolg. Wir haben diese Chance genutzt und uns stabilisiert, diesen Prozess wollen wir fortsetzen. Für uns muss es das Ziel sein, gute Leistungen abzuliefern und uns zu etablieren, sodass wir nicht jedes Jahr gegen den Abstieg spielen. Wenn uns das gelingt, bin ich zufrieden.

„Am Sonnabend geht es 7.30 Uhr ins Bett, dann stehe ich gegen 11 Uhr auf und fahre zum Spiel nach Wiesenau“

Wohin soll Ihr Weg als Trainer führen?

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Da habe ich keine konkreten Ambitionen. Ich versuche, mein Bestes zu geben, wie schon als Spieler. Ich habe dem Verein und der Mannschaft, die ich beide sehr ins Herz geschlossen habe, sehr gerne geholfen und das möchte ich auch weiter tun und mithelfen, den MTV in der Landesklasse zu etablieren. Ich habe schon als kleiner Junge direkt hinter dem Sportplatz gewohnt, das war für mich der beste Abenteuerspielplatz.

Sie arbeiten im Schichtbetrieb. Wie schaffen Sie es, Job, Familie und Fußball zu koordinieren?

Das ist schon manchmal recht sportlich. Am Mittwochabend bin ich nach dem Spiel zur Arbeit gefahren und am Sonnabend geht es 7.30 Uhr ins Bett, dann stehe ich gegen 11 Uhr auf und fahre zum Spiel nach Wiesenau und danach geht es wieder zur Nachtschicht. Aber die Leidenschaft zum Fußball macht vieles möglich. Ich bin sehr froh, dass man mir auf der Arbeit auch mal entgegenkommt, was Termine betrifft, und das meine Freundin mich bei meinem Hobby unterstützt. Das ist ein großes Privileg und nicht selbstverständlich, ich weiß das sehr zu schätzen.

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