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Er steigt und steigt

Wie unser Gaspreis entsteht

Bald auf Sparflamme? Vielerorts ist die Sorge vor den Erhöhungen der Strom- und Gaspreise ausgeprägt – auch in Pritzwalk war sie kürzlich Thema (Symbolfoto).

Bald auf Sparflamme? Vielerorts ist die Sorge vor den Erhöhungen der Strom- und Gaspreise ausgeprägt (Symbolfoto).

Preisbildung, das ist der Prozess, wie ein Preis durch das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage zustande kommt – so steht es im Wirtschaftslexikon. Doch so einfach, wie es in betriebswirtschaftlichen Grundkursen gelehrt wird, ist es beim Gaspreis schon lange nicht mehr – wie Millionen Gaskunden seit Monaten bitter erfahren müssen. Denn das Angebot auf dem Markt ist noch immer üppig, allein die unsichere Zukunft treibt derzeit den Preis.

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Eine Kilowattstunde Gas kostet derzeit 36,3 Cent

Eine Kilowattstunde Gas kostet im Mittel derzeit 36,3 Cent für Neukunden. Das geht aus Daten des Vergleichsportals Verivox hervor (Stand: 15. September 2022). Bestandskunden zahlen meist weniger. Der mittlere Preis der vergangenen sieben Tage ist im Vergleich zur Vorwoche um 5,8 Prozent gesunken. Vor einem Jahr um diese Zeit lag der Preis für Neukunden bei 5,9 Cent pro Kilowattstunde.

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Doch wie bildet sich der Gaspreis? Sowohl aktuelle Ereignisse wie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine als auch langfristige Trends wie die Globalisierung und die Energiewende wirken auf den Gaspreis, den die Abnehmer in Deutschland am Ende bezahlen. Hinzu kommt, dass der Gaspreis in den gesamten Markt für Energierohstoffe eingebunden ist. Das war nicht immer so.

Bis vor rund einem Jahrzehnt reagierte der Erdgaspreis mit einer Verzögerung von drei bis sechs Monaten auf die Preisentwicklung beim Öl. Üblich waren stets langfristige Lieferverträge, die Klauseln enthielten, laut denen der Gaspreis an den Ölpreis geknüpft war. Diese Bindung an den Ölpreis existiert nicht mehr.

Der Gaspreis entwickelt sich weitgehend unabhängig vom Ölpreis, was daran liegt, dass er zunehmend den normalen Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage unterliegt. Zunehmenden populär ist LNG (liquefied natural gas), Flüssiggas, das ähnlich wie Öl per Schiff transportiert wird. War das Gasgeschäft früher eine langfristige Abmachung zwischen Exporteur und Importeur, so ist der Preis für LNG dem globalen Spiel von Angebot und Nachfrage unterworfen.

Normalerweise ist Erdgas aus Pipelines günstiger, weil dessen Transportkosten geringer sind. Flüssigerdgas muss beim Exporteur erst aufwendig runtergekühlt werden, um das Volumen zu verkleinern. Dieser Prozess ist energieintensiv und kostspielig. Erst danach kann das Flüssigerdgas über LNG-Terminals in spezielle Frachter gepumpt und verschifft werden. Für Gas aus Röhren und LNG gibt es daher unterschiedliche Preise. Dass Russland seine Gasexporte als Waffe gegen den Westen missbraucht, hat dem LNG-Markt einen enormen Auftrieb verliehen.

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Das führt dazu, dass der globale Gasmarkt, der früher unabhängig von politischen Ereignissen beinahe konstante Preise hatte, heute beinahe seismografisch auf jede Erschütterung reagiert.

Hoffnungsträger LNG: Ein Tanker wird in Katar mit Flüssiggas befüllt.

Hoffnungsträger LNG: Ein Tanker wird in Katar mit Flüssiggas befüllt.

Eines der wichtigsten Barometer für den globalen Erdgasmarkt ist der US-Börsenpreis Henry Hub Natural Gas. Er beschreibt den Preis für Erdgas, welches am nächsten Tag in den USA ausgeliefert wird. Er gibt den globalen Takt für den Gaspreis an – so verdoppelte sich der Gaspreis dort kurz nach dem Einmarsch der russischen Armee in der Ukraine. Der US-Börsenpreis Henry Hub Natural Gas reagiert allerdings stets vor dem Hintergrund, dass grundsätzlich genug Gas zur Verfügung steht.

Unser Gas wird an der EEX gehandelt

Daher gibt es auch keinen weltweit einheitlichen Gaspreis. Unser Erdgas wird physisch vor allem an der EEX (European Energy Exchange) in Leipzig gehandelt – Europas größtem Spotmarkt für Erdgas. Abnehmer können dort kurzfristig Kontrakte für Erdgas abschließen, der Preis richtet sich nach Lieferort (Hub).

Das beispielsweise nach Deutschland gelieferte Erdgas kostet am Spotmarkt EEX derzeit 190 Euro je Megawattstunde. Im belgischen Zeebrügge sind es dagegen 200 Euro je Megawattstunde Erdgas. Eine Megawattstunde entspricht 1000 Kilowattstunden.

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Die 36,3 Cent, die der Endverbraucher derzeit bei neuen Verträgen an das Versorgungsunternehmen bezahlen muss, entsprächen also etwa dem doppelten Preis, den der Großabnehmer an der EEX zu bezahlen hat, der allerdings stets langfristig kalkulieren und zudem Verteilung, Wartung und Personalkosten zu entrichten hat.

Neben dem physischen Markt für Erdgas existiert an der Leipziger EEX auch ein finanzieller Markt, an dem spezielle Papiere (Futures) gehandelt werden, mit denen sich Händler und Abnehmer gegen fallende oder steigende Preise absichern – je nach Interessenlage.

RND/stu

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