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Leichtathletik

Moritz Bartko: Tartanbahn statt Holzoval

Der Goldmedaille entgegen: Moritz Bartko (l.) stürmte im 110-Meter-Hürden-Sprint der Altersklasse MJU18 als Erster über die Ziellinie.

Der Goldmedaille entgegen: Moritz Bartko (l.) stürmte im 110-Meter-Hürden-Sprint der Altersklasse MJU18 als Erster über die Ziellinie.

Ludwigsfelde. An der vierten Hürde wurde es für Moritz Bartko knifflig auf der blauen Laufbahn, die mit Hindernissen verstellt war: Sein Fuß touchierte das Sportgerät, für Sekundenbruchteile rückte der Sieg in weite Ferne. Bartko fing sich aber und erreichte nach 15,84 Sekunden als Erster die Ziellinie im Ludwigsfelder Waldstadion. „Als ich die Hürde berührte, ist mir der Gedanke durch den Kopf geschossen: Das wird schwierig. Die Freude war natürlich riesig, dass es trotzdem geklappt hat. Auch weil ich hier im Waldstadion meine ersten Schritte als Leichtathlet gemacht habe.“

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Inzwischen sind aus den ersten kleineren Schritten deutlich größere Schritte geworden: Der 16-Jährige sorgte mit dem Gewinn des Landesmeistertitels (Altersklasse MJU18) für einen Erfolg des SC Potsdam aber auch für Anerkennung seines Heimatvereins, die Ludwigsfelder Leichtathleten, die am Sonnabend und Sonntag die Berlin-Brandenburgischen Titelkämpfe der Altersklassen U16 bis U20 und im Bahngehen der Senioren ausgerichtet hatten. Bartko, der außerdem im Weitsprung mit 6,22 Meter eine persönliche Bestleistung und als bester Brandenburger einen starken sechsten Platz erkämpfte, trainiert seit 2018 als Zehnkämpfer an der Sportschule in der Landeshauptstadt und startet für den SC Potsdam, seine Laufbahn aber hatte er beim LLV begonnen.

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Radstar Robert Bartko gewann bei den Olympischen Spielen in Sydney zwei Goldmedaillen

Mit ihm übt die nächste Generation der Sportfamilie Bartko, die sich seit Langem im Ludwigsfelder Ortsteil Jütchendorf niedergelassen hat, an einer märkischen Kaderschmiede: Mutter Peggy (400 und 800 Meter) hatte ebenso an der Sportschule trainiert wie sein Vater, der Radstar Robert Bartko, der unter anderem bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney zwei Goldmedaillen (Einerverfolgung, Mannschaftsverfolgung) gewann und bei Sechstagerennen diverse Siege erkämpfte. Sein Sohn hat sich für die Tartanbahn statt des Holzovals mit den Steilwänden entschieden, für Spikes statt des Rennrades.

„Moritz hat auch andere Sportarten ausprobiert, unter anderem hat er Fußball gespielt, aber die Leichtathletik hat ihn am meisten begeistert. Er hat sich immer gewünscht, an die Sportschule zu gehen“, sagt Peggy Bartko, „wir müssen keinen Druck ausüben. Moritz hat eine hohe Eigenmotivation für seinen Sport.“ Die Eltern hatten sich am Sportforum in Berlin kennengelernt.

Für Moritz Bartko, der eine Laufbahn als Zehnkämpfer anvisiert, nimmt die Karriere in diesen Tagen Fahrt auf: Vor zehn Tagen absolvierte er in Halle/Saale den ersten Decathlon-Wettkampf überhaupt. Die Bilanz: 5857 Punkte und eine bestandene Feuertaufe. „Es gibt natürlich noch Luft nach oben“, sagt er, „aber für den ersten Wettkampf war das eine solide Leistung. Ich war froh, ohne Verletzung gut durchgekommen zu sein“, sagt der Schüler der zehnten Klasse, der täglich den Spagat zwischen Schule, Leistungssport und jugendlichen Freizeitinteressen meistern muss. „Die Freizeit ist natürlich sehr begrenzt, aber ich habe mich bewusst dafür entschieden und mir macht mein Sport Spaß. Es ist deshalb nicht so schwierig, diszipliniert zu sein“, sagt er, „manchmal sehe ich Videos von Freunden, die etwas anderes machen. Ich wäre manchmal gerne dabei, aber wirklich schlimm ist es nicht.“ Neun Trainingseinheiten stehen in einer normalen Woche auf dem Programm, am Wochenende dann Wettkämpfe im Trikot des SC Potsdam.

Frederick Weigel verbessert im Waldstadion den deutschen U18-Rekord über 5000-Meter-Bahngehen

So wie im Waldstadion – in der Arena hatte ein Club-Kamerad von Bartko für die Spitzenleistung des vergangenen Wochenendes gesorgt: Frederick Weigel verbesserte den deutschen U18-Rekord über 5000-Meter-Bahngehen auf 20:06,70 Minuten.

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Insgesamt waren rund 500 Aktive aus 23 Berliner und 28 Brandenburger Vereinen an den Start gegangen. Für den LLV um Vereinschef Uwe Manker eine echte Herausforderung, die mit Bravour gemeistert wurde.

Die Starter aus dem Landkreis Teltow-Fläming konnten weitere Titel und Medaillen erkämpfen: Julina Arndt vom SC Trebbin wurde mit 11,12 Metern Landesmeisterin im Kugelstoßen und erkämpfte im Diskuswerfen mit 22,67 Meterm eine Silberplakette. Eric Schmidt aus Trebbin hatte den Hochsprung in der MU20 gewonnen (1,90 Meter). Die Starter aus dem Landkreis Teltow-Fläming erkämpften weitere gute Ergebnisse (siehe Infokasten).

Und es glänzte eben Moritz Bartko. Sind die Erfolge des Vaters für ihn Last oder Inspiration? „Teils teils. Die Erfolge spornen mich an, aber wenn andere Leute eine große Erwartungshaltung haben, dann ist das für mich irrelevant“, sagt Moritz Bartko, „mein Traum wäre es wie bei jedem Sportler, mal bei den Olympischen Spielen zu starten. In dieser Saison will ich die Deutschen Meisterschaften im Zehnkampf absolvieren und in Einzeldisziplinen an den Start gehen. In den kommenden Jahren würde ich gerne bei internationalen Wettkämpfen antreten.“

Von Lars Sittig und Hans-Jürgen Burow

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