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Fußball-Schiedsrichter des Jahres

Was Veltens Jens Polzenhagen auch nach 34 Jahren an der Pfeife antreibt

Jens Polzenhagen (vorne rechts) holt sich den Dank für einen gelungenen Auftritt im Landespokalfinale ab.

Jens Polzenhagen (vorne rechts) holt sich den Dank für einen gelungenen Auftritt im Landespokalfinale ab.

Luckenwalde. Wenn der Cottbuser Fußballtrainer Claus-Dieter Wollitz mal Fahrt aufnimmt, kann es ungemütlich werden. Und auch Dimitar Rangelov ist kein Kind von Traurigkeit, wie der vergangene Samstag gezeigt hat. Da stand das Landespokalfinale in Luckenwalde zwischen Wollitz’ Cottbusern und Rangelovs Krieschowern (2:0) an, hitzige Schlussphase inklusive.

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Mittendrin: Wollitz und Rangelov, die wild stritten und sich schier an den Kragen gehen wollten – wenn da nicht noch der vierte Offizielle Jens Polzenhagen gewesen wäre. „Da habe ich mich als Puffer dazwischen stellen müssen“, erzählt er der 48-Jährige und fügt lachend an: „Das waren wahrscheinlich alte Kamellen, die da ausgetauscht wurden.“ Insgesamt sei er mit Wollitz an der Linie aber gut ausgekommen. „Wir haben ruhig geredet, hatten einen super Kontakt, zumal wir uns davor noch nicht kannten.“

„Beim Landespokalfinale vierter Offizieller sein zu dürfen, war das i-Tüpfelchen“

Woher auch? Normalerweise pfeift Polzenhagen, der für den SC Oberhavel Velten als Schiedsrichter aktiv ist, selbst, allerdings ein paar Klassen unterhalb der Regionalliga. Seit 26 Jahren leitet der Germendorfer ohne Unterbrechung Spiele in der Landesliga – und das unverändert auf gutem Niveau, wie die nun erhaltene Auszeichnung zum Schiedsrichter des Jahres im Kreis Oberhavel/Barnim zeigt. „Das freut mich natürlich sehr nach den vielen Jahren, die ich nun schon auf den Sportplätzen unterwegs bin“, sagt Polzenhagen, „beim Landespokalfinale vierter Offizieller sein zu dürfen, war das i-Tüpfelchen.“

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Wer den kommunikativen Polzenhagen als Urgestein bezeichnet, wie er das selbst tut, untertreibt eigentlich gewaltig. Bereits seit 1988 bläst Polzenhagen regelmäßig in die Pfeife – zwischenzeitlich sogar mit seinem Vater, der ihm an der Linie assistierte. „Er ist wegen mir ein Jahr später Schiedsrichter geworden, da war er schon Anfang 40“, erzählt Polzenhagen. „Ich war immer Hauptschiedsrichter, er Assistent, nie umgekehrt. Seine Motivation, weiter aufzusteigen, war nicht so hoch. Er wollte mich nur begleiten.“

Ziel: 30 Jahre Landesliga

Auch Polzenhagens Motivation, nochmal von der Landesliga aus weiter nach oben zu klettern, ist gering. In seinem Alter hätte er ohnehin keine Chance mehr, „das Thema habe ich vor etlichen Jahren schon aufgegeben“, erklärt er. Ziele hat er trotzdem noch. Das wichtigste: So lange zu pfeifen, wie die Luft eben unfallfrei durch seine Lungen strömt. „Die Leistungstests schaffe ich noch ohne Probleme“, sagt er, „das nächste kurzfristige Ziel heißt aber erstmal, die 30 Jahre Landesliga voll zu machen.“

Polzenhagen profitiert davon, dass der Landesverband die Altersregel für Schiedsrichter gekippt hat. Anders als auf Bundesliga-Niveau, wo die Referees nur bis zu ihrem 47. Lebensjahr pfeifen dürfen, herrscht in Brandenburg keine Grenze mehr. „Das hat natürlich auch mit dem Schwund an Schiedsrichtern zu tun“, weiß Polzenhagen. Die Gründe – Corona, fehlende Freizeit, Mitgliederrückgang in den Vereinen – kennt er, nachvollziehen kann er sie nicht immer. Für den Veltener Unparteiischen ist die Schiedsrichterei die schönste Nebensache der Welt, weshalb Polzenhagen auch Futsal-Spiele und sogar Beachsoccer-Spiele leitet, letztere zweimal im Jahr im Tropical Island. Einziges Prinzip: Nie mehr als ein Spiel am Wochenende. Mit seiner Frau und den zwei Kindern will er schließlich auch noch etwas Zeit verbringen.

„Wenn es handgreiflich wird, gibt es nur eines: Spielabbruch“

Ans Aufhören hat Polzenhagen in seinen nun 34 Jahren als Schiedsrichter aber nie gedacht, zu sehr liebt er die Sportplätze der Region, den Austausch mit den Sportlern und das Gemeinschaftsgefühl, wenn er mit seinen Assistenten unterwegs ist. „Wir sind ja auch eine Mannschaft, auch wenn die ab und an mal wechselt.“

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Seine Karriere trüben nur wenige unschöne Erfahrungen. „Wenn man mal einen Schluck Bier abbekommt oder beleidigt wird, kann ich in manchen Fällen noch drüber stehen“, sagt er, „aber wenn es handgreiflich wird, gibt es nur eines: Spielabbruch.“ So wie einmal im Jahr 1992, als Polzenhagen in Borgsdorf ein Spiel pfiff, einem Gästespieler die Rote Karte zeigte und direkt danach von einem auf den Platz eilenden Zuschauer geschubst wurde. „Da war ich 19 Jahre alt und habe abgebrochen.“ Das Pikante an der Geschichte: Der Gästefan war ebenfalls ein Schiedsrichter, der hart bestraft worden sei. „Der Verband hat mich voll unterstützt – und eine Woche nach dem Vorfall stand ich ja schon wieder auf dem Platz“, erzählt Polzenhagen, den seither nichts mehr umgehauen hat. Nicht mal Claus-Dieter Wollitz.

Von David Joram

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