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Das große Krabbeln: Warum Insekten auf dem Teller das Klima schützen

Ein Insektentaco.

Berlin. Kakerlaken, Mehlkäfer und Buffalowürmer haben in der Wohnung von Nicole Sartirani ein Zuhause gefunden. Seit fünf Jahren züchtet die gebürtige Italienerin und Wahlberlinerin Insekten.

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Auf den Geschmack gebracht hat sie ihr Vater, ein Kammerjäger, der ihr eines Tages eher scherzhaft vorschlägt, die Tierchen doch mal zu probieren.

Nicole Sartirani

Nicole Sartirani

Sartirani ist sofort begeistert: „Wir sollten alle mehr Insekten essen, es gibt nichts Schlimmes oder Ekelhaftes dabei“, findet sie.

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Inzwischen hat sie ein kleines Cateringunternehmen gegründet, das selbst kreierte Gerichte und Süßigkeiten mit Insekten auf Märkten und Festivals verkauft. Außerdem gibt die kochbegeisterte Frau ihr Wissen über die Tiere und deren Zubereitung in Workshops weiter. In ihrer Wohnung züchtet sie auch selbst – allerdings nur für den eigenen Bedarf.

Aus der Perspektive westlicher Industriegesellschaften mag Nicole Sartirani eine Vorreiterin sein. Im weltweiten Maßstab allerdings ist die Nutzung von Insekten als Lebensmittel gar nicht so ungewöhnlich, wie zum Beispiel Reisende nach Südostasien wissen.

Mehr als zwei Milliarden Menschen essen regelmäßig Insekten

Bei mehr als zwei Milliarden Menschen stehen regelmäßig Sechsbeiner auf dem Speiseplan. Zu den rund 2000 essbaren Insektenarten gehören vor allem Käfer, Raupen, Bienen, Wespen, Ameisen, Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmer. Einige gelten als Delikatessen.

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In der Europäischen Union müssen Insekten als sogenannte neuartige Lebensmittel ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Übergangsweise durften bislang unter anderem Grillen, Heuschrecken und Buffalowürmer verarbeitet und verkauft werden.

2021 hat die europäische Lebensmittelbehörde EFSA auch Mehlwürmer, die Larven des Mehlkäfers, als sicheres Lebensmittel eingestuft. Lange wird es wohl nicht mehr dauern, bis in der EU weitere Insektenarten für den Lebensmittelhandel zugelassen sind.

Interessant macht Insekten zum einen ihr hoher Proteingehalt, etwa bei Mehlwürmern: Sie bestehen zur Hälfte aus Proteinen, während der Proteinanteil in Fleisch von Rindern, Schweinen und Hühnern nur bei etwas mehr als 20 Prozent liegt.

Zudem sind Insekten sehr ertragreich: „Wenn ich ein Insekt habe, dann kann ich meistens 80 Prozent von diesem Insekt verwerten, bei Kühen sind es zum Beispiel nur 40 Prozent“, so Britta Schautz, Ernährungsexpertin von der Verbraucherzentrale Berlin.

Auch spart die Insektenzucht Ressourcen: Um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren, braucht es bei der traditionellen Viehzucht etwa 15.000 Liter Wasser und acht Kilogramm Futter. Für die gleiche Menge an Insekten reichen 4000 Liter Wasser und zwei Kilogramm Futter.

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Artgerechte Haltung ist bei Insekten deutlich einfacher

Und schließlich die artgerechte Haltung der Tiere: „Im Gegensatz zu Legebatterien oder Mastställen kann die Zucht von Insekten in artgerechten und lebensmittelechten Behältnissen stattfinden, die dem natürlichen Schwarmverhalten von Insekten entsprechen“, so die deutsche Insektenfarm Six Feet to Eat auf ihrer Website.

Auch das Töten der Insekten verläuft sanfter als bei Säugetieren. Der Tod durch Erfrieren sei für Insekten natürlich, heißt es bei Six Feet to Eat. „Als wechselwarme Tiere fallen sie bei sinkenden Temperaturen im Herbst oder Winter in eine Art Kältestarre und sterben in der Folge ab. Genau dieses natürliche Verfahren wenden wir in unseren Zuchten an. Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass Insekten keine Schmerzrezeptoren besitzen und daher keine Schmerzen beim Einfrieren empfinden können.“

Aber schmecken die Tiere überhaupt? Für Nicole Sartirani ist die einfachste und leckerste Art, Insekten zuzubereiten, das Frittieren. In maximal 160 Grad heißem Öl lässt sie zum Beispiel ganze Grillen etwa zehn Minuten lang sieden. Danach werden sie gesalzen und zusammen mit anderen Kleinigkeiten wie Kartoffeln und Gemüse serviert. „Es ist wirklich lecker, knusprig, das schmeckt richtig gut“, sagt sie.

Wem das zu unappetitlich klingt, kann alternativ auch auf Pasta, Burgerpattys oder Brotbackmischungen zurückgreifen, denen gemahlene Insekten zugefügt werden. Die meisten Produkte sind in Onlineshops zu finden, manche auch schon mit dem Biosiegel von Naturland. Hierbei ist sichergestellt, dass die Insekten mit ökologisch-pflanzlichen Nebenprodukten und Reststoffen aus der ökologischen Produktion gefüttert wurden.

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Aufgrund ihres leicht nussigen Geschmacks eignen sich die Tierchen auch für süße Speisen. Zum Frühstück streut sich Nicole Sartirani gern in der Pfanne geröstete und karamellisierte Buffalowürmer über den Obstjoghurt. Insekten sind für sie längst keine Nahrung der Zukunft mehr, sondern gehören schon heute auf jeden Speiseplan – auch und gerade in Europa.

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