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Ungewöhnlicher Besuch

Kängurus in Indien? Warum die Beuteltiere plötzlich Tausende Kilometer fernab ihrer Heimat auftauchen

Kängurus werden von Schmugglern oft als exotische Haustiere vermarktet.

Kängurus kommen in Indien normalerweise nicht in freier Wildbahn vor. Dass drei halb verhungerte Tiere nun Anfang April in Indien auftauchten und auch kein Zoo sie als vermisst gemeldet hatte, war ohne Frage ein rätselhafter Fall. Videos der hüpfenden Tiere verbreiteten sich schnell über die sozialen Medien. Die drei Beutler erregten landesweites Interesse. Mehrere lokale Medien, darunter beispielsweise Firstpost.com, berichteten über die kuriosen Lebewesen, die so gar nicht in die indische Landschaft passten.

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Schnell wurde jedoch klar, dass der Vorfall einen ernsten Hintergrund hatte und sich die Kängurus mit Sicherheit nicht zufällig nach Indien verirrt hatten. Vielmehr steckt wohl illegaler Wildtierhandel dahinter. So sprachen Wildtierexpertinnen und Wildtierexperten schnell die Vermutung aus, dass die Tiere in Zuchtanlagen in Südostasien geboren und über Land nach Indien geschmuggelt wurden. Dort sollten sie vermutlich als exotische Haustiere veräußert werden.

Eine These, über die Medien spekulierten, war, dass die Beuteltiere aus Myanmar nach Indien kamen, dann aber freigelassen wurden, weil die Schmuggler von der Polizei gestoppt wurden und eine Verhaftung fürchteten.

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Sammelleidenschaft für exotische Tiere

Die Tierschutzorganisation Traffic schrieb auf Twitter, dass sie in Indien einen Anstieg von Fällen registriert hätte, in denen exotische Tiere geschmuggelt wurden. „Menschen mit verfügbarem Einkommen erwerben diese Tiere zum Spaß oder um in ihrer Privatsammlung mit ihnen anzugeben“, sagte der Experte Saket Badola vom Indien-Büro von Traffic.

Obwohl Indien das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES unterzeichnet hat, gibt es im Wesentlichen „kein Gesetz“, nach dem Menschen wegen des Besitzes exotischer Arten verhaftet oder strafrechtlich verfolgt werden können, wie Belinda Wright, eine Wildtieraktivistin in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi, der „New York Times“ sagte. Die Behörden können sich nur auf Zollvorschriften berufen, die Menschen daran hindern sollen, Tiere zu schmuggeln.

Exotische Papageien sind besonders begehrt

Deswegen gehört Indien bisher zu den 20 Ländern, in denen der illegale Handel mit Wildtieren besonders schlimm wütet. Im Juni 2020 beispielsweise bot das Ministerium für Umwelt, Wald und Klimawandel Inderinnen und Indern, die exotische Arten ohne Dokumentation in ihrem Besitz haben, eine Amnestie an. Das Angebot galt für Pflanzen wie auch Tiere, die aus ihrer ursprünglichen Heimat entfernt wurden. Mehr als 32.000 Privatpersonen meldeten sich letztendlich bei der Behörde und gestanden, solche Tiere zu besitzen. Vor allem exotische Papageien sind wohl begehrt.

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Inzwischen arbeiten Politikerinnen und Politiker im indischen Parlament zwar an neuen Regulierungen – diese sollen vor allem Gesetzeslücken schließen, die Tierschmuggler derzeit noch ungestraft davonkommen lassen –, doch bisher sind diese eben noch nicht umgesetzt. Zu hoffen ist jedoch, dass die landesweite Aufmerksamkeit, die der aktuelle Vorfall dank sozialer Medien und Medienberichterstattung erhalten hat, den Prozess beschleunigen wird.

Schuppentier ist meistgehandeltes Tier

Denn ein Einzelfall sind die drei Kängurus nicht: Auch im März wurde im Distrikt Alipurduar in Westbengalen schon einmal ein Känguru aus einem Lastwagen gerettet. Und im Juli 2020 hatten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Forstbehörde einst ein rotes Riesenkänguru in der Nähe der Grenze zwischen Assam und Mizoram beschlagnahmt.

Kängurus sind dabei nur eine von vielen Arten, die dem illegalen Handel zum Opfer fallen. Als die Forstbeamten von Assam das rote Riesenkänguru entdeckten, war es bei Weitem nicht das einzige Tier auf der Ladefläche des Lastwagens: Sechs Hyazinth-Aras und zwei Kapuzineraffen aus Südamerika sowie drei Aldabra-Riesenschildkröten, die ursprünglich auf den Seychellen leben, wurden ebenfalls in Plastik und Kartons verpackt gefunden.

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Während exotische Papageien besonders begehrt sind, ist das meistgehandelte Tier weltweit jedoch das Schuppentier – auch Pangolin genannt. In ihrem Fall boomt die Wilderermafia vor allem deswegen, weil der Aberglaube nach wie vor so groß ist. Denn die Tiere gelten vor allem in Asien als Delikatesse, Wunderheilmittel und Partydroge. Während die meisten Pangoline es nicht überleben, hatten die drei indischen Kängurus jedoch Glück im Unglück: Sie wurden zur Erholung in einen Zoo geschickt und werden wohl auch dauerhaft ein Heim in einem Tierpark finden.

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