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Sport in Ostprignitz-Ruppin

Seit 110 Jahren sportlich aktiv: Einmal SV Stüdenitz, immer SV Stüdenitz

Beim SV Stüdenitz ist man bereit für die 110-Jahr-Feier.

Beim SV Stüdenitz ist man bereit für die 110-Jahr-Feier.

Stüdenitz. „Ich stelle grad die Sprenger um, ich rufe gleich zurück“, sagt eine Stimme am anderen Ende der Telefonleitung. Sie gehört André Ehlert, der ob der vielen Aufgaben nicht wie jemand klingt, der aktuell ein paar freie Tage genießt. „Ich habe für unsere 110-Jahr-Feier extra Urlaub genommen, wir haben einiges zu erledigen, wollen ja, dass es eine runde Sache wird“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des SV Stüdenitz. Am 1. Juli 1912 – also Freitag vor genau elf Dekaden – wurde in der Gemeinde Stüdenitz-Schönermark der Männerturnverein „Gut Heil“ gegründet. Der Fußballclub Eintracht Stüdenitz folgte erst am 1. März 1923, 1936 schlossen sich die ersten beiden Sportvereine des Ortes zusammen – als SV Stüdenitz 1912.

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André Ehlert ist seit fast 40 Jahren Mitglied beim SVS und hat demnach nur etwas mehr als ein Drittel der Vereinshistorie miterlebt. Dennoch kennt sich der 47-Jährige bestens aus – schließlich wird er am Wochenende, wenn der Traditionsclub aus dem Südwesten des Landkreises Ostprignitz-Ruppin mit einem Festakt auf Vergangenheit und Zukunft anstößt, ein paar Worte verlieren: „110 Jahre kann man nicht in fünf Minuten Revue passieren lassen. Ich habe acht Stunden an der Rede gesessen.“ Zu detailliert sei die Chronik, sehr viel sei passiert im Stüdenitzer Sport und im Verein, für den Ehlert sein letztes Hemd geben würde: „Das hier ist meine Familie, mein Herz hängt am SVS.“ Lange war der bereits verstorbene Rudolf „Rudi“ Straßberger das Gesicht des Vereins, mittlerweile steht André Ehlert wie kein Zweiter für den kurz vor dem Ersten Weltkrieg gegründeten Verein aus Stüdenitz: „Rudi war eine Ikone, gut 50 Jahre lang Organisationsleiter bei der BSG Traktor. Der ist vielen Leuten über die Grenzen hinaus ein Begriff.“

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Die Gemeinde gehört dem Amt Neustadt (Dosse) an und hat nur um die 600 Einwohner. Dennoch ist das Angebot beim örtlichen Sportverein vielfältig: Fußball in der Kreisklasse, Tischtennis im Landesbereich West, die Keglerinnen und Kegler feierten unlängst erst die Meisterschaft in der Kreisklasse. Knapp 25 Frauen betätigen sich in der Gymnastikgruppe, die zuletzt etwas eingeschlafene Sektion Reitsport entsendete zu DDR-Zeiten Reiterinnen und Reiter sogar zu nationalen Meisterschaften. Und auch die Jagdhornbläser sind mit ihren Fanfaren und ihrem Chor „auf vielen Veranstaltungen links und rechts von Stüdenitz“ vertreten, berichtet André Ehlert: „Unsere sechs Abteilungen wollen wir natürlich so lange es geht am Leben erhalten. Das ist das große Ziel, wir wollen keinen Stillstand, nichts soll einschlafen.“

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Schon gar nicht sein Fußball. Ehlert ist nicht nur im Vorstand tätig, sondern trainiert die Männermannschaft beim SVS – ohnehin die einzige Truppe im Verein, die dem runden Leder nachjagt. Vor über zehn Jahren probierten sich Stüdenitzer Oldies im Altherren-Spielbetrieb, das Augenmerk liegt aber gegenwärtig auf dem Kreisklasse-Süd-Vertreter, der die abgelaufene Saison auf Rang drei beendete. „Im nächsten Jahr wollen wir aufsteigen, die Kreisliga ist das klare Ziel“, gibt der Coach die Marschroute vor. Dieses ambitionierte Ziel kommt nicht von irgendwoher, mit einem 25-Mann-Kader kann Ehlert besser arbeiten als die meisten Trainerkollegen auf Landesebene. 1993 hatte man die Traditionself von Werder Bremen zu Gast an der Jäglitz, die meisten Sympathien im Verein gehen Richtung Norden – „zum HSV oder eben Werder“, verrät Ehlert der es selbst mit Dynamo Dresden hält. Wenn die Fußball-Sektion im nächsten Jahr 100. Geburtstag feiert, will man auch auf dem grünen Rasen die Korken knallen lassen: „Es gibt Ideen, wir würden gerne einen großen Namen zum Testspiel locken. Aber dafür muss man einige Mittel investieren, es kommt niemand mehr aus Sympathie.“

Bühne vom Männerturnverein von Unkraut befreit

Nun liegt der Fokus aber ohnehin erst einmal auf dem kommenden Wochenende, wenn am Freitagabend 130 geladene Gäste die Feierlichkeiten eröffnen. Bei Kaltgetränken und leckeren Spezialitäten wird es viele Anekdoten zu erzählen geben, weiß Ehlert. Und sogar fürs Auge ist was geplant. „Eine Minute Fußweg vom Sportplatz entfernt steht eine alte Bühne, die wir so einigermaßen von Unkraut befreit haben. Da haben vor 110 Jahren die ersten Mitglieder vom Männerturnverein geturnt. Das ist ein Stück Geschichte, das ist Wahnsinn“, findet der als Teamleiter bei einer politischen Stiftung in Potsdam beschäftigte André Ehlert, der die Zusammenarbeit mit dem Vereinsvorsitzenden Uwe Borck als vertraut bezeichnet: „Wir sind ein geiles Gespann und wollen beide, dass es den SV Stüdenitz noch viele Jahre gibt.“

Von Marius Böttcher

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