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Rundgang über die IAA: sieben Dinge, die in diesem Jahr anders sind

IAA MOBILITY in München. Statt Autoshow hat sich die Messe zu einer ganzheitlichen Mobilitätsmesse gewandelt. Autos werden fast ausschließlich mit Elektromotoren gezeigt, Verbrennermotoren sind eher eine Ausnahme.

IAA MOBILITY in München. Statt Autoshow hat sich die Messe zu einer ganzheitlichen Mobilitätsmesse gewandelt. Autos werden fast ausschließlich mit Elektromotoren gezeigt, Verbrennermotoren sind eher eine Ausnahme.

München. Wagte man sich früher als Journalist am ersten Pressetag auf die IAA, musste man hart im Nehmen sein: Atemberaubende Bildwelten blitzten von überdimensionierten taghellen LED-Wänden in die bald tränenblinden Augen, donnernde Klangteppiche verwirrten das Hörorgan und der schnelle Rhythmus der Pressekonferenzen peitschte die Journalisten und Journalistinnen hektisch durch die Quadratkilometer großen Hallen. Und alles war voll mit Autos. Autos, so weit das Auge reichte. 2021 ist davon nichts mehr übrig: In wenigen kleinen Hallen präsentieren weniger Hersteller ruhig und entspannt einige wenige Modelle.

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Damit soll aber nicht gesagt sein, dass früher alles besser war. Im Gegenteil: Eine so ruhige und fokussierte IAA ist ein gewaltiger Fortschritt gegenüber der Monstershow von früher. Und sie signalisiert markant, dass sich Mobilitätsbranche noch schneller und drastischer wandelt, als sie das selber vor Kurzem noch angenommen hat. Das zeigt sich an verschiedenen Punkten:

1. Kaum Autos

Es ist schon erstaunlich, wie wenige Autos auf der immer noch IAA (Internationale Automobilausstellung) genannten Messe zu sehen sind. Während die Hersteller früher grundsätzlich alle Modelle der Palette präsentierten, sind jetzt häufig nur einige wenige Autos zu sehen.

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Bei VW sind ausschließlich iD-Modelle auf dem Stand. Im Mittelpunkt die Studie iD Life, die in Kürze Elektroautos auch für Einsteiger und Einsteigerinnen und junge Leute attraktiv machen soll. Der Clou: Es gibt gar kein festes Display mehr, die einzige Schnittstelle ist das Smartphone.

Auch bei Audi gibt es nur ein Concept-Car zu bestaunen, den Grand Sphere Concept. Und Porsche blickt in die Zukunft des Motorsports und zeigt als Ausblick einen vollelektrischen GT-Kundensport-Renner.

Bei BMW steht ebenfalls eine Studie im Mittelpunkt: der BMW i Vision Circular, der völlig aus recyceltem Rohstoff besteht. Ansonsten nur die bekannten iX und i4, daneben im Halbdunkel ein paar noch bekanntere Plug-in-Hybride.

Wie es anders geht, zeigt Mercedes: Binnen eines Jahres haben die Stuttgarter eine komplett neue elektrische Modellpalette rausgehauen, zuletzt im Monatstakt: EQA, EQC, EQE, EQS – alle auf der Messe und demnächst auf der Straße.

2. Weniger Aussteller

Kar, die deutschen Hersteller sind da, Renault hält als einziger Franzose tapfer die Stellung, aber der Rest der etablierten Autowelt ist nahezu komplett zu Hause geblieben: Die gesamte Stellantis-Gruppe fehlt unter anderem mit Marken wie Fiat, Jeep, Peugeot, Citroen oder Opel. Auch die Japaner sind lieber daheim geblieben und Tesla kommt sowieso nie. Wird die IAA eine deutsche Regionalmesse?

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3. Weniger bombastische Reden

Früher kam es schon mal vor, dass erst Bryan Adams ein Liedchen trällerte und dann der Audi-Chef noch eins draufsetzte. Auf der IAA haben die Autobosse auch bei ihren Reden gern aufgetragen. 2021 sieht das so aus: leichte Musik, Regentropfen, Windgeräusche, Licht an. „Hallo, ich bin der Oliver/Ola/Marcus und das sind unsere Nachhaltigkeitsziele. Bis 2036/2040/2046 sind wir CO₂-neutral. Danke. Tschüs.“

4. Selbstbewusste Zulieferer

Dick auf tragen auf der IAA 2021 eher die Zulieferer. Beispiel Bosch-Chef Volkmar Denner: „Die Elektromobilität wird für uns zum Kerngeschäft.“ Umsatzwachstum alleine in diesem Jahr: 10 Prozent. Das es bei den großen Zulieferern so gut läuft, ist kein Wunder: Branchengrößen wie Magna, Conti/Schaeffler oder Bosch bieten mittlerweile komplette Antriebssysteme an, dazu komplexe Fahrzeugsteuerungen von Herstellern wie ZF und fertig ist das Auto. Kunden müssen nur noch eine Karosserie draufsetzen und alles zusammenbauen.

5. Starke Chinesen

Die besten Kunden der deutschen Zulieferer kommen aus der aufstrebenden Autonation China, die auf der IAA überraschend stark präsent ist. Hersteller wie GWM (Great Wall Motors) locken mit schicken Ständen und noch schickeren Autos. Der Ora Cat ist ein knackiges Einsteiger E-Auto, wie es sich junge Menschen wohl schon lange gewünscht haben, und der WEY Coffee 1 eine schöne Studie zum Thema Lounge-Limousine.

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6. Umsonst und draußen

Um die Messe zu den Menschen zu bringen, sind auf verschiedenen Plätzen in München sogenannte Open Spaces eingerichtet worden. Hier präsentieren Hersteller Autos und Ideen, dazu können Probefahrten mit E-Autos gebucht werden. Zur reibungslosen Verbindung ist eine „Blue Lane“ zwischen Messegelände und Open Spaces eingerichtet worden, die E- und Shuttle-Fahrzeugen vorbehalten sind. Ob dieses Konzept von den Münchnern angenommen wird, werden die nächsten Tage zeigen.

7. Fahrräder

Das Die IAA den neuerdings des Namenszusatz Mobility trägt, hat auch mit der Erweiterung um den Fahrradsektor zu tun. Mobilität wird ab sofort ganzheitlich betrachtet (und die Fußgänger und Fußgängerinnen werden durch viele Start-ups repräsentiert, die sich um Sicherheit und Vernetzung bemühen). Mehr als 50 Bike-Hersteller stellen aus, und sowohl auf der Messe als auch in der Innenstadt können Interessierte (E-)Bikes testen.

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