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Keine Kohle mehr aus Russland: Welche Auswirkungen hat der EU-Importstopp?

Steinkohle für das Steinkohlekraftwerk lagert im Seehafen Rostock. Ab Donnerstag importiert die EU keine Kohle mehr aus Russland. (Symbolbild)

Steinkohle für das Steinkohlekraftwerk lagert im Seehafen Rostock. Ab Donnerstag importiert die EU keine Kohle mehr aus Russland. (Symbolbild)

Die EU‑Staaten dürfen ab sofort keine russische Kohle mehr importieren. Seit Donnerstag gilt ein Kohleembargo gegen Russland, auf das sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bereits im April geeinigt hatten. Nach einer Übergangsfrist tritt das Importverbot nun in Kraft. Welche Auswirkungen könnte das für Deutschland, die EU und Russland haben? Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Warum ein Kohleembargo gegen Russland?

Das Importverbot für Kohle soll die russische Wirtschaft weiter schwächen. Die EU wolle damit nach eigenen Angaben den „starken Druck“ auf Russlands Präsident Wladimir Putin weiter erhöhen. Das Anfang April verabschiedete fünfte Sanktionspaket soll „die Möglichkeiten der russischen Regierung zur Finanzierung ihres Angriffskriegs auf die Ukraine schwächen“, erklärte die EU‑Kommission damals.

Bundeskanzler Scholz warnt vor „Renaissance der fossilen Energien“

Olaf Scholz hat davor gewarnt, dass die Reaktion auf den russischen Angriffskrieg nicht zu einer Rückkehr der Kohleenergie führen dürfe.

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Kohle ist damit der erste russische Energieträger, den die Europäische Union wirksam verbietet. Zwar hat die EU‑Kommission auch Sanktionen für russisches Erdöl beschlossen. Ein Ölembargo soll allerdings erst ab Ende dieses Jahres gelten. Auch seien hier Ausnahmen für einige besonders abhängige Länder vorgesehen – etwa Ungarn.

Warum eine Übergangsphase von 120 Tagen?

Innerhalb von vier Monaten sollten sich die EU‑Staaten auf das Kohleembargo vorbereiten. Auf Wunsch von Ländern wie Deutschland hatte man sich auf 120 Tage geeinigt. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) befürchtete im April noch eine Kohleknappheit, die auch die Stromversorgung hätte gefährden können. Eine Übergangsphase sollte es Industrie und Importeuren ermöglichen, die Lieferketten umzustellen.

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Lieferungen aus bestehenden Verträgen, durften in dieser Übergangsphase noch wie geplant eingeführt werden. Damit ist seit Donnerstag Schluss.

Was soll mit dem Importstopp erreicht werden?

„Das Kohleeinfuhrverbot wird Russland hart treffen“, versprach die EU‑Kommission im April. Russland würde jährlich Einnahmen in Höhe von 8 Milliarden Euro einbüßen, so die EU‑Schätzung. Europa ist Russlands größter Handelspartner in Sachen Kohle. Rund ein Viertel der russischen Kohleexporte gingen bislang in die EU.

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Lastwagen transportieren Kohle bei Nowokusnezk in Sibirien. Russlands größtes Kohlerevier liefert ab Donnerstag nicht mehr in die EU.

Lastwagen transportieren Kohle bei Nowokusnezk in Sibirien. Russlands größtes Kohlerevier liefert ab Donnerstag nicht mehr in die EU.

Mittlerweile hat Russland allerdings neue Abnehmer und Abnehmerinnen für seine Kohle gefunden – vor allem in Indien. Nach Angaben der indischen Beratungsfirma Coalmint hat das Land seine Importe russischer Kohle zwischen Juni und Juli um mehr als ein Fünftel erhöht. Damit ist Russland seit August drittgrößter Kohlelieferanten Indiens.

Alles nur Symbolpolitik?

Ja, meint etwa der Russlandexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Janis Kluge. Gegenüber der „Tagesschau“ sagte er im April, dass Russland im Vorjahr Kohle im Wert von etwa 4 Milliarden Euro in die EU exportiert hätte. „Kohle ist als Exportgut für Russland im Grunde völlig unbedeutend, und auch die EU als Abnehmer spielt für Russland eine untergeordnete Rolle“, so der Experte damals.

Kohle ist als Exportgut für Russland im Grunde völlig unbedeutend, und auch die EU als Abnehmer spielt für Russland eine untergeordnete Rolle.

Janis Kluge, Russlandexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik

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Seit Kriegsbeginn in der Ukraine hat die EU bereits 80 Milliarden Euro für fossile Energieträger aus Russland bezahlt. Das geht aus Daten der Forschungsorganisation Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) hervor. Davon kostete der Kohleimport die EU bisher rund 3 Milliarden Euro. Wesentlich mehr gibt Brüssel für Gas und Öl aus Russland aus: Rund 32 Milliarden Euro hat die EU für russisches Gas bezahlt, seit Putins Armee in die Ukraine einmarschierte. Für russisches Öl sogar 45 Milliarden Euro.

Was bedeutet das Kohleembargo für Deutschland?

Die russische Steinkohle wurde in Deutschland als Brennstoff für Kraftwerke und in der Industrie verwendet. Die in der Industrie benötigte Steinkohle wird aus anderen Teilen der Welt importiert, der Bedarf der Kraftwerke kann durch Braunkohle ersetzt werden.

Die deutschen Kohleimporteure rechnen trotz des Importverbots nicht mit Lieferengpässen, auch wenn im Vorjahr noch fast 50 Prozent der Steinkohle- und Koksimporte aus Russland stammten. „Kohle ist auf dem Weltmarkt verfügbar“, sagte Vorstandschef Alexander Bethe vom Verein der Kohlenimporteure (VdKi) der Deutschen Presse-Agentur dpa. Hauptlieferländer seien jetzt die USA, Südafrika, Australien, Indonesien und Kolumbien.

„Der Umstieg auf Alternativkohlen ist bis jetzt relativ problemlos verlaufen“, so Bethe. Einige Kraftwerke seien noch im Testbetrieb, was die neue Zusammensetzung des Kohlebrennstoffmixes angehe. Sie würden im September umgestellt.

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Was bedeutet der Importstoff für Polen?

Polen trifft der Importstopp deutlich härter. Etwa zwei Millionen Haushalte in Polen heizten bis heute mit Kohleöfen, erklärte zuletzt Energieexperte Daniel Czyzewski. Die Billigkohle aus Russland fehlt nun. Aus Sorge vor steigenden Kohlepreisen verabschiedete Warschau im Juli ein Gesetz, dass den Kohlepreis auf knapp 200 Euro (1000 Zloty) pro Tonne deckeln sollte.

„Die Großhandelspreise an europäischen Häfen nähern sich 2000 Zloty (400 Euro) pro Tonne, hinzu kommen noch Transport- und Vertriebskosten“, sagte Czyzewski dem Sender TVN. Importeure zögern angesichts der explodierten Preise, die Nachfrage wird zur nächsten Heizsaison allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit wieder wachsen. Experten und Expertinnen zweifeln, dass bis zum Winter genug Kohle in Polen angeschafft werden kann, um Engpässe zu verhindern.

RND/hyd mit Agenturmaterial

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