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Handball-Bundesliga

Kampfgericht Balz/Sabath: Kühle Köpfe in der Leitzentrale

In Ludwigsfelde zu Hause, in den großen Handball-Arenen daheim: André Sabath-Pietschner (r.) und Mario Balz vom LHC.

In Ludwigsfelde zu Hause, in den großen Handball-Arenen daheim: André Sabath-Pietschner (r.) und Mario Balz vom LHC.

Ludwigsfelde. Der erste Sonnabend im September ist dick im Kalender markiert, dann sind wieder ein kühler Kopf und eine Menge Akribie gefragt bei André Sabath-Pietschner und Mario Balz, wenn die Stimmung in der MBS-Arena hochkocht. „Wir haben unseren ersten Einsatz in der neuen Saison beim Zweitliga-Spiel VfL Potsdam gegen die SG BBM Bietigheim“, sagt der 49 Jahre alte Balz, „klar freuen wir uns darauf, jedes Spiel ist etwas Besonderes und eine neue Herausforderung.“ Eine enorme Herausforderung sogar: Auf der großen Handballbühne sind die beiden Ludwigsfelder als Kampfgericht mit der offiziellen Bezeichnung „Zeitnehmer/Sekretär“ am Rande des Spielfeldes dafür verantwortlich, dass eine Partie reibungslos ablaufen kann.

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Eine Woche später steht dann das Erstligaduell zwischen den Füchsen Berlin und dem TVB Stuttgart auf dem Spielplan. In der tosenden Max-Schmeling-Halle wird alles noch einmal eine Nummer größer sein, lauter, aufregender. „Das ist natürlich noch einmal eine andere Dimension, wenn tausende von Zuschauern für einen hohen Geräuschpegel in solch einem Handball-Tempel sorgen“, sagt Balz, „jede Halle hat ihre eigenen Besonderheiten, auf die man sich einstellen muss.“ Inzwischen spielt eine Menge Routine mit – seit 2010 gehört das Duo zum Bundesliga-Kader, seit 2017 sitzen Sabath-Pietschner und Balz sogar bei internationalen Partien an der Seitenlinie. Bei der Weltmeisterschaft 2019, die in Dänemark und Deutschland ausgetragen wurde, sorgten die beiden bei den Partien der DHB-Auswahl gegen Frankreich und Brasilien für einen reibungslosen Ablauf. Höher hinaus kann es kaum gehen für ein Schiedsgericht.

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Der Lohn der Mühe? Eine reizvolle Aufgabe für die beiden Handballfans, die ein wichtiger Teil des Spieles sind und tiefe Einblicke in die Handballwelt bekommen. „Die finanzielle Aufwandsentschädigung ist minimal“, sagt Balz, der beruflich als Kfz-Meister tätig ist. „Der Aufwand ist sehr groß und wir investieren viel Freizeit. Wegen des Geldes macht man das nicht. Wir haben dafür sehr viele schöne Erlebnisse, sind hautnah dabei und lernen beispielsweise viele Menschen und viele Hallen kennen.“

Begonnen hat alles beim Heimatverein Ludwigsfelder HC

Sehr gründlich sogar: Zwei Stunden vor dem Anpfiff beginnt in der Arena der Technik-Check. „Wir überprüfen natürlich die Uhren in der Halle und lassen zur Probe alle Systeme durchlaufen“, sagt der 43 Jahre alte Sabath-Pietschner, der als Landschafts-Architekt arbeitet, „zu unseren Aufgaben gehört unter anderem auch, den Live-Ticker zu bedienen, das muss natürlich alles funktionieren.“ Und: Die Zeit wird verwaltet, im Handball ein besonders kostbares Gut, oft entscheiden am Ende Sekundenbruchteile über Sieg und Niederlage. Dazu wird die umfangreiche Statistik geführt, mit der eine Partie in Zahlen und Bilanzen zerlegt wird. Wenn der Ball fliegt, müssen Sabath-Pietschner und Balz als Leitzentrale genauso fehlerlos arbeiten wie eine Stoppuhr.

Begonnen hat alles bei ihrem Heimatverein Ludwigsfelder HC, dem beide bis heute treu geblieben sind – zunächst als Spieler und später als Unparteiische. Seit 2009 bilden Sabath-Pietschner und Balz ein Gespann, das sich auf die Aufgabe als Schiedsgericht konzentriert und die Pfeife zur Seite gelegt hat. Nach zwei Jahren in der Regionalliga, damals noch die dritthöchste nationale Spielklasse, folgte schnell der nächste Karriereschritt – die Berufung in den Kreis der Bundesliga-Sekretäre.

Das erste Spiel in der Bundesliga? „Das weiß ich gar nicht mehr genau“, berichtet Balz, „da wir uns selber nicht zu wichtig nehmen, haben wir auch keine Statistik über unsere Einsätze geführt und können nicht mehr genau sagen, welches das erste Spiel war. Es war definitiv aber in der Schmeling-Halle bei den Füchsen vor ziemlich vielen Zuschauern.“

Demnächst sind Balz/Sabath beim 1. VfL Potsdam gegen Bietigheim im Einsatz

Da sei man schon angespannt, aufgeregt und etwas nervös gewesen. „Wir waren uns aber immer bewusst, als Team gut zusammenzuarbeiten und uns aufeinander verlassen zu können und damit auch stressige und spannende Spielsituationen gut meistern zu können“, sagt Balz, „das hilft natürlich, solch eine Bewährungsprobe zu bestehen.“

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Ende August beginnt eine Art Aufwärmprogramm für Sabath-Pietschner und Balz, in den Tagen vor der Partie in Potsdam laufen schon die Vorbereitung auf das Zweitligaduell in der Landeshauptstadt. „Man studiert unter anderem die Namen der Spieler, damit man damit schon vertraut ist“, sagt Balz. Damit alles reibungslos läuft, wenn auf dem Spielfeld die Emotionen hochkochen.

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