Wissenschaft in Potsdam

Wissenschaft als Ufo aus dem All

Der Wissenschaftsstandort Golm hat große Defizite: Lange angekündigte Objekte wie hier das Versorgungszentrum sind nicht entstanden.

Golm. Wie ein Ufo hockt der Wissenschaftspark Golm auf den blühenden Wiesen am Bahnhof Golm. Bizarr geformt sind seine Fassaden, ein Sammelsurium eiliger Architekturentwürfe. Weit mehr als 10 000 Menschen studieren und arbeiten hier; dass sie hier leben, kann niemand behaupten. Der Wissenschaftsstandort ist alles andere als ein Kiez: Er hat keine Mitte und keine effektive Verkehrsanbindung. Er braucht von allem mehr: mehr Platz für eine Schule und eine zweite Kita, für Studentenwohnungen, für Versorgung und Handel, für Technologieunternehmen. Doch alle verfügbaren Flächen sind längst verkauft und verplant. Aber die fünf ernst zu nehmenden Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt wollen das noch ändern. Das wurde am Freitag bei einer Diskussion im Fraunhofer-Konferenzzentrum deutlich. Sie wollen vor allem bei der Entwicklung des Wissenschaftsparkes zu einem Wohnviertel nachjustieren.

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OB-Kandidaten-Talk im Wissenschaftspark: Götz Friederich (CDU), Janny Armbruster (Grüne), Martina Trauth (parteilos/Linke), Lutz Boede (Die Anderen) und Mike Schubert (SPS, v.l.n.r.)

Hier gebe es viel Naturwissenschaft, aber zu wenig Technologie, sagte ein Unternehmer, der sich in dem Areal erweitern möchte, aber keinen Platz findet.

Für junge Start up-Firmen, die sich aus der Wissenschaft heraus entwickeln, wird demnächst ein zweites GoIn-Innovationszentrum gebaut, weil das erste voll ist. Zwischen dem GoIn II und dem renovierten Bahnhof sollte eigentlich schon dieses Jahr ein riesiges Büro- und Laborgebäude als privatwirtschaftliche Investition entstehen, doch über die Bauschild-Phase ist man noch nicht hinaus.

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Auch das von allen Kandidaten vermisste Versorgungszentrum gegenüber dem Rewe-Supermarkt existiert nur als Computersimulation auf einem Bauschild, das immer noch die Fertigstellung für 2015 ankündigt.

Der OB-Kandidat und amtierende Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) möchte im Erdgeschoss der neuen, privaten Gewerbebauten noch nachträglich Nutzungen für die Allgemeinheit untergebracht sehen, „sonst bleibt das ein Raumschiff“. Sein Gegenkandidat Götz Friederich (CDU) aber hält die Messen für gesungen. Jetzt, da die Flächen verkauft und alle Pläne längst gemacht sind, komme die Stadt und wolle nachbessern. Dann müsse sie dem Investor einen Teil der Entwicklungskosten erstatten.

Ein Zentrum für den Kiez schaffen kann man nach Ansicht von Lutz Boede (Die Anderen) nur noch am Bahnhof. Weil auch auf der potsdamseitigen Hälfte des Wissenschaftsparkes die zehn Gewerbe-Hektar der städtischen Pro Potsdam „im Grunde schon verdampft“ sind, wie Schubert sagte, plädiert Boede dafür, Ausgründer auch auf andere Standorte in der Stadt zu lenken.

Von Rainer Schüler

MAZ

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