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Tausende Flüge gestrichen

„Abbau deutlich übertrieben“: Personalprobleme der Lufthansa spitzen sich zu

Eine Passagiermaschine vom Typ Boeing 747 der Lufthansa startet vor dem Tower des Flughafens zu einem Transatlantikflug.

Berlin. Erneut hat Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa angekündigt, in den kommenden Wochen Flüge zu streichen. Diesmal sind es 2200 Flüge, die an an den Drehkreuzen Frankfurt und München aus dem System genommen werden sollen. Für Reisende kommt das zur Unzeit: Am Wochenende startet mit Nordrhein-Westfalen das bevölkerungsreichste Bundesland in die Sommerferien – ein Stresstest für viele Flughäfen.

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Wegen Personalnot: Lufthansa streicht Hunderte Flüge

Die Nachfrage nach Flugreisen steigt nach zwei Jahren Corona-Pandemie sprunghaft. Lufthansa muss darauf nun mit Streichungen reagieren.

Das Unternehmen leidet unter Personalnot. Bereits vor Wochen hatte es angekündigt, etwa 900 Flüge im Juli zu streichen. Nach Lufthansa-Angaben leide die „gesamte Luftfahrtbranche insbesondere in Europa“ unter Engpässen und Personalmangel. Nun machen sich auch die gestiegenen Corona-Zahlen bemerkbar: „In den vergangenen Tagen kam es zu kurzfristigen Krankmeldungen unserer Crews“, teilt das Unternehmen mit. Es verweist auf „industrieweite Herausforderungen“. Die Lufthansa sei derzeit dabei, nach Möglichkeit zusätzliches Personal zu rekrutieren.

Behle: Mit dem Abbau deutlich übertrieben

Christine Behle vom Verdi-Bundesvorstand befürchtet jedoch, dass sich die Situation eher noch zuspitzen wird. „Wenn die Lufthansa jetzt nicht schnell handelt, suchen sich gerade jüngere Leute etwas anderes“, sagt sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Den Druck, beispielsweise am Schalter, halte man nicht unbegrenzt aus. Für sie ist es nicht verwunderlich, dass die Kranich-Airline nun vor so großen Stellenproblemen steht.

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„Lufthansa hat wie viele andere Airlines auch in der Pandemie Personal abgebaut“, so die stellvertretende Verdi-Vorsitzende. Natürlich sei die Luftbranche in den vergangenen Jahren auch in einer sehr schwierigen Situation gewesen. „Aber es wurde mit dem Abbau deutlich übertrieben“, so ihr Fazit.

Viele Lufthansa-Beschäftigte orientierten sich um

So habe es bei der Lufthansa beispielsweise „gute Abfindungsprogramme“ gegeben, die es den Leuten schmackhaft machten, sich woanders umzuschauen. „Da sind ganz viele gegangen“, sagt Behle, die auch im Aufsichtsrat der Lufthansa sitzt. Und genau diese Leute würden nun fehlen. Die Airline hätte allerdings auch in Krisenzeiten darauf achten müssen, einen bestimmten Schnitt an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu halten, um wieder hochfahren zu können.

Anders als bei anderen Fluggesellschaften sieht sie jedoch nicht das Problem in der mangelnden Aufstockung vom Kurzarbeitergeld. „Das ist nicht das Problem der Lufthansa, das ist eher bei anderen Unternehmen“, so Behle. Bei der Lufthansa habe es einen Tarifvertrag gegeben und Aufstockungen von bis zu 90 Prozent.

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Personalnot auch in anderen Branchen

Die Flugbranche ist nicht der einzige Sektor, der derzeit unter Personalnot leidet. Auch auf dem Bau oder in der Gastronomie sind zahlreiche Stellen unbesetzt. Doch wo zieht es die Menschen hin? Für die Flugbranche kann Christine Behle konkreter werden: „Ziemlich viele sind zur Bahn oder in den Logistikbereich gegangen“, sagt sie. Auch der Einzelhandel sei für sie eine attraktive Alternative gewesen. „Es gibt viele Bereiche, wo teilweise besser bezahlt wird und sichere Arbeitsbedingungen herrschen als bei der Lufthansa – gerade auf die Pandemie bezogen.“

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Damit sich das zukünftig ändert, steht für die Gewerkschafterin fest: „Es braucht attraktive Arbeitsbedingungen.“ Viele Mitarbeiter seien am Rande ihrer Kräfte. Dabei setzt Verdi auch auf die anstehende Tarifrunde in der kommenden Woche. „Wir haben zu deutlichen Lohn­steigerungen um 9,5 Prozent aufgefordert“, erklärt Behle. Insbesondere bei Beschäftigten im gewerblichen oder im Cargo-Bereich würden Löhne unterhalb des künftigen gesetzlichen Mindestlohns gezahlt. „Die Lufthansa ist in einer schwierigen Situation, auch wirtschaftlich, das darf aber nicht auf Kosten der Beschäftigten gehen“, sagt sie. „Aber aus unserer Sicht ist es eine Überlebensfrage, in die Menschen zu investieren, die den Betrieb aufrechterhalten müssen.“

Lufthansa kündigt bereits 600 weitere Streichungen an

Die Reiselust der Deutschen nimmt wieder zu. Vielerorts sind die Einreisebeschränkungen gefallen und nach den harten Pandemiejahren zieht es viele raus, um Sonne zu tanken. Wie ein Lufthansa-Sprecher auf RND-Anfrage mitteilt, sollen die nun angekündigten Streichungen allerdings nicht „die in der Ferienzeit gut ausgelasteten klassischen Urlaubsziele“ betreffen. Besonders innerdeutsche und innereuropäische Flüge würden nun wegfallen.

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Allerdings könne es bei den Flügen auch zu „Zeitenänderungen“ kommen. Und der Sprecher kündigt direkt schon die nächsten Streichungen an: „Für die erste Septemberhälfte wird Lufthansa in der nächsten Woche weitere 600 Flüge von insgesamt rund 15.000 geplanten Flügen streichen.“

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