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Kreisliga Dahme/Fläming

Ronald Schäfer: „Man muss auch mal loslassen können“

Ronald Schäfer befindet sich auf Abschiedstour als Coach.

Ronald Schäfer befindet sich auf Abschiedstour als Coach.

Großbeeren. Nach 28 Jahren als Coach verabschiedet sich Ronald Schäfer, der Trainer des Fußball-Kreisoberligisten Grün-Weiß Großbeeren, am Saisonende vom nervenaufreibenden Platz an der Seitenlinie. Der 62-Jährige, der beruflich als Leiter der Bürgerämter im Berliner Bezirk Mitte zuständig ist, war aus dem früheren Westteil der Hauptstadt nach der Wende in den Fußballkreis gekommen. In der Dahme-Fläming-Region hatte er schnell als Trainer Fuß gefasst und den BSC Blankenfelde, den SV Siethen und seit fast zehn Jahren den SV Grün-Weiß gecoacht. Im Interview spricht er über ein Spiel für Hertha BSC im vollbesetzten Olympiastadion, den Reiz des heimischen Gartens und Pläne für die Zeit nach der Trainerlaufbahn.

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Herr Schäfer, der Abschied rückt näher: Beschleicht Sie manchmal ein mulmiges Gefühl, was sie nun am Sonntag in Zukunft eigentlich machen sollen?

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Ronald Schäfer: Nein. Nach zehn Jahren als Trainer der ersten Männermannschaft von Grün-Weiß Großbeeren ist dieser Schritt natürlich ein großer Einschnitt in meinem Leben, aber ich zweifle nicht an seiner Richtigkeit. Bereits seit Beginn der vergangenen Spielzeit fiel mir auf, dass es mir immer schwerer fällt, mich dienstags und donnerstags am Abend noch mal aufzuraffen, um zum Training zu fahren, obwohl ich dank der tollen familiären Verhältnisse in Großbeeren eine schöne unbeschwerte Trainerzeit habe. Was mich in den letzten beiden Jahren noch motivierte, waren eigentlich nur noch die Spiele am Sonntag und mein Sohn, der zeitgleich in der zweiten Mannschaft trainiert. Durch die vielen coronabedingten Spielausfälle habe ich gemerkt, dass es sonntags auch noch andere schöne Freizeitbeschäftigungen gibt. Und so fällt mir der Gedanke an das Trainerrentnerdasein überhaupt nicht mehr schwer. Man muss auch mal loslassen können.

Wie hat alles begonnen?

Da ich im ehemaligen Westteil Berlins geboren und aufgewachsen bin, habe ich dort auch mit neun Jahren begonnen Fußball zu spielen. Zuerst bei Rapide Wedding und später in der B- und A-Jugend von Hertha BSC. Im Männerbereich habe ich dann sehr viele Jahre in der damaligen Berliner Oberliga, der damals dritthöchsten Spielklasse verbracht. Aufgrund einer schweren Verletzung musste ich meine aktive Laufbahn 1994 beenden und habe anschließend Spaß am Trainerjob gefunden. Erst in der Berliner Verbandsliga und seit 1997 – seit inzwischen 25 Jahren – im Landkreis Teltow-Fläming.

Duelle mit Ex-Bundesligaprofis wie Norbert Stolzenburg oder Thomas Herbst

Wie war das damals in der Oberliga Berlin-West? Gerade in den achtziger Jahren, als Hertha in dieser Spielklasse angetreten ist, muss es doch Fußballfeste für die kleineren Vereine gegeben haben?

Ja, das war für die kleineren Vereine immer ein großes Spektakel – ich bin aber in diesen Jahren nicht gegen die Hertha angetreten. Schade, zumal ich zum Club eine ganz besondere Beziehung habe und mein Herz für den Verein schlägt: Als A-Jugendspieler habe ich dort gespielt und an eine Partie kann ich mich noch genau erinnern. In der Saison 77/78 trafen im Olympiastadion Hertha und Tennis Borussia in der Bundesliga gegeneinander an. Das Derby war total ausverkauft. Die A-Jugendteams beider Vereine bestritten das Vorspiel. Wir haben 4:1 gewonnen und ich habe sogar den Treffer zur 2:1 Führung erzielt. Zum Schluss des Spiels war das Stadion bereits fast voll und die Herthafans haben uns gefeiert. Höhepunkte in meinem aktiven Fußballleben waren auch die vielen Duelle und Zweikämpfe als Abwehrspieler in der Oberliga mit ehemaligen Bundesligaprofis wie Norbert Stolzenburg oder Thomas Herbst.

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Dann hat der Fußball früh eine Schlüsselposition in Ihrem Leben eingenommen.

Ja. Er war mir nach der Familie, der Schule und dem Beruf immer ganz wichtig in meinem Leben. Er hat mir beispielsweise auch sehr geholfen, nachdem mich 2018 ein schwerer privater Schicksalsschlag doch sehr aus der Bahn geworfen hat.

Sie haben als Coach viele Erfolge gefeiert, beispielsweise die Aufstiege mit dem BSC Blankenfelde (jetzt BSC Preußen) 1998 und mit dem SV Siethen 2009 in die Landesklasse. 2006 wurden Sie mit dem SVS Kreispokalsieger, 2014 gelang mit Großbeeren die Qualifikation für die neugegründete Kreisoberliga Dahme/Fläming. Auf welche Erlebnisse hätten Sie verzichten können?

Enttäuscht war ich natürlich von den Entlassungen als Trainer. Beim BSC Blankenfelde, als wir nach 13 Spieltagen auf Platz zwei standen in der Landesklasse und nach der Saison 2006/2007 beim SV Siethen, die wir auf Platz sieben in der Landesklasse abgeschlossen hatten. Es ist mittlerweile aber längst Gras drüber gewachsen. Eigentlich sind alle Niederlagen zum Vergessen – bis auf eine, die ist mir in besonderer Erinnerung geblieben und zählt zu den positiven Erlebnissen, obwohl wir tatsächlich zweistellig verloren haben.

Benefizspiel gegen Energie Cottbus auf dem Großbeerener Eichenhügel

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Im Juli 2015 hatten wir in Großbeeren ein Benefizspiel gegen Energie Cottbus, damals ein ambitionierter Drittligist. Abgesehen davon, dass Cottbus gerade aus einem Trainingslager zur Vorbereitung der kommenden Spielzeit anreiste, wir hingegen nach einer kräftezehrenden langen Saison das Spiel als Abschluss der Spielzeit hatten, fand dieses Spiel bei absolut rekordverdächtigen 40 Grad im Schatten statt. Liefen meine Spieler zur Halbzeit bereits auf dem Zahnfleisch, hatte Cottbus hingegen zur zweiten Halbzeit eine komplett neue Elf eingewechselt, die sich bis dahin im klimatisierten Mannschaftsbus frisch gehalten hat. Dass wir dieses Spiel unter diesen Umständen nur mit 0:12 verloren haben, fand ich schon absolut bemerkenswert.

Hat sich das Amt als Amateurtrainer verändert?

Die enormen Belastungen waren eigentlich damals genauso groß. Auch damals schon musste sich ein Amateurtrainer eigentlich um alles kümmern. Angefangen mit den Vorbereitungen auf eine Spielzeit, muss er sich um Testspielgegner und wegen der vielen Platzsperrungen im Sommer und Winter um die Austragungsorte kümmern. Er ist für die Zusammenstellung des Kaders verantwortlich, muss fortwährend pädagogisch, psychologisch und auch physiotherapeutisch auf seine Spieler einwirken, im Training stets die Mischung aus Belastung und Spaß finden und neben den familiären und beruflichen Herausforderungen noch die wichtige Zeit zur Vorbereitung für den Trainingsbetrieb und für die Spiele am Sonntag finden. Dieser immense Aufwand wird von Außenstehenden oftmals komplett unterschätzt.

Diese Mammutaufgabe werden Sie demnächst nicht mehr stemmen müssen. Wofür möchten Sie mehr Zeit haben?

Ich möchte künftig meine Leidenschaft für den Fußball mehr aus der Zuschauerrolle heraus genießen und öfter als bisher in andere Stadien gehen können.

Also füllen Sie die freie Zeit wieder mit Fußball, nur mit einem etwas anderen Ansatz?

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Nein, ganz so ist es nicht. Ich möchte endlich gerne mal etwas mehr Zeit zur Erholung im heimischen Garten genießen oder mich in Ruhe in eines der vielen Cafés und Restaurants in der Region setzen.

Von Lars Sittig

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