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Gesundheit, Nachhaltigkeit und Preis

Mineralwasser versus Leitungswasser: Was ist besser?

Die Qualität des eigenen Leitungswassers lässt sich per Wasseranalyse auch überprüfen.

Das Kistenschleppen kann zwar mitunter lästig sein, Mineralwasser überzeugt dennoch viele, etwa mit Sprudel und manchmal auch mit Mineralstoffen. Leitungswasser kommt hingegen still aus dem Hahn und hat sicherlich auch kaum gute Mineralien – oder? Mindestens 1,5 Liter Wasser soll jeder und jede täglich trinken. Mal wird dabei zum Mineralwasser gegriffen und beim nächsten Mal nur der Hahn aufgedreht. Aber was ist wirklich besser von der Qualität? Wir klären auf.

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Mineralwasser oder Leitungswasser: Was ist sauberer?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Grundsätzlich ist das Trinkwasser in Deutschland laut einem Bericht des Umweltbundesamtes von 2021 zwar grundsätzlich „von guter bis sehr guter Qualität“. Das kann sich jedoch von Ort zu Ort unterscheiden. Das Trinkwasser wird meist aus Grundwasser oder Oberflächen­wasser gewonnen, also aus Seen und Flüssen. So können einige Schadstoffe wie Pestizide und Nitrat das Wasser belasten. Gerade in landwirtschaftlich stark genutzten Bereichen können daher Grenzwerte im Grundwasser überschritten werden. Nachdem die EU-Kommission 2016 wegen hoher Nitratbelastung des deutschen Grundwassers sogar Klage erhoben und der Europäische Gerichtshof Deutschland zwei Jahre später verurteilt hatte, sind die Regeln für das Düngen in der Landwirtschaft verschärft worden.

Aber: Es kommt auf die Menge an. Ein Test von Stiftung Warentest zeigte beispielsweise, dass kritische Stoffe zwar oft im Trinkwasser entdeckt wurden. Doch alle Proben hielten die Grenzwerte ein. Das Trinkwasser wird hierzulande mehrstufig aufbereitet und grundsätzlich also auch ausreichend streng kontrolliert. Bei Altbauten können jedoch laut „Öko-Test“ auch noch die letzten Meter zum Wasserhahn das Wasser verunreinigen, zum Beispiel können alte Bleirohre Schadstoffe auf das Wasser übertragen.

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Tipps: Da es hier auf den Wohnort ankommen kann, fragen Sie beim örtlichen Wasserversorger oder Gesundheitsamt nach der Qualität, oder lassen Sie ihr Wasser selbst per Trinkwasseranalyse prüfen. Außerdem: Sollte das Wasser aus dem Hahn einige Stunden nicht benutzt worden sein und im Rohr gestanden haben, lassen Sie etwa einen halben Liter durchlaufen, bevor das Wasser getrunken wird. Dazu rät Stiftung Warentest.

Mineralwasser wird meist aus tiefer gelegenen Quellen gewonnen und später weniger behandelt. Daher ist es besser vor – zumindest menschengemachten – Umwelteinflüssen geschützt. Doch auch dort können Schadstoffe hingelangen, wie Umweltanalytiker Christian Zwiener „Öko-Test“ erklärt. Außerdem kritisiert „Öko-Test“, dass in der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung zwar vorgeschrieben werde, das Wasser solle „vor Verunreinigungen geschützt“ und „von ursprünglicher Reinheit“ sein – konkrete Kriterien zur Beurteilung fehlten jedoch. Eine Qualitätsgarantie sei es dadurch für Verbraucherinnern und Verbraucher nicht. In Teilen sei die Trinkwasserverordnung damit sogar strenger als die Mineralwasserverordnung. So zeigen Tests sowohl von „Öko-Test“ als auch von Stiftung Warentest: Die meisten Mineralwasser wiesen keine Verunreinigungen auf – aber eben nicht alle.

Das Fazit hierbei lautet also: Mineralwasser ist besser vor Verunreinigungen geschützt als Trinkwasser. Dennoch finden sich in beiden oftmals kritische Stoffe, die Mengen sind aber meist gesundheitlich unbedenklich. Die Kriterien sind beim Trinkwasser teilweise sogar strenger als beim Mineralwasser. Was also sauberer ist, ist abhängig vom Wohnort und vom Hersteller des Mineralwassers.

