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Triathlon

Verspätete Gefühlsexplosion: Triathlet Stefan Schulz löst Ticket für Hawaii

Triathlet Stefan Schulz (r.) jubelt mit Lebensgefährtin Julia, Tochter Elsa und seinen Schwiegereltern über das Ticket für den Ironman Hawaii.

Triathlet Stefan Schulz (r.) jubelt mit Lebensgefährtin Julia, Tochter Elsa und seinen Schwiegereltern über das Ticket für den Ironman Hawaii.

Frankfurt am Main. Im Ziel blickte ein erschöpfter Stefan Schulz enttäuscht auf die Videowand. Die immer wieder aktualisierte Ergebnisliste offenbarte ihm das zunächst ernüchternde Resultat: Platz 19 in der Altersklasse 35 bis 39 – das Ziel, den Ironman in Frankfurt am Main am Sonntag als einer der Siebtbesten seiner Altersklasse abzuschließen, wurde verfehlt. Einen Tag später aber, am frühen Montagnachmittag, als sich etliche Triathleten zur offiziellen Siegerehrung in der Main-Metropole eintrafen, wich die Enttäuschung und wandelte sich in pure Freude. Lebensgefährtin Julia und Töchterchen Elsa wurden in den Armen von Stefan Schulz fast zerdrückt, als dem Ausdauersportler bewusst wurde, dass sich die Strapazen der letzten Wochen und Monate gelohnt haben. „Da ging es mal kurz mit mir durch“, berichtet „Stippi“ von seiner verspäteten Gefühlsexplosion.

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Er schleppte sich aufs Podium, einen Wettkampf über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen in den Gliedern. Er ist gefragt worden, ob er das Startrecht für den Ironman Hawaii, dem ältesten und prestigeträchtigsten Langdistanz-Triathlon der Welt, in Anspruch nehmen möchte. Und mit strahlenden Augen zückte Stefan Schulz die Kreditkarte – 1120 Dollar Startgebühr (rund 1060 Euro) waren an Ort und Stelle zu begleichen. Verzichtete jemand, war ein Nachrücker zur Stelle. So einer ist der 39-Jährige, dessen 19. Platz dank etlicher Absagen oder bereits qualifizierter Dreikämpfer eben doch langte, um sich den Traum vom Wettkampf auf der Vulkaninsel zu erfüllen.

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„Ich bin als Vorletzter meiner Altersklasse reingerutscht, viele Leute schreckt es mittlerweile ab, was man für die Teilnahme an Geld investieren muss“, verrät der selbstständige Malermeister. Ende Oktober will Schulz mit seinen beiden Lieblingsfrauen zur Ironman-Weltmeisterschaft Richtung Inselgruppe im Pazifischen Ozean fliegen – sowohl Amateure, wie er einer ist, als auch Profis sind dort am Start. Klar ist, dass eine Teilnahme in Kailua-Kona Luxus geworden ist. Für Startgebühr, Hotelzimmer, Flüge und Verpflegung muss Stefan Schulz tief in die Tasche greifen: „Wir haben uns schon mal erkundigt. Für zehn Tage auf der Insel werden wir zu dritt wohl mit 15000 Euro rechnen können – wenn es gut läuft. Eigentlich sollte noch direkt ein Urlaub drangehangen werden, das könnte aber zu happig werden.“

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Die Chance, vermutlich eine einmalige, wolle er sich aber nicht entgehen lassen, vor allem Freundin Julia drängte, „weil sie weiß, was es mir bedeutet und wie viel ich dafür gegeben habe“. Schon am Donnerstag fuhr man ins Hessische, um sich vor Ort ein paar Tage zu akklimatisieren. Am Sonntag war es für den Vorzeigeathleten dann soweit – pünktlich um 6.35 Uhr sprang er in den Langener Waldsee, der etwa 15 Kilometer südlich von Frankfurt liegt. „Es war das Schwimmen meines Lebens, mit der Zeit von 56:11 Minuten war ich mega zufrieden“, verriet das Mitglied des Ruppiner Triathlon Vereins. Im Wasser ging es aber auch hart zu – an der ersten Boje bekam Schulz eine Faust in Gesicht, an der zweiten gar eine fremde Ferse: „Da knackte was, das habe ich sofort gemerkt.“ Und tatsächlich: Auf dem Rad löste sich, auch bedingt durch das eine oder andere Schlagloch auf der Strecke, ein oberer Schneidezahn.

Eine Woche Füße hoch, dann beginnt die Vorbereitung

„Der Stiftzahn fiel zum Glück auf mein Trinksystem, ich konnte ihn greifen und in meine Tasche stecken – und am Montag war er wieder da, wo er hingehört“, so Schulz, der auf zwei Rädern den Plan durchzog: „Hin und wieder gab es einen Hänger, insgesamt bin ich meinen Stiefel aber kontinuierlich durchgefahren.“ 1600 Höhenmeter waren zu absolvieren, seine Top-Geschwindigkeit lag bei knapp 80 km/h, im Durchschnitt war er etwas unter 36 km/h schnell – die Vorgaben vom Potsdamer Trainer Erik Thormann wurden weitestgehend umgesetzt. Auch beim Laufen gefiel die Leistung trotz tropischer Temperaturen: „Ich konnte einige Leute einsammeln, wollte den Marathon aber in unter drei Stunden schaffen.“

Nach 3:09:27 Stunden hatte Schulz die 42,195 Kilometer gepackt, der Dreikampf war nach neun Stunden, 20 Minuten und 29 Sekunden absolviert. Platz 19 (von 313) in seiner Altersklasse, Platz 75 unter allen 1988 gestarteten Männer und insgesamt 78. (von 2245) – Stefan Schulz war stolz auf sich selbst. „Eine Woche lege ich nun die Füße hoch, dann beginnt der ruhige Aufbau, wobei ich mir für Hawaii keine Zeiten als Ziel setze“, erklärt Stefan Schulz, der genau weiß, worauf es in den nächsten Monaten ebenfalls ankommt: „Ich werde bis Oktober sparsam sein.“

Von Marius Böttcher

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