Kommentar

Wenn Klimaschutz zum Nebeneffekt wird

Ägypten, Scharm el Scheich: Ein Flugzeug fliegt über die Grüne Zone der UN-Klimakonferenz COP27.

Ägypten, Scharm el Scheich: Ein Flugzeug fliegt über die Grüne Zone der UN-Klimakonferenz COP27.

Frankfurt am Main. Der gerade vorgelegte Bericht des Global Carbon Project ist sehr schwere Kost für alle Klimaschützer. Das Wissenschaftlernetzwerk hat errechnet, dass die fossilen CO₂-Emissionen wieder steigen und inzwischen höher liegen als vor der Pandemie. Geht das so weiter, ist das Kohlenstoff-Restbudget zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad bereits in neun Jahren aufgebraucht.

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Dabei wissen alle, die halbwegs bei Sinnen sind, dass mehr als 1,5 Grad die verheerenden Katastrophen (Dürren, Überschwemmungen), die jetzt schon toben, vervielfachen werden. Warum tun die Politikerinnen und Politiker nicht mehr?

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Vorteil: Die Erneuerbaren werden billiger

Eine triftige Erklärung lässt sich aus der aktuellen Energiekrise ablesen. Sie macht nämlich – überzeichnet – deutlich, welche Folgen es hätte, wenn wir den Einsatz von Erdöl und Erdgas in normalen Zeiten auf einen Schlag massiv reduzieren würden. Schwere ökonomische Verwerfungen wären die Konsequenz. Und der Staatschef eines großen Industrielandes, der radikal auf Dekarbonisierung setzt, müsste sich einem verheerenden Shitstorm aussetzen, der ihn in kürzester Zeit aus dem Amt fegen würde. Und das für einen Effekt im Erdsystem, der sich frühestens in fünf Dekaden bemerkbar macht. Das widerspricht der Logik unserer politischen Systeme, die auf Wahlen im Abstand von wenigen Jahren beruhen. Sollten wir deshalb das ganze Theater mit Klimaschutz einfach sein lassen? Nein.

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Erste Analyse zur Weltklimakonferenz: Deutschland mit schwerem Gepäck in Ägyten

Werden es mehr als nur leere Worte sein? RND-Redakteur Maximilian Arnhold sieht die Klima-Versprechen des Bundeskanzlers auf der COP 27 zwiegespalten.

Auch da hilft die aktuelle Energiekrise: Mit einer Orientierung auf kurzfristigere Ziele. Das neue Zauberwort heißt Energiesouveränität, also die Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten. Es gilt, sie so schnell wie möglich zu erringen. Das geht nur mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien – die einen weiteren unschätzbaren Vorteil haben: Sie werden immer billiger, hier sind die technischen Möglichkeiten noch längst nicht ausgeschöpft. Alles entscheidend sind konsequente Politiker, die das für die Bürgerinnen und Bürger Zumutbare ausloten und beispielsweise die aktuell notwendige Ausweitung der fossilen Energien so schnell wie möglich wieder zurückfahren. Dann wird sich Klimaschutz – quasi als Nebeneffekt – einstellen.

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