Mineralwasser oder Leitungswasser: Was ist mineralstoffreicher?

Auch hier gilt: So einfach ist die Antwort nicht. Denn Mineralwasser muss nicht zwangsläufig mineralstoff­reich sein. Bis 1980 war es Pflicht, dass Mineralwasser mindestens 1000 Milligramm Mineralstoffe enthielten. Die EU ließ diese Vorgabe wieder fallen. Laut einem Test von Stiftung Warentest enthalten die getesteten Mineralwasser im Durchschnitt etwa 790 Milligramm Mineralstoffe. Das Mineralwasser mit dem niedrigsten Gehalt hatte jedoch gerade mal 57 Milligramm.

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Da kann Leitungswasser mithalten, denn auch das Leitungswasser enthält Mineralstoffe. Das mineralstoffreichste getestete Wasser aus dem Hahn hatte ganze 786 Milligramm Mineralstoffe. Durchschnittlich sind es jedoch etwa 380 Milligramm.

Grundsätzlich lassen sich alle Mineralstoffe, wie Kalzium oder Magnesium, ohnehin durch eine ausgewogene Ernährung aufnehmen. Wer keine Milchprodukte konsumiert, für den kann laut dem Bundesverband der Verbraucherzentralen Mineralwasser mit einem hohen Kalziumgehalt von über 150 Milligramm pro Liter eine gute alternative Quelle sein. Wem der Gehalt also wichtig ist, der sollte auf die Kennzeichnung „Mit hohem Gehalt an Mineralien“ achten. Dann ist ein Mineralstoffgehalt von mehr als 1500 Milligramm pro Liter gesetzlich vorgeschrieben.

Mineralwasser oder Leitungswasser: Was ist ökologischer?

Bei Mineralwasser wird zusätzlich Verpackung benötigt, häufig aus Plastik. Laut der Deutschen Umwelthilfe werden in Deutschland pro Tag durchschnittlich mehr als 47 Millionen Einwegplastikflaschen verbraucht – jährlich sind das rund 17,4 Milliarden Flaschen. Die Herstellung von Einwegplastikflaschen verbrauche dabei so viel Rohöl, dass man mit derselben Menge über 356.000 Einfamilienhäuser ein Jahr lang beheizen könne. Dafür sind aber nicht nur die Wasserflaschen verantwortlich, sondern auch Softgetränke und Co. Dennoch: Zwei von drei Wasserflaschen sind Einweg. Zwar werden auch diese oft recycelt, doch dabei gehe immer viel Material verloren, heißt es von der Umwelthilfe. Mehrwegflaschen schneiden da schon besser ab. Sie können vielfach wiederbefüllt werden und anschließend in größeren Teilen recycelt werden.

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Vor allem aber ist es der Transport, der sich auf die Umweltbilanz des Wassers auswirkt. Laut dem Bundesverband der Verbraucher­zentralen wird Mineralwasser sogar massenweise importiert: etwa eine Milliarde Liter waren es allein im Jahr 2020. Ein Beispiel: In Berlin seien in 2019 etwa 105.000 Tonnen CO2 durch den Konsum von Mineralwasser entstanden. Würde dort komplett auf Leitungswasser umgestiegen werden, wären es dann nur noch 175 Tonnen CO₂. Die Klimabelastung durch Mineralwasser sei demnach „fast 600-mal höher als bei Leitungswasser“, heißt es.

Mineralwasser oder Leitungswasser: Was ist billiger?

Diese Frage lässt sich ebenfalls leicht beantworten: Die günstigere Variante ist ohne Frage das Leitungswasser. Laut Umweltbundesamt kostet ein Liter Wasser durchschnittlich nur einen halben Cent. Das günstigste Mineralwasser kostet im Supermarkt dagegen 13 Cent, heißt es von Stiftung Warentest. Dass Letzteres teurer ist, hat allerdings auch seine Gründe: Hier kommen schließlich noch Kosten für Produktion, Material oder auch Transport hinzu, und auch der Supermarkt selbst möchte etwas daran verdienen.

Wer jedoch beim Sparen nicht auf den Sprudel verzichten möchte, für den kann ein Wassersprudler eine gute Alternative bieten. Diese gibt es teilweise schon ab etwa 50 Euro. Das sind zwar auf einen Schlag mehr Kosten als ein Träger Mineralwasser, doch schon nach einigen Monaten kann sich der Sprudler rentieren.

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