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Passen, sprechen, kochen

Wie der neue US-Quarterback Chris Helbig die Potsdam Royals stark macht

Dreh- und Angelpunkt der Offensive: Bisher gewann Chris Helbig (l.) mit den Royals alle drei Saisonspiele.

Dreh- und Angelpunkt der Offensive: Bisher gewann Chris Helbig (l.) mit den Royals alle drei Saisonspiele.

Potsdam. Als Quarterback liebt es Chris Helbig, zu passen. Am Donnerstag musste er aber passen im Sinne von absagen. Für gewöhnlich treffen sich an diesem Wochentag immer Offensivspieler des Football-Erstligisten Potsdam Royals zum gemeinsamen Essen. Dann wird bei einem aus der Gruppe international bunt gekocht, aufgetischt und geschlemmt. Dieses Mal aber fehlte Helbig. „Meine Eltern sind zu Besuch. Zehn Tage bleiben sie – die kurze Zeit möchte ich mit ihnen genießen“, sagt Potsdams neuer Spielmacher aus den USA. Genießen heißt aber zugleich etwas bieten. Am Samstag ab 16 Uhr bestreiten die Royals gegen die Berlin Rebels im Stadion Luftschiffhafen ihr zweites Saisonheimspiel. „Da wollen wir unbedingt wieder gewinnen. Ich erst recht, wenn meine Eltern zuschauen“, sagt er.

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In den bisherigen drei Partien dieses Jahres überzeugte die Mannschaft von Royals-Cheftrainer Michael Vogt mit drei Siegen. Nicht zuletzt hatte Helbig seinen Anteil daran. Durchschnittlich sorgte er mit seinen Pässen für 351 Yards Raumgewinn pro Spiel – aktueller Höchstwert in der German Football League 1 (GFL). Auch zwölf Touchdowns, die durch seine Würfe zustande kamen, sind unübertroffen. Starke 70,6 Prozent der Pässe fanden ihr Ziel – oft sind seine Landsmänner Brandon Polk oder Jared Wolfe die Ballempfänger. „Chris haut in der GFL absolute Top-Bilanzen zu diesem Zeitpunkt der Saison raus“, ordnet Vogt ein. „Er ist ein Glücksgriff für uns – nicht nur sportlich, sondern auch menschlich.“

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Mit allen Teammitglieder ausgiebig telefoniert

Der Akteur mit der Trikotnummer 8 zeige eine beeindruckende Professionalität, sei „für jeden Spaß zu haben und ein echter Anführer, der mitreißt“, lobt der Coach. Neben den Teamtrainingseinheiten beruft der 24-Jährige auch regelmäßig Extra-Meetings ein, um die Abstimmung im Angriff noch mehr zu verfeinern. Die Grundlagen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit hatte er bereits ab Dezember gelegt. Mit jedem einzelnen des rund 60 Mann großen Royals-Kaders telefonierte Helbig ausgiebig. „Football ist ein Sport, in dem es ganz stark um Vertrauen untereinander geht. Da muss man eine persönliche Bindung aufbauen – damit wollte ich anfangen, bevor ich im Frühjahr hierhergekommen bin“, begründet er seinen heißen Draht nach Deutschland.

Läuft für die Potsdam Royals mit der Trikotnummer 8 auf: Chris Helbig.

Läuft für die Potsdam Royals mit der Trikotnummer 8 auf: Chris Helbig.

Dorthin hat Helbig, wie sein Nachname schon vermuten lässt, auch einen persönlichen Anknüpfungspunkt. „Vorfahren von mir lebten hier, das ist schon einige Generationen her. Wirklich spannend, zu den Wurzeln der eigenen Familie zu kommen“, erzählt er auf Englisch. „Dafür darf ich dankbar sein, dass der Sport mir das ermöglicht.“

Geboren und aufgewachsen ist Chris Helbig im US-Bundesstaat Colorado. An der Highschool spielte er Basketball und Football, entschied sich dann beim Wechsel auf das College für das Spiel mit dem Leder-Ei. Schließlich hatte sich sein besonderes Talent dafür schon klar abgezeichnet. Bis heute hält der Quarterback Colorados Rekord für die meisten Pass-Yards in einer Highschool-Partie: Der Wert steht bei imposanten 607.

„Aufregende Reise“ durch Colleges

Nach Wunsch lief aber nicht alles im weiteren Verlauf. An der Universität Colorado bekam er kaum Spielzeit, wurde sogar auf die für ihn unliebsame Position des Safety gestellt. Helbig wechselte ans Butler Community College in El Dorado (Kansas), wo er wieder als Quarterback glänzen konnte, sodass ihn der Weg weiter zur Southern Utah Universität und Eastern Michigan Universität führte. Ein Schlüsselbeinbruch und die Corona-Pandemie wurden jedoch wieder Hemmnisse. „Es war eine aufregende Reise“, sagt der Mann, der einen Abschluss in Sportmarketing hat.

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Chris Helbig spielte unter anderem an der Southern Utah University.

Chris Helbig spielte unter anderem an der Southern Utah University.

Nun managt Christopher James Helbig, so sein vollständiger Name, das Spiel der Potsdam Royals. Aufgrund seiner Körperproportionen – 1,93 Meter groß bei 97 Kilogramm Gewicht – bevorzugt er den Pass. Per Lauf hat er diese Saison erst 72 Yard zurückgelegt, was aber immerhin auch zu einem Touchdown führte. „Die Liga“, betont Helbig, „hat ein tolles Niveau.“ Was für sein Können beim Kochen nach eigener Aussage nicht gilt. „Da lasse ich lieber die anderen Jungs vor. Was sie machen, schmeckt. Ich bin kein guter Chefkoch.“ Dafür aber ein guter Chef auf dem Footballfeld.

Von Tobias Gutsche

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