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NOFV-Oberliga Nord

Geschasster MSV-Trainer Henry Bloch: „Mannschaft stand immer hinter mir“

Vor der Saison 2017/18 trat Henry Bloch das Traineramt beim MSV Neuruppin an. Die Fontanestädter führte der A-Lizenz-Inhaber nicht nur zweimal ins Landespokal-Halbfinale, sondern auch in die Oberliga.

Vor der Saison 2017/18 trat Henry Bloch das Traineramt beim MSV Neuruppin an. Die Fontanestädter führte der A-Lizenz-Inhaber nicht nur zweimal ins Landespokal-Halbfinale, sondern auch in die Oberliga.

Neuruppin.Die Nachricht am Mittwoch war ein Paukenschlag: Mit sofortiger Wirkung hat der MSV Neuruppin seinen Aufstiegstrainer Henry Bloch von seinen Aufgaben entbunden. Auch Co-Trainer Christoph Sperberg musste gehen, man wolle im Abstiegskampf der NOFV-Fußball-Oberliga Nord noch einmal neue Impulse setzen, heißt es vom Verein. Über die für ihn selbst überraschende Trennung, Rückschläge statt Euphorie nach dem Aufstieg, Sohn Hugo und die eigene sportliche Zukunft spricht Henry Bloch im MAZ-Interview. Außerdem verrät der 48-jährige A-Lizenz-Inhaber, ob er daran glaubt, dass der MSV Neuruppin den Ligaverbleib schafft.

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Herr Bloch, gibt es im Fußballgeschäft noch Dankbarkeit?

Henry Bloch: Nein, das sowieso nicht. Wenn man irgendwo anfängt, dann geht es auch irgendwann zu Ende – damit muss man rechnen. Ich bin bei mir selbst geblieben, war stets authentisch und bin laut Aussage vieler Spieler auch ein guter Trainer. Dies von Jungs zu hören, mit denen man mehrfach die Woche zusammenarbeitet, ist eigentlich der entscheidende Indikator. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich nicht der Richtige sei. Aber Personen, die keinen oder nur sehr wenig Einblick haben, maßen sich an, eine Entscheidung zu treffen. Die Mannschaft stand immer hinter mir, das ist am wichtigsten – denn ich habe für sie gearbeitet, nicht für einzelne Personen oder den Vorstand.

Am Mittwoch wurden Sie von Ihren Aufgaben als MSV-Trainer entbunden. Haben Sie das geahnt?

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Nicht wirklich. Am Sonntag, vor dem Punktspiel gegen Neustrelitz (0:2, Anm.d.Red), saßen wir als Trainerteam ja sogar noch zwei Stunden mit der sportlichen Führung zusammen und haben über die nächste Saison und über potenzielle Spielernamen gesprochen. Denn es war klar, dass ich nicht noch einmal so eine Saison erleben möchte. Mir wurde in dem etwa einminütigen Telefonat, in dem mir die Entlassung mitgeteilt wurde, kein wirklicher Grund genannt. Sportliche Gründe können es meiner Meinung nach nicht sein, wir waren im Landespokalhalbfinale und stehen in der Liga über dem Strich.

Bloch fehlt klare Begründung für seine Entlassung

Wie überraschend ist der Zeitpunkt aus Ihrer Sicht?

Sehr überraschend. Diese Formulierung, man müsse neue Impulse setzen, haben die handelnden Personen vermutlich im Doppelpass aufgeschnappt und wollten sie nun umsetzen. Mir wäre lieber gewesen, die Spieler wären befragt worden, ob sie das so wollen. Wir hatten sportlich mittlerweile eine gewisse Philosophie entwickelt, die nicht unbedingt meine ist, aber wir kamen damit voran. Die Jungs, die da sind, hängen sich rein und sind voll dabei, in der Rückserie waren Fortschritte klar erkennbar. Wir haben sechs Talente aus dem 2003er-Jahrgang in den Kader integriert, einige davon stehen Woche für Woche in der Startelf, was nicht gegen unser Tun im Trainerteam steht. Frage ich jedoch nach einer Begründung für diesen Schritt, ruht der See still.

