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Klimabilanz aller Autos und Antriebe

Faktencheck: Wie umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich?

Die Zahl der Ladepunkte nimmt stetig zu - die Transparenz beim Strom tanken aber leider nicht.

Elektroautos erfreuen sich trotz Vorurteilen steigender Beliebtheit – doch was ist an den Vermutungen dran?

München. Studien, die Klimabilanzen von Autos und Antriebsarten vergleichen, gibt es viele. Aber so umfassend von Produktion über Betrieb bis Recycling und das über praktisch den ganzen in Deutschland verfügbaren Neuwagenbestand hinweg, hat noch kein Forscherteam gearbeitet.

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Fast 800 Modelle von Verbrennern über Elektro- und Brennstoffzellenautos bis zu solchen mit Gasantrieb haben Johannes Buberger und andere Wissenschaftler der Bundeswehr-Universität München unter die Lupe genommen, um ihren Fußabdruck hinsichtlich des Klimakillers Kohlendioxid (CO₂) zu vergleichen. „Unsere Studie gibt den aktuellen Stand der Technik wieder“, versichert der Doktorand am Lehrstuhl für elektrische Energieversorgung.

„Berücksichtigt haben wir den gesamten Produktlebenszyklus“, erklärt der 26-Jährige. Das beginne bei Rohstoffen und erstrecke sich vom Energieverbrauch der Fertigung inklusive Batterien bis zum Betrieb der Fahrzeuge. Vom bis dahin anfallenden CO₂-Fußabdruck würden dann Recyclingquoten abgezogen, die Klimabilanzen verbessern.

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Erdgasfahrzeuge reduzieren Klimaschäden um die Hälfte

„Am meisten Treibhausgase produzieren Benziner“, stellt Buberger klar. Ein Fünftel weniger Klimaschadstoffe über den Lebenszyklus entstünden bei Dieselautos. Erdgasfahrzeuge kämen auf eine Reduzierung von knapp der Hälfte. Würden sie mit Biogas betrieben, seien es sogar 80 Prozent.

„Fahrzeuge mit Brennstoffzelle sind um 60 Prozent weniger klimaschädlich, wenn sie mit grauem Wasserstoff betrieben werden“, sagt der Forscher. Grau nennt man Wasserstoff, wenn er fossil ist und nicht durch erneuerbare Energien gewonnen wird. Die Variante mit grünem Wasserstoff hat die Studie nicht berücksichtigt, weil es die in Deutschland derzeit nicht flächendeckend gibt und die Studie ein realistisches Bild der Gegenwart habe zeichnen wollen, erklärt der Forscher.

Die Klimabilanz von Elektroautos sei auf Basis des aktuellen deutschen Strommixes berechnet worden. Ein Hybridfahrzeug mit Elektro- und Dieselmotor kommt dabei auf gut ein Drittel weniger Klimaschadstoffe. Beim Hybrid aus Elektro- und Benzinmotor ist es gut die Hälfte weniger. Stünde 100 Prozent Ökostrom zur Verfügung, wären es 70 Prozent weniger Klimaschadstoffe in der Hybridvariante mit Diesel und 75 Prozent weniger bei der mit Benzinmotor.

Vorurteile gibt es viele – aber nicht alle stimmen

„Am wenigsten Treibhausgase entstehen durch reine Elektroautos“, betont Buberger. Mit Strom aus dem heutigen deutschen Strommix würden sie über ihren gesamten Produktlebenszyklus um zwei Drittel weniger Klimaschadstoffe erzeugen, mit Ökostrom geladen knapp 90 Prozent weniger.

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Ihn selbst hätten die Ergebnisse nicht überrascht, sagt der Forscher, der sich als Autofanatiker bezeichnet. Aber in seinem Bekanntenkreis seien Vorteile von Stromern immer wieder angezweifelt worden. Deshalb habe er es genau wissen wollen und die Studie gemacht. Sie wurde gerade in der Fachzeitschrift „Renewable and Sustainable Reviews“ veröffentlicht, die in ihrem Schwerpunkt als weltweit führend gilt.

Den meist dominierenden Anteil am CO₂-Fußabdruck habe die Nutzungsphase von Autos, sagt Buberger. Nur bei Elektroautos, die rein mit Ökostrom geladen und bei Autos, die mit Biogas betrieben werden, habe die Produktion den größeren Einfluss.

Forscher: „Reine Elektroautos“ machen das Rennen

Beim Recycling, das den CO₂-Fußabdruck mindert, hätten Verbrenner noch Vorteile. Aber das Batterierecycling mache große Fortschritte, sodass diese für Elektroautos wichtige Komponente bald so gut wie komplett wiederverwertet werden könne.

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Zudem seien Elektroautobatterien heute so haltbar, dass Stromer mit einer Batterie über das gesamte Autoleben hinweg auskämen. Erste Anbieter gäben Batteriegarantien für eine Million Kilometer.

„Reine Elektroautos“, sagt der Forscher auf die Frage, welche Antriebsart das Rennen macht. Biogas sei vom CO₂-Fußabdruck her ähnlich. Aber um das in großen Mengen zu erzeugen, müsste Massentierhaltung massiv ausgebaut werden. Bei grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien gebe es Umwandlungsverluste von rund 60 Prozent. Am besten sei deshalb, Ökostrom direkt batterieelektrisch zu verwenden.

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