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Kolumne „Weltwirtschaft“

Kein Chinese ohne Seuchenschutzanzug: Leben im Land der Quarantäne

Teststationen gibt es in China an jeder Ecke. Jungen Leuten bieten sie Übergangsjobs, solange andere Betriebe lahmgelegt sind.

Teststationen gibt es in China an jeder Ecke. Jungen Leuten bieten sie Übergangsjobs, solange andere Betriebe lahmgelegt sind.

Das Hotel, in dem ich seit nunmehr drei Tagen wohne, hat ein ziemlich miefiges Interieur. Die Flurteppiche sind mit Plastik ausgelegt, und das Essen kommt nicht an das Niveau einer durchschnittlichen Uni-Mensa heran. Dennoch scheinen nahezu alle Zimmer ausgelastet zu sein – auch wenn wir diese, wie in einem Gefängnis, nicht einmal eigenständig verlassen dürfen. Wann immer ich die Tür zu lange öffne, piept ein Alarm.

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Keine Begegnung ohne Schutzanzug

Diese Eindrücke aus einem chinesischen Quarantänehotel mögen Ihnen in Europa etwas surreal vorkommen. Auch auf mich wirkt die neue Lebensrealität nach zwei Monaten Heimaturlaub mehr als befremdlich: Während in Deutschland nur noch eine Minderheit beim Supermarkteinkauf Maske trägt, habe ich seit meiner Rückkehr in China bisher noch keinen Chinesen ohne Seuchenschutzanzug gesehen. Ohne Frage: Quarantäne wird hier ernst genommen.

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Die „Null-Covid“-Strategie hat der chinesischen Wirtschaft einen satten Dämpfer verpasst. Doch sie hat gleichzeitig auch eine eigenständige Industrie hervorgebracht: Während der Tourismus brachliegt, werden die Hotels nun für Einreisende zu Isolationszentren umfunktioniert. Hunderttausende im Land haben zudem neue Jobs als Gesundheitsmitarbeiter gefunden – und helfen dabei, täglich Abermillionen Chinesen durchzutesten. Oder während der Lockdowns die Essensversorgung zu sichern.

News Bilder des Tages 220204 -- BEIJING, Feb. 4, 2022 -- Chinese President Xi Jinping holds talks with Russian President Vladimir Putin at the Diaoyutai State Guesthouse in Beijing, capital of China, Feb. 4, 2022.  CHINA-BEIJING-XI JINPING-RUSSIA-PUTIN-TALKS CN LixTao PUBLICATIONxNOTxINxCHN

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Rachenabstrich statt Kellnern

Die PCR-Teststationen gehören längst zum Stadtbild jedet chinesischen Ortschaft. Laut offizieller Anweisung sollen sie nicht länger als 15 Minuten Fußmarsch entfernt sein. Es wird geschätzt, dass die Regierung knapp 2 Prozent des Bruttonlandprodukts in die Testinfrastruktur investiert. Für viele junge Leute, die derzeit keinen Job auf dem angespannten Arbeitsmarkt bekommen, hat sich also eine durchaus lukrative Übergangszeit ergeben: Statt Kellnern oder Nachhilfejobs machen sie nun täglich Hunderte Rachenabstriche.

Wobei dieser Übergangszustand nun schon deutlich länger dauert als gedacht. Nach wie vor, auch im dritten Jahr der Pandemie, gibt es im Reich der Mitte wenig Anzeichen für eine baldige Lockerung der Corona-Maßnahmen.

Volkwirtschaftlich eine krasse Verschwendung

Viele von ihnen sind – genau wie die fünf PCR-Tests, die ich in den vergangenen Tagen verabreicht bekam – volkswirtschaftlich eine krasse Ressourcenverschwendung. Doch während ich meine Zwangsquarantäne zu Ende absitze, tröstet mich zumindest der Gedanke, dass ich ein marodes Hotel vor der Pleite und die Belegschaft vor der sicheren Kündigung bewahre.

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