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DFB-Pokalfinale der Frauen

Pokaltraum platzt in Köln: Turbine Potsdam unterliegt dem VfL Wolfsburg

Turbine-Kapitänin Sara Agrez (r.), die im Sommer zum VfL Wolfsburg wechselt, verpasst in dieser Szene den 1:1-Ausgleich.

Turbine-Kapitänin Sara Agrez (r.), die im Sommer zum VfL Wolfsburg wechselt, verpasst in dieser Szene den 1:1-Ausgleich.

Köln. Der Traum vom vierten Pokalsieg in der Geschichte des 1. FFC Turbine Potsdam ist am frühen Samstagabend geplatzt: Die Landeshaupstädterinnen unterlagen dem Deutschen Meister VfL Wolfsburg im Kölner Rhein-Energie-Stadion vor den Augen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit 0:4 (0:3). Während Potsdam um Trainer Sofian Chahed nach den drei Titelgewinnen in den Jahren 2004, 2005 und 2006 weiter auf den vierten Streich warten muss, feierten die vor dem Spiel klar favorisierten „Wölfinnen“ und ihr Coach Tommy Stroot den achten Triumph in Folge. Die Wolfsburger Tore erzielten vor 17531 Zuschauern Ewa Pajor (11., 33. Minute), Jill Roord (42.) und Dominique Janssen (69.).

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Holmgaard vergibt die Chance Turbine-Führung

Erste Torannäherungen der „Wölfinnen“ – unter anderem ein Freistoß von Ex-Potsdamerin Felicitas Rauch, der in der Mauer landete – hielt die Turbine-Defensive zunächst problemlos stand. Nach acht Minuten ergab sich sogar auf der Gegenseite die große Chance zur Führung: Maria Plattner behielt in einer Kontersituation stark die Übersicht und bediente Karen Holmgaard auf der linken Seite. Die Dänin war auf und davon, nahm jedoch Tempo raus und wurde frei vor VfL-Torhüterin Almuth Schult noch von Kathrin Hendrich geblockt. „Wir standen defensiv eigentlich ganz gut, haben sicherlich auch Chancen und wenn Karen Holmgaard die erste Chance nutzt, läuft es vielleicht anders“, sagte Sofian Chahed nach Schlusspfiff am ARD-Mikrofon. Lediglich drei Minuten später fiel der erste Treffer des Tages – es jubelten die Fußballerinnen in den grellgrünen Trikots. Ewa Pajor schlich sich bei einem Rauch-Eckball von rechten Seite von Turbine-Innenverteidigerin Teninsoun Sissoko davon und nickte am ersten Pfosten zur Wolfsburger Führung ein.

Auf der anderen Seite kam Sophie Weidauer kurze Zeit später nach einem langen Einwurf im Wolfsburger Strafraum zu Fall. Der Armeinsatz von Felicitas Rauch war aber im Bereich des Erlaubten, weshalb die Pfeife von Schiedsrichterin Karoline Wacker (Backnang) stumm und ein Elfmeterpfiff zurecht ausblieb. Die Favoritinnen waren vorn, die Turbinen dennoch weiter frech im Spiel nach vorne: Kapitänin Sara Agrez, die ihr letztes Spiel für die Landeshauptstädterinnen bestritt und im Sommer Richtung Autostadt wechselt, suchte ihr Heil in der Offensive. Die Slowenin marschierte durch das Wolfsburger Mittelfeld, spielte mit Weidauer Doppelpass und versuchte es mit ihrem linken Fuß. Erneut musste Schult jedoch nicht eingreifen, weil Dominique Janssen die brenzlige Situation mit einem beherzten Tackling bereinigte.

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Pajor legt nach, Roord erhört noch vor der Pause

Während die Schützlinge von Trainer Sofian Chahed die sich bietenden Möglichkeiten nicht gut zu Ende spielten, blieb der Deutsche Meister aus Niedersachsen eiskalt. VfL-Kapitänin und Ex-Turbine Svenja Huth genoss in der Zentrale alle Freiheiten und verlagerte das Spielgerät auf die rechte Seite, wo Lynn Wilms mitlief und mit einer punktgenauen Flanke Pajor fand, die per Kopf aus Nahdistanz zum 2:0 traf. Die polnische Nationalspielerin bewies gleich doppelt, dass 1,67 Meter Körpergröße genügen, um mit dem Kopf erfolgreich zu sein. „Es ist ein wunderschönes Gefühl, wieder Pokalsiegerin zu sein, wir schreiben die Geschichte weiter“, sagte Pajor nach dem Schlusspfiff in der ARD. Die Wolfsburgerin Jill Roord sorgte kurz der Pause dafür, dass Potsdam die Seiten mit einer noch größeren Hypothek wechselte. Eine eigentlich ungefährliche Eingabe klärte Turbine-Rechtsverteidigerin Anna Gerhardt vor die Füße der Niederländerin, die sich aus gut elf Metern nicht bitten und Anna Wellmann zwischen den Potsdamer Pfosten erneut keine Chance ließ.

Die ersten Minuten im zweiten Durchgang gaben den zahlreich mitgereisten Turbine-Fans nochmal Anlass zur Hoffnung. Mit mächtig Dampf kam die Chahed-Elf aus der Kabine, verpasste aber wie schon in Halbzeit eins trotz guter Gelegenheiten den eigenen Torerfolg. So strich ein Geschoss von Melissa Kössler nur knapp über den VfL-Kasten, Torhüterin Almuth Schult zeigte bei einem Holmgaard-Kopfball ihre ganze Klasse. Anschließend neutralisierte sich das Geschehen auf dem grünen Rasen – Turbine war stets bemüht, es fehlte jedoch an der letzten Durchschlagskraft. Bezeichnend für den keineswegs schwachen, aber sehr unglücklichen Finalauftritt der Potsdamerinnen war das 4:0 für den VfL in Minute 69. Der von Dominique Janssen direkt getretene Freistoß wäre für Anna Wellmann wohl zur leichten Beute geworden, doch Sophie Weidauer gab dem runden Leder per Kopf die entscheidende Richtungsänderung.

Statt der großen Pokalüberraschung gab es in Köln-Müngersdorf den Favoritensieg. Bei Turbine Potsdam gab es zunächst hängende Köpfe, die Mannschaft durfte aber sehr wohl erhobenen Hauptes das Feld verlassen – mit der Silbermedaille im Heimgepäck. „Wir haben nichtsdestotrotz ein ordentliches Spiel hingelegt. Man hat gesehen, dass wir als sehr junges Team gegen eine erfahrene Wolfsburger Mannschaft verloren haben“, resümierte Chahed.

Von Marius Böttcher

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