Auch Co-Trainer Christoph Sperberg musste seinen Posten räumen.

Klar, der Vorstand hatte Christoph sicher auch auf dem Kieker. Ich habe ihn vor der Saison dazu geholt, damit wir uns professioneller aufstellen, uns auch intern weiterentwickeln, er war ein riesiger Zugewinn. Es ist schade, dass auch er gehen muss – aus Loyalität mir gegenüber hätte er das aber sowieso gemacht, teilte er mir bereits mit.

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Neben Henry Bloch (l.) musste auch der bisherige Co-Trainer Christoph Sperberg seinen Platz räumen.

Neben Henry Bloch (l.) musste auch der bisherige Co-Trainer Christoph Sperberg seinen Platz räumen.

Die Wunde ist noch frisch – können Sie dennoch auf fast fünf Jahre an der Seitenlinie zurückblicken?

Natürlich. Es war eine schöne Aufgabe, die großen Spaß gemacht und mir gezeigt hat, dass ich in der Lage bin, Mannschaften zu entwickeln. Man lernt in dieser Zeit viele Menschen und Charaktere kennen, auch Freundschaften sind entstanden. Die Zusammenarbeit mit Menschen, die ähnlich ticken, ist besonders. Das Feedback, das ich nach Bekanntwerden meiner Entlassung erhalten habe, ist durchweg positiv und zeigt mir, dass nicht alles schlecht gewesen sein kann.

Was war der schönste Moment in all den Jahren?

Puh, da muss ich etwas überlegen, da gab es viele schöne Momente. Ich wollte immer mal eine perfekte Viertelstunde sehen, in der die vielen Dinge, die man im Training behandelt, quasi in Perfektion umgesetzt werden. Von diesen Viertelstunden gab es einige. Auch der Oberliga-Aufstieg, um den wir lange zittern mussten und der erst am grünen Tisch entschieden wurde, war toll. An Ergebnissen kann man sowas nicht festmachen, auch wenn die Halbfinals im Landespokal besonders waren. Aber die zwischenmenschlichen Anekdoten aus dem Training oder außerhalb des Platzes sind es dann irgendwie, die definitiv hängen bleiben.

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Ausgerechnet im ersten Oberliga-Jahr, wo man vermutet, dass alle voller Euphorie sind, gab es immer wieder Rückschläge – beispielsweise verließen etliche Spieler, darunter Leistungsträger, den Verein. Warum haben Sie nicht selbst irgendwann die Reißleine gezogen?

Innerlich habe ich diese Diskussion vielleicht mal mit mir selbst geführt, eigentlich war es aber nie eine Option. Ich habe gesagt, ich bin dabei – und hatte auch ein gewisses Grundvertrauen zu handelnden Personen. Und obwohl nicht alles gepasst hat, habe ich dennoch nie den Antrieb verloren, mit der Mannschaft die Ziele erreichen zu wollen. Ich bin nicht abgestiegen mit der Truppe, woran vor allem die Jungs selbst den größten Anteil haben. Der Schritt Richtung Oberliga war auch absolut richtig, ich wollte mich mit den Besten messen, wollte das neue und andere Niveau kennenlernen. Selbst die Vorbereitung auf viele unbekannte Gegner hat da mehr Spaß gemacht, als wenn man in der Brandenburgliga gegen Eisenhüttenstadt 5:1 gewinnt.

Der MSV liegt auf Rang 15 und ist dem Ziel Klassenerhalt fünf Partien vor dem Ende recht nahe. Den handelnden Personen scheint dies aber nicht gut genug zu sein. Wer hat denn nun Schuld an der sportlichen Situation?

Das ist eine gute Frage. Ich habe vor der Saison gesagt, dass ich einen Silva Magalhaes oder einen dos Santos (zwei brasilianische Spieler, die beim MSV unter Vertrag standen, Anm.d.Red.) nicht kenne, habe mich bei der Planung des Kaders aber auf die sportliche Leitung verlassen. Die Folge waren viel Unruhe und viele Widerstände, im Sinne des Vereins musste ich aber trotz der negativen Rückschläge vieles einfach positiv moderieren.

Bloch übt Selbstkritik und nennt größten Fehler

Hat auch Henry Bloch in der jüngeren Vergangenheit Fehler gemacht?

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Unfehlbar ist keiner, man trifft auch mal falsche Entscheidungen, ist doch klar. Maßgeblich ist für mich, ob die Jungs mitgehen oder es einen Riss zwischen Trainer und Mannschaft gibt. In Systemfragen bin ich manchmal anderer Meinung als Kapitän Marcus Lemke, auch die Trainingsgestaltung hat sicher nicht jedem gepasst. Mein größter Fehler war aber, dass ich mich auf manche Leute verlassen habe.

Was bedeutet Ihre Entlassung für Ihren Sohn Hugo, der unter seinem Papa in der Oberliga debütierte.

Hugo kann stolz sein, mit 17 Jahren debütiert und mit 18 Jahren bereits so viele Oberliga-Spiele absolviert zu haben. Für ihn ändert sich gar nichts, er ist alt genug, zu entscheiden, was er will. Vielleicht wird es für ihn sogar noch einfacher, denn ich habe ihn ganz sicher nicht eingesetzt, nur weil er der Trainersohn ist. Er macht das aktuell wirklich sehr gut und ich würde mich freuen, wenn er sich auch künftig seine Einsätze erkämpft.

Zwei, dich sich schätzen: Vor dem Landespokal-Halbfinale 2018 trafen sich Bloch (.) und der damalige Babelsberg-03-Trainer Almedin Civa (r.) im Karl-Liebknecht-Stadion.

Zwei, dich sich schätzen: Vor dem Landespokal-Halbfinale 2018 trafen sich Bloch (.) und der damalige Babelsberg-03-Trainer Almedin Civa (r.) im Karl-Liebknecht-Stadion.

Wie geht es für Sie persönlich weiter?

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Das wird man sehen. Ich bin gerne Trainer und traue mir ein paar Sachen zu, bin gespannt, was für Möglichkeiten sich öffnen. Meine Jungs sind aus dem Haus, der eine lebt im Sportschulinternat in Cottbus, der andere hat eine eigene Wohnung. Also muss ich nur noch mit meiner Frau diskutieren, was möglich ist.

Sie haben viele Jahre mit Kindern und Jugendlichen trainiert. Kehren Sie in diesen Bereich zurück?

Ich arbeite gerne mit Personen, die eine ähnliche Einstellung haben – und das geht erst ab einem bestimmten Niveau. Eine U19- oder U17-Mannschaft in einem Nachwuchsleistungszentrum zu trainieren, ist durchaus vorstellbar. Aber auch im Männerbereich gibt es hochinteressante Aufgaben.

Würden Sie für eine sich lohnende Aufgabe auch die Region verlassen?

Nichts ist auszuschließen.

Abschließende Frage: Schafft der MSV Neuruppin den Klassenerhalt?

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Absolut, das packen die Jungs, davon bin ich überzeugt. So war jedenfalls auch die Planung von Christoph und mir. Gegen Greifswald und zuletzt Neustrelitz kann man keine Punkte einkalkulieren, das Restprogramm macht aber Hoffnung, die entscheidenden Schritte gehen zu können. Man muss dazu sagen, dass wir den Abstand nach unten – trotz der Niederlagen gegen Greifswald und Neustrelitz – nicht kleiner haben werden lassen. Von daher: Der MSV bleibt Oberligist.

Von Marius Böttcher

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