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Fußballkreis Prignitz/Ruppin

Schiedsrichter-Chef Sebastian Werner: „Emotionen gehören ganz klar dazu“





Kyritz.Sogar Heinz Rothe ließ sich nicht bitten und stattete der Schiedsrichterzunft des Fußballkreises Prignitz/Ruppin einen Besuch ab. Am vorigen Freitagabend konnte der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses vom Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) dann Sebastian Werner herzlich gratulieren, der beim Kreistag der Referees im Kyritzer „Bluhm’s Hotel“ zum neuen Schiri-Chef gewählt wurde. Der 33-jährige Werner folgt auf Stefan Schmidt, der 2018 den Staffelstab von Robert Graeske übernahm. 56 Stimmberechtigte waren vor Ort, die 25-Prozent-Hürde, um beschlussfähig zu sein, wurde locker übersprungen. Im Interview spricht der für den Herzberger SV aktive Landesliga-Schiedsrichter über die rege Beteiligung, seine Beweggründe zur Kandidatur, Ziele und darüber, was er sich von seinen Kollegen und von den Vereinen wünscht.

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Herr Werner, die wichtigste Frage zuerst: Videobeweis – ja oder nein?

Sebastian Werner: Ich könnte diplomatisch antworten und sagen, dass es seine Vor- und Nachteile hat. Im Endeffekt bin ich dem VAR gegenüber aber positiv eingestellt, weil es die Schiedsrichter insofern unterstützt, weil sie aus dem Schussfeld genommen werden. Natürlich sind die Emotionen bei einer Überprüfung erstmal dahin, aber für die Profi-Ligen ist das schon eine gute Sache, wobei in der Umsetzung noch immer Raum nach oben ist. Wenn Menschen am Werk sind, wird es immer wieder Fehler geben.

Bereits seit acht Jahren im Ausschuss tätig

Im Fußballkreis Prignitz/Ruppin muss man sich damit ohnehin nicht auseinandersetzen. Am Freitagabend wurden Sie beim Kreisschiedsrichter-Tag zum neuen Vorsitzenden des Ausschusses gewählt. Herzlichen Glückwunsch! Sie waren die einzige Person, die sich zur Wahl gestellt hat. Aus der Not heraus?

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Nein, ich habe ganz sicher nicht aus der Not heraus kandidiert. Das hat sich in den letzten Jahren angebahnt, die finale Entscheidung habe ich Ende letzten Jahres gefasst, nachdem auch meine Frau mich proaktiv in diese Richtung gelenkt hat. Ich bin ja bereits acht Jahre im Ausschuss tätig, mir war es einfach wichtig, dass wenn ich mich zur Wahl stelle und die Kandidatur vorbereite, ich auch wirklich bereit dazu bin. Vor vier Jahren war das noch nicht der Fall, mittlerweile läuft aber alles in geordneten Bahnen, so dass ich auch weiß, was auf mich zukommt.

Sie sind ein siebenköpfiges Team im Schiedsrichter-Vorstand.

Genau, im Vorfeld habe ich auch mit den Kollegen gesprochen, die ich quasi an meiner Seite haben wollte. Es ist nicht nur im Schiedsrichterwesen keinesfalls einfach, Ehrenamtler zu finden, aber ich habe mein Wunschteam zusammen und weiß, dass ich mich auf die Kollegen verlassen kann. Deshalb blicke ich optimistisch auf die kommenden vier Jahre.

Sind Sie glücklich über das entgegengebrachte Vertrauen?

Absolut. Und soweit ich die Stimmungslage wahrgenommen habe, ist das auch für die meisten Kollegen in Ordnung, ja. Ich war am Freitag von der Disziplin sehr angetan, es war eine geordnete und ruhige Veranstaltung, alle Anwesenden haben interessiert zugehört. Ich glaube, dass ich inhaltlich auch gut vorbereitet war, bis zum Kreistag war es bereits ein interessanter Weg, nun beginnt die Arbeit.

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Herr der Lage: Sebastian Werner pfeift aktiv bis zur Landesliga. Als Assistent darf der 33-Jährige auch in der NOFV-Oberliga zu Einsätzen kommen.

Herr der Lage: Sebastian Werner pfeift aktiv bis zur Landesliga. Als Assistent darf der 33-Jährige auch in der NOFV-Oberliga zu Einsätzen kommen.

55 der 56 stimmberechtigten Mitglieder stimmten für Sie. Es gab aber auch eine Gegenstimme.

Alles gut, das ist kein Problem. Ich mag Leute, die Rückgrat haben, finde es gut, dass man zu seiner Entscheidung steht und akzeptiere es auch, dass eben nicht jeder den Werner als Vorsitzenden haben will (lacht). Sowas ist doch besser, als nur mitzulaufen.

Welche Ziele verfolgen Sie in Ihrer Amtszeit?

Es gibt ein paar Problematiken, die man definitiv angehen sollte. Vor vier Jahren waren wir noch 140 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. Jetzt liegt die Zahl bei 129 – darunter sind aber leider noch ein paar Karteileichen, die in dieser Saison noch keine Partie geleitet haben. Mit Anwärterlehrgängen, wo wieder 15 oder 20 Personen und nicht nur zehn dabei sind, wollen wir dem Trend entgegenwirken. Im Fußballkreis sind gegenwärtig auch nur elf Unparteiische, die 18 Jahre oder jünger sind, vor vier Jahren war die Zahl noch doppelt so hoch. Der Ruf unseres Ehrenamtes ist eben nicht der attraktivste, dort muss eine Kehrtwende geschafft werden. Denn umso besser wir in der Breite aufgestellt sind, desto leichter lassen sich andere Dinge wieder angehen.

Die da wären?

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Beispielsweise die Ansetzungsproblematik. Teilweise müssen Partien am Wochenende unbesetzt bleiben. Dann spontane Lösungen finden, ist äußerst schwierig und ein unglaublicher Aufwand. Kristof Gräbel aus der Ansetzergruppe hat da meinen größten Respekt.

Kollegen sollen im Verein die Werbetrommel rühren

Was fordern Sie von ihren Schiedsrichterkollegen ein?

Ich würde mir wünschen, dass man vor allem zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt, indem man auch positiv über Kollegen redet und auf die tollen Dinge im Schiedsrichterwesen aufmerksam macht. Das geht damit los, im eigenen Verein die Werbetrommel zu rühren. Ich hoffe zudem, dass die Teilnahme an Lehrabenden steigt, die Corona-Pandemie hat in Sachen Präsenzveranstaltungen merklich Spuren hinterlassen. Umso schöner war es, dass die Beteiligung am Freitag stimmte.

Was wünschen Sie sich gleichzeitig von den Vereinen und Mannschaften?

In erster Linie dass erkannt wird, wie schwierig die Lage ist. Das sollten die Mannschaften und die Spieler in so ein Wochenende mitnehmen. Wir befinden uns auf Amateurebene, der Spaß an unserem Hobby sollte noch immer im Vordergrund stehen. Situationen, in denen Schiedsrichterkollegen, vor allem die jüngere Generation, von einzelnen Personen oder Fans beleidigt werden, macht das Schiedsrichterwesen nicht attraktiver. Man muss seiner Vorbildfunktion nachkommen – Emotionen gehören ganz klar dazu, es dürfen aber keine Grenzen überschritten werden.

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Sie leben im Nachbarkeis Oberhavel in Hennigsdorf. Sind Sie damit nicht zu weit weg von der hiesigen Basis?

Tatsächlich war das eine Thematik, mit der ich mich oft auseinandergesetzt habe. Da ich aber aus der Region komme, den Fußballkreis kenne und dort groß geworden bin, sollte das kein Hindernis sein, auch wenn es möglicherweise nicht optimal ist. Ich bin nun seit acht Jahren im Ausschuss tätig, die Verbindung bestand immer und ich bin auch am Wochenende oft in der Heimat. Mit Mario Warminski, Ulf Mittmann oder André Stolzenburg sind außerdem sehr gut verknüpfte Kollegen im Schiedsrichterausschuss tätig.

Es gibt viele Schiedsrichter, Schiedsrichterinnen sind jedoch eher die Seltenheit. Im Fußballkreis Prignitz/Ruppin sind mit ihrer Frau Kathleen Werner, Sandra Stolz (mittlerweile als Beobachterin, Anm.d.Red.), Mandy Reinosch, Lea Jahnke, Esther Seemann, Bianca Heidrich und Lara Vogler nur sieben aktiv. Warum ist das so?

Eine gute Frage. Grundsätzlich gibt es ja auch deutlich weniger Frauenmannschaften, der Fußballsport ist bei den Herren weiterverbreitet. Mit Bibiana Steinhaus hat vor ein paar Jahren die erste Bundesliga-Schiedsrichterin die große Bühne verlassen, wenn so eine Persönlichkeit nicht mehr da ist, fehlen Medienwirksamkeit und Werbung. Natürlich wäre es schön, wenn auch Frauen oder Mädchen Lust darauf haben, Schiedsrichterin werden zu wollen. Die aktuell geringe Zahl ist aber in allen Fußballkreisen ein Problem.

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Von Marius Böttcher

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