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Fischsterben in der Oder

Umweltforscher: Ökosystem ist „massiv gestört, aber nicht zerstört“

Tote Fische schwimmen an der Wasseroberfläche der Oder.

Tote Fische schwimmen an der Wasseroberfläche der Oder.

Das massive Fischsterben in der Oder hat verheerende Auswirkungen auf das Ökosystem. „Der Schaden ist immens und gravierend“, sagte Wolf von Tümpling, Leiter der Abteilung „Gewässeranalytik und Chemometrie“ am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg, im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das ist ein Ereignis, das in dieser Dimension absolut außergewöhnlich ist.“

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Besonders beeinträchtigt durch die Umweltkatastrophe seien die Nahrungsketten: Vögeln wie Fischreihern fehlt eine wichtige Nahrungsgrundlage; große Fische, die noch mal hätten laichen können, sind verendet, sodass es nun an Nachfolgegenerationen mangelt. Und auch für den Menschen hat das Fischsterben Folgen: Die Fischerei kann nicht mehr so betrieben werden wie gewünscht. Es entsteht ein wirtschaftlicher Schaden.

Oder kann sich regenerieren

Das Ökosystem sei „massiv gestört, aber nicht zerstört“, sagte von Tümpling. Erste kleinere Fische seien bereits gesichtet worden. Aus Sicht des Umweltforschers spricht das dafür, dass eine Schadstoffwelle das Fischsterben verursacht hat. Tiere, die die Chance hatten, der Welle auszuweichen, zum Beispiel indem sie sich in Nebenflüssen aufgehalten haben, lebten noch. „Aber es wird dauern, bis sich ein neues Gleichgewicht im Fluss einstellt.“

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Ob und wie schnell sich die Oder regeneriert, hängt auch von der Art des Schadstoffes ab. Noch ist unklar, was genau zu dem Massensterben geführt hat. Besonders auffällig ist der hohe Salzgehalt, der im Fluss gemessen wurde. Zu viel Salz kann dafür sorgen, dass die Tiere austrocknen, weil ihrem Körper Wasser entzogen wird. Ob das die alleinige Ursache ist, müssen die Behörden nun prüfen. Schwermetalle und erhöhte Quecksilberwerte als Verursacher schließen die polnischen Behörden aus.

Suche nach dem Schadstoff ist ein „Krimi“

„Im schlimmsten Fall könnte es passieren, dass sich die Ursache überhaupt nicht herausfinden lässt“, sagte von Tümpling. Er beschreibt die Suche nach dem Schadstoff als „Krimi“. Denn es kann sein, dass sich der gesuchte Schadstoff schnell zersetzt und somit nicht mehr nachweisbar ist. Dass die Ursache für das Fischsterben in der Oder noch unbekannt ist, habe nichts mit der Trägheit von Behörden oder von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu tun. „Den ursächlichen Schadstoff zu finden, ist extrem schwierig.“

Zumindest die umliegende Natur dürfte keinen allzu großen Schaden davontragen. Im Fall einer Schadstoffwelle hat sich diese nur kurzzeitig auf Auen, Wiesen und Felder ausgewirkt. Eine Belastung des Grundwassers mit Schadstoffen schließt von Tümpling aus. „Ich gehe im Moment davon aus, dass die Verunreinigungen keine verheerenden Konsequenzen für den Außenbereich haben.“

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Lesen Sie hier das vollständige Interview

RND/lb